Long Covid: Fluvoxamin gegen Fatigue nach Covid – Gesundheit |ABC-Z

Auch wenn die akute Erkrankung vorbei ist, können manche Symptome noch länger andauern. Bekannt ist dies beispielsweise nach einer Ansteckung mit dem Grippevirus oder dem Coronavirus. Noch Wochen oder Monate nach der Infektion fühlen sich einige Patienten erschöpft und geschwächt. Ihnen fehlen Kraft und Energie, sodass sogar alltägliche Aktivitäten schwerfallen oder abgebrochen werden müssen. Als Fatigue wird dieser Zustand bezeichnet, der so umfassend sein kann, dass er mit Übermüdung oder Erschöpfung unzureichend erfasst ist. Bisherige Therapieversuche sind zumeist symptomatisch und oft fehlgeschlagen.
Auf ein geeignetes Gegenmittel könnten Ärzte und Gesundheitswissenschaftler aus Kanada, den USA und Brasilien nun gekommen sein. Im Fachblatt Annals of Internal Medicine zeigen sie, dass Patienten womöglich mit einem gängigen Stimmungsaufheller geholfen werden kann, und zwar mit Fluvoxamin aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, den sogenannten SSRI-Antidepressiva. Von 399 Patienten, die nach einer Covid-Infektion weiterhin über Fatigue-Symptome klagten, bekamen 150 Fluvoxamin, während die anderen entweder mit Metformin oder einem Placebo behandelt wurden.
Sowohl nach 60 als auch nach 90 Tagen berichteten die Probanden unter Fluvoxamin, dass sich ihre Beschwerden verbessert hätten. Auf einer Skala, die neun Aspekte der Fatigue umfasst, die zwischen eins und sieben bewertet werden können, zeigte sich eine signifikante Linderung der Symptome, was unter Metformin und Placebo hingegen ausblieb. Auch die subjektiv empfundene Lebensqualität der Teilnehmer stieg unter Fluvoxamin erkennbar an.
Ungewiss ist, ob die Erfolge über drei Monate hinaus anhalten
„Das ist ein wichtiger Schritt für Patienten, die verzweifelt nach wissenschaftlich seriösen Behandlungsmethoden suchen“, sagt Edward Mills, der Leiter der Arbeitsgruppe an der kanadischen McMaster’s Universität in einer Pressemitteilung. Fluvoxamin bringe einen Zusatznutzen und da es bereits breit verwendet werde, habe es klar das Potenzial zum klinischen Gebrauch. Für Metformin gibt es zwar auch Hinweise, dass es im Rahmen einer akuten Covid-Infektion hilfreich sein könnte, doch in Hinblick auf die Fatigue zeigte sich in dieser Studie keinerlei Nutzen. Ungewiss ist allerdings bisher, ob die Vorteile der Behandlung über die drei Monate hinaus anhalten, die der Untersuchungszeitraum umfasste.
Wie die Medikamente helfen, ist nicht sicher geklärt, allerdings ist bekannt, dass die Langzeitfolgen einer Coronainfektion häufiger bei Patienten mit einer negativen, aversiven Grundhaltung und depressiven Neigungen auftreten. Aus diesem Grund wurden zwar Menschen mit der gesicherten Diagnose Depression und der vorherigen Einnahme von Antidepressiva aus der Studie ausgeschlossen, jene mit depressiven Symptomen aber nicht. Letztere ebenfalls auszuschließen, „hätte die Stichprobe in unserer Studie einseitig verzerrt“, so die Autoren, „da unter den Patienten mit Long Covid Stimmungsveränderungen in unterschiedlichem Ausmaß auftreten“. Zwar könne eine Fatigue auch gänzlich unabhängig von psychischen Vorbelastungen oder psychiatrischen Vorerkrankungen vorkommen, aber diese Zusammenhänge müssten in weiteren Untersuchungen erst noch geklärt werden.
Immerhin gebe die aktuelle Studie den behandelnden Ärzten „erste, starke Hinweise darauf, welche Medikation die Symptome einer Fatigue bei Long Covid lindern könnte“, sagt Jamie Forrest von der University of British Columbia in Vancouver, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war. „Patienten wollen schließlich etwas, das sie gleich heute ausprobieren können – und die aktuellen Ergebnisse bringen uns dieser Realität näher.“




















