Maischberger: Obwohl Salman Rushdie zu Gast ist, gibt es große Sprachverwirrungen – Medien | ABC-Z

Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt ist nicht gerade das, was man sich unter einem homme de lettres vorstellt. Unter einem kulturell umfassend gebildeten Mann also, der aus einer intellektuellen Warte heraus Kraft seines Geistes und seiner rhetorischen, gar literarischen Fähigkeiten den Mitmenschen als Leitstern den rechten Weg leuchtet. Seit der aktuellen Ausgabe von „Maischberger“ wissen wir nun aber, dass Dobrindt in kulturellen Kontexten wenn schon nicht zum Subjekt taugt, so doch immerhin zum Objekt: Dobrindt nämlich könnte sehr gut eine literarische Figur von Salman Rushdie sein, aus dessen aktuellem Erzählband „Die elfte Stunde“.
Beide waren sie zu Gast bei Sandra Maischberger, der Politiker und der Schriftsteller. Rushdie ist gerade auf Lesereise in Deutschland unterwegs, und so beantwortete er auch im Talk-TV ein paar Fragen zu seinem Buch. Um den Zusammenbruch der Sprache gehe es in einer der Geschichten, erläuterte er. Weil darin bestimmte Wörter für unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft etwas Unterschiedliches bedeuten. Weshalb sie, auch wenn sie dieselben Begriffe verwenden, einander nicht mehr verstehen.
:Trump verspricht einen kurzen Krieg – aber will vom Kongress 200 Milliarden dafür
Die Regierung Trump behauptet, im Iran-Krieg laufe alles nach Plan, während die Bilder brennender Gasproduktionsanlagen und Öltanks um die Welt gehen. Die direkten und indirekten Kosten des Krieges bringen den Präsidenten zunehmend in Bedrängnis.
Der Minister ist überzeugt: Ein Unionspolitiker handelt automatisch christlich, egal, was er tut.
Eine halbe Stunde zuvor wollte Maischberger von Dobrindt Folgendes wissen: Ob es sich bei den sogenannten Return Hubs, die die EU in Drittstaaten außerhalb ihrer Grenzen errichten will, um dort Flüchtlinge, die nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können, zu internieren, und diese Flüchtlinge diese Lager auch nicht verlassen dürfen, nicht eigentlich um Gefängnisse handelt. „Nein, das sind keine Gefängnisse“, entgegnete Dobrindt. „Es sind Flüchtlingscamps.“ Ein Ort, an dem Menschen interniert werden und denen es verboten ist, diesen Ort zu verlassen, an dem sie also eingesperrt werden, ist laut Dobrindt: trotzdem kein Gefängnis. Und, weil Maischberger auch das wissen mochte von ihm: Menschen in diesen Return Hubs zu internieren, „ist selbstverständlich christlich“.
Wie Alexander Dobrindt das Fernsehstudio verlassen und Salman Rushdie an seiner statt auf demselben Sessel Platz genommen hat, konnte man als Fernsehzuschauer nicht sehen, weil in dieser Zeit noch schnell nach Vilnius geschaltet wurde, damit der sich dort befindende Militärexperte Carlo Masala noch eine Einschätzung zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs abgeben konnte. Aber man kann es sich eigentlich nur so vorstellen, dass Dobrindt zurück in Rushdies Buch gesprungen ist, der Schriftsteller dieses daraufhin rasch zugeklappt und wieder eingesteckt hat. Damit der Zusammenbruch der Sprache zumindest an diesem Abend nicht noch mehr Getöse anrichtet als ohnehin schon.
Schließlich hatte Dobrindt auch dargelegt, dass die gemeinsame Beratung einer Gesetzesvorlage von vier Europaabgeordneten, die teils der EVP-Fraktion angehören, zu der auch CDU sowie CSU zählen, und teils der AfD, keine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten darstellt. Als der Innenminister sich dann ausreichend missverstanden fühlte, die an diesem Abend sich tendenziell verheddernde Journalistin Dagmar Rosenfeld keinen weiteren Versuch unternahm, ihren Standpunkt kenntlich zu machen und sogar der Publizist Albrecht von Lucke wider seine Natur nichts mehr sagte, benannte Rushdie, was ja seine Profession ist, ein paar Dinge als das, was sie sind. Da ging es dann um Trump, den derzeit skrupellosesten Sprachzerstörer. Rushdie gab sich dennoch alle Mühe, auch inmitten dieses Trümmerfeldes optimistisch zu bleiben.





















