Leo XIV. in Monaco: Erstmals seit 500 Jahren besucht ein Papst das Fürstentum | ABC-Z

Vor fast 500 Jahren war letztmals ein Papst in Monaco. Im Jahr 1538 besuchte Paul III. die damals schon regierende Familie Grimaldi, die Ende des 13. Jahrhunderts den Flecken Erde erobert hatte und seither – mit Unterbrechungen – dort herrscht. Nun schwebte wieder ein Pontifex ein, Papst Leo XIV. kam am Samstag für einen Tag mit dem Hubschrauber aus dem Vatikan angeflogen.
Die Grimaldis wussten um die Bedeutung dieser Stippvisite, und so erschienen neben dem Fürstenpaar mit seinen Kindern auch die Schwestern von Albert II., Caroline von Hannover und Prinzessin Stéphanie. Die beiden wurden wiederum von einigen ihrer Kinder begleitet, von Charlotte Casiraghi und ihrem Bruder Pierre Casiraghi mit dessen Frau Beatrice Borromeo sowie von Stéphanies Sohn Louis Ducruet und dessen Frau Marie Ducruet.
Auffälligerweise fehlten Carolines jüngste Tochter, Prinzessin Alexandra von Hannover, sowie ihr ältester Sohn Andrea Casiraghi und seine Frau Tatiana Santo Domingo. Auch Stéphanies Töchter Pauline Ducruet und Camille Gottlieb wurden nicht gesehen.
Charlène kann sich auf das „Vorrecht des Weißen“ berufen
Alle Familienmitglieder erschienen in dunklen Farben, die Frauen in Schwarz, bis auf Fürstin Charlène und überraschenderweise auch ihre Tochter, die elf Jahre alte Gabriella. Charlène kann sich auf das Privilège du blanc berufen, „das Vorrecht des Weißen“, das besagt, dass es Königinnen (und Fürstinnen) aus katholischen Königs- und Fürstenhäusern gestattet ist, bei einer päpstlichen Privataudienz ein weißes Kleid und einen weißen Schleier zu tragen.
Das Privileg steht eigentlich nur acht Frauen zu, den beiden Königinnen aus Spanien, Letizia und Sofía, Paola von Belgien und ihrer Nachfolgerin, Königin Mathilde, den beiden Großherzoginnen von Luxemburg, Maria Theresa und Stéphanie, der Witwe des letzten italienischen Kronprinzen Viktor Emanuel von Savoyen, Marina Ricolfi Doria, sowie Charlène von Monaco. Allerdings wird das althergebrachte Protokoll immer wieder auch gebrochen, der Vatikan schweigt meist dazu.
Leos Reise nach Monaco war kein Staats-, nur ein Höflichkeitsbesuch, wie der Vatikan zuvor mitteilte. Monaco zeichne sich durch eine „tiefe Verbundenheit mit der Kirche von Rom und dem katholischen Glauben“ aus, hob der Papst in seiner ersten Ansprache auf dem Balkon des Fürstenpalasts hervor. Er freue sich, als erster Papst in der Neuzeit das Fürstentum besuchen zu können, ließ Leo die Menschenmenge auf dem Platz unter dem Balkon wissen.
Das Fürstentum, so der Papst, habe eine besondere Stellung als unabhängiger Staat auf dem europäischen Kontinent. „Eingebettet zwischen Gründungsländern der europäischen Einheit“ habe das Land „eine Berufung zur Begegnung und zur Pflege der sozialen Freundschaft“ – diese Werte seien „heute durch ein weitverbreitetes Klima der Abschottung und Selbstgenügsamkeit bedroht“.
Der katholische Glaube als Staatsreligion in Monaco
Monaco könne darum ein Zeichen setzen: „Das Geschenk der Kleinheit und ein lebendiges geistliches Erbe verpflichten Ihren Wohlstand zum Dienst an Recht und Gerechtigkeit, besonders in einem Moment der Geschichte, in dem die Zurschaustellung von Macht und die Logik des Machtmissbrauchs der Welt Schaden zufügen und den Frieden gefährden.“
Leo XIV. verwies auf die Besonderheit Monacos als eines der wenigen Länder der Welt, in dem der katholische Glaube Staatsreligion sei. In dem Fürstentum seien christliche Werte tief verwurzelt. Zugleich rief der Papst ausgerechnet in dem Zwergstaat, der bekannt ist für seine superreichen Bewohner, seine Casinos, Luxushotels und Yachthäfen sowie das Formel-1-Rennen, dazu auf, statt „vergänglichen Gütern“ nachzujagen lieber „mit freiem Herzen und erleuchtetem Verstand“ auf „nie da gewesene Herausforderungen“ zu reagieren.
Der Papst nannte in seiner Ansprache Monacos vielfältige Gesellschaft einen „Mikrokosmos“, in dem neben einflussreichen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Finanzen auch Menschen aus vielen verschiedenen Ländern Dienstleistungsberufe ausübten. Neben den Monegassen, den Franzosen und Italienern, die jeweils ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, sind in Monaco rund 150 Nationalitäten vertreten, unter ihnen viele Portugiesen und Filipinos, die stark im kirchlichen Leben engagiert sind, wie der Vatikan mitteilte.
„In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund“
Der Kleinstaat an der französischen Riviera wird heute vor allem als steuergünstiges Umfeld für Wohlhabende bezeichnet – etwa jeder Dritte der rund 38.500 Einwohner ist Millionär. „Für einige“ sei das Leben hier ein Privileg, sagte Papst Leo dazu, für alle aber auch eine besondere Aufforderung, „sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen“. Leo XIV. betonte: „In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund.“
Fürst Albert II. hob in seiner Rede die vielen Gemeinsamkeiten mit den Anliegen des Heiligen Stuhls hervor, darunter der Einsatz für das Leben und den Frieden. „In einer Zeit, in der bewaffnete Konflikte ausbrechen, in der Gewalt zu triumphieren scheint, wissen wir wie Sie, dass Frieden nur dann von Dauer sein kann, wenn er auf Gerechtigkeit gründet und auf Versöhnung ausgerichtet ist. Wenn er durch ‚Dialog, der wirklich eine Lösung für alle sucht‘, und nicht durch Waffen erreicht wird“, wandte er sich an den Papst. „Denn wir wissen, genau wie Sie, dass auch kleine Staaten zur Verbesserung der Welt beitragen können, vorausgesetzt, sie bleiben ihren Werten treu und sind in ihrer Entschlossenheit standhaft.“
Albert nannte den Papstbesuch einen historischen Moment, er freue sich, dass Leo sein Fürstentum schon in seinem ersten Pontifikatsjahr besuche. Der Besuch endete am Nachmittag mit einer Messe im Fußballstadion des AS Monaco. Am Abend flog Leo XIV. schon wieder zurück in den Vatikan.





















