Mailand: Wie sich Amerikaner in Italien inszenieren – Stil | ABC-Z

Für sie: Schwerwiegend
Wir kennen alle dieses leichte Unbehagen: Kaum ist man über den Brenner, befällt einen selbst das Gefühl der Schwerfälligkeit. Schon klar, es gibt wahnsinnig schlecht angezogene Italienerinnen, aber das Gesamtbild ist doch eher leicht und elegant. Man selbst ist also eine Küchenschabe, die auf italienischem Boden an nichts anderes denken kann als an neue Klamotten, vor allem in Mailand, wo gerade die Olympischen Spiele stattfinden. US-Amerikanerinnen sind da schlauer. Sie passen ihre Garderobe an das europäische Land an, in das sie reisen. In Frankreich tragen sie Chanel-Tasche und Beret und in Italien weit schwingende Dolce-&-Gabbana-Kleider mit Blumendrucken, tiefen Ausschnitten und hohen Schuhen, so wie Jennifer Coolidge in der zweiten Staffel von„ White Lotus“. Solche Klischees würde ein sogenannter Local natürlich niemals tragen, weshalb diese Herangehensweise für uns Deutsche, die sich im Ausland gerne anpassen, auch kein Ausweg aus dem Küchenschabengefühl ist.
Wie die US-Amerikanerin mit italienischen Glamour-Situationen umgeht, machte uns nun Mariah Carey bei der Eröffnungszeremonie vor: ein Glitzerwahnsinn, eingerahmt von einer Federexplosion, auch auf dem Kopf. So was wie diese Kreation von Roberto Cavalli hat man noch nicht mal in San Remo gesehen. Und genauso verhunzte die Carey dann auch noch das Lied „Volare“, das sie mit ihrer Hammerstimme schmetterte und so von jedem leichtfüßigen Witz befreite. Wie gesagt, kaum ist man in Italien, befällt einen diese Schwerfälligkeit. Die einzige Option ist, kein Holzhammer zu sein und aufzugeben.
Für ihn: Filmreif
Der Eindruck mag täuschen, aber es scheint, als erlebe Schauspieler Jeff Goldblum derzeit eine Art dritten Frühling. Das Netz feiert ihn jedenfalls an vielen Ecken für seine schalkhafte Fröhlichkeit und sein unverkrampftes Auftreten. Die Bestandsaufnahme des Mannes klingt tatsächlich gut: Er ist 73, wird mittlerweile auch als Jazzmusiker geschätzt, hat zwei junge Kinder und ist vor wenigen Monaten Vegetarier geworden. Tatsächlich gelingt manchen Männern in diesem Alter noch mal ein regelrechter Imageboost, weil sie dann sozusagen völlig frei von Eitelkeiten und Manschetten auftreten können und einfach nur noch machen, was sie wollen. Das gilt natürlich auch für Outfits, Goldblum sieht mittlerweile immer aus, als hätte er die Filmgarderobe vom Set einfach angelassen, als wäre er die ganze Zeit Darsteller einer eigenen Jeff-Goldblum-Komödie.

Das gilt auch für sein Outfit beim Familientrip zur Olympia-Eröffnung in Mailand, wo er als Gastmodel auf der Fashion Week zuletzt auch schon Aufsehen erregte. Der aktuelle Look ist eher in die Kategorie „verwegen“ zu sortieren – die dick gepunktete Krawatte, Reporterhut und Opas Lederjacke wirken wie aus einem Wes-Anderson-Film über liebenswert verkrachte US-Sportreporter in den 1970er-Jahren. Bei vielen anderen sähe das nach Fasching aus, wenn nicht gleich nach Altkleidersammelstelle. Kombiniert mit Goldblums Attitüde aber, ist das irgendwie erfrischend und so wärmend wie die Erinnerung an das alte Hollywood. Man soll sich eben nicht nur für den Job kleiden, den man gerne hätte. Sondern auch für die Filmrolle, die einem gerade gut passen würde.





















