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Lenggries: 1000 Banker auf der Skipiste – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Unten im Tal ist es zurzeit wieder grün, oben am Brauneck muss die Schneedecke unbedingt halten. Denn von 24. bis 31. Januar findet auf dem Lenggrieser Hausberg eine Wintersport-Großveranstaltung statt, zu der rund 1000 Teilnehmende aus verschiedenen europäischen Ländern in den Isarwinkel kommen. „Ski Meeting Interbancario Europeo“ nennt sich das Event, bei dem Athletinnen und Athleten aus dem Bankensektor in verschiedenen Disziplinen wie Riesenslalom und Langlauf antreten.

Der Wettbewerb wird am 25. Januar um 20 Uhr mit einer großen Parade durch die Tölzer Marktstraße offiziell eröffnet, anschließend rocken The Heimatdamisch die Innenstadt. Es gibt zwei Rennstrecken: die Weltcupabfahrt am steilen Garlandhang sowie die Ahornabfahrt von der Bergstation zur Kotalm. Die Langlaufdisziplin startet beim Loipeneinstieg bei den Gilgenhöfen.

Auch Kurioses lädt zum Zuschauen ein: Bei einem besonderen Drachenbootrennen paddeln Teams aus verschiedenen Nationen synchron, allerdings nicht im Wasser, sondern auf Schnee. Es findet am Mittwoch, 28. Januar, von 15 bis 18 Uhr im Talbereich beim Streidlhang statt. Zum Abschluss gibt es am 30. Januar ein Konzert in der neuen Almhütte mit der AC/DC-Coverband „AYCY“, das ab 22 Uhr für alle offen steht. Auch bei der Eröffnungsparade in der Tölzer Marktstraße sei die Bevölkerung „herzlich eingeladen“, betont Maria Bader.

Seit Wochen ist die Lenggrieser Tourismuschefin mit der Organisation beschäftigt. „Wir sind im Dauerstress“, sagt sie und lacht. Denn eine Veranstaltung in dieser Größenordnung zu stemmen, mit einem Team von gerade einmal sechs Leuten, sei schon eine Herausforderung. Buchung der Unterkünfte, Abstimmung mit den Skiclubs aus der Region und dem Sparkassen-Organisationsteam – all das müsse gestemmt werden.

Außerdem sei vieles neu, etwa der Bau der Almhütte auf dem Festplatz an der B13: Eigens für das Meeting wurde ein beheizbarer Stadl in „gemütlicher Hüttenoptik“ mit 900 Plätzen aufgebaut. Für die Athleten gibt es dort Verpflegung durch den Arzbacher Kramerwirt, und es finden Siegerehrungen und Konzerte für die Teilnehmer statt. Die Almhütte bleibt bis Ende Februar 2026 stehen und kann von Vereinen, Unternehmen oder Privatpersonen gemietet werden.

Die Initiative, die Veranstaltung nach Lenggries zu holen, geht auf einen Vorstoß der Sparkassen München und Bad Tölz-Wolfratshausen zurück, die beide „Premiumpartner“ und Hauptsponsoren sind, wie Bader erklärt. Im Dezember 2023 habe man die Bewerbung beim ständigen Interbancario-Komitée abgegeben. „Nicht ganz eine Olympia-Bewerbung“, sagt Bader. Aber ein umfangreicher Bewerbungsbogen musste ausgefüllt werden, zudem habe die Gemeinde eine detaillierte Präsentation erstellt. Für Lenggries sei das Event vor allem eine „Werbeplattform“, sagt Bader. „Damit Urlauber auch aus dem Ausland auf uns aufmerksam werden.“ Denn bislang kämen Gäste überwiegend aus Deutschland. Außerdem werde mit der Veranstaltung das „Januar-Loch“ geschlossen, Betten würden belegt.

Apropos Betten – weil es in Lenggries mit Ausnahme des „Flesslers“, das Ende September wieder eröffnet hat, keine weiteren Hotels in diesem Segment gibt, stimme man sich mit anderen Unterkünften in der Region, vor allem mit Bad Tölz, eng ab. Wie viele Sportler genau teilnehmen, konnte Bader Ende Dezember noch nicht sagen. 800 Betten seien bereits gebucht. „Wir rechnen insgesamt mit 1000 Teilnehmern“, sagt die Lenggrieser Tourismuschefin.

Sie kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien, Frankreich, Finnland und Norwegen. Finanziert wird das Skimeeting durch Teilnehmergebühren, Startgelder und Sponsoren. Der Skibetrieb am Brauneck laufe während des Events normal weiter, betont Bader. Zu den Rennzeiten von Montag bis Donnerstag jeweils vormittags werde allerdings die Ahornabfahrt gesperrt.

Das erste „Meeting Interbancario“ fand 1961 im italienischen Skigebiet Nevegal statt

Die Geschichte des Sportevents reicht bis in das Jahr 1961 zurück. Das erste „Meeting Interbancario“ im italienischen Skigebiet Nevegal bei Belluno war als Betriebssportveranstaltung geplant, an der 15 Banken und 63 Läufer teilnahmen. 1967 kamen erstmals wintersportbegeisterte Banker aus dem Ausland dazu. Im Jahr 1985 erreichte der Wettbewerb, der stets Ende Januar in einer europäischen Skiregion ausgetragen wird, mit 2314 Teilnehmern einen Höhepunkt. Die letzte Veranstaltung in Deutschland fand 1999 in Garmisch-Partenkirchen statt.

Trotz des mit den Jahren gestiegenen sportlichen Niveaus sei das Interbancario vor allem ein Sportfest, mit dem Ziel, internationale Freundschaften und Kontakte zu knüpfen. „Einfach mal zusammenkommen“, formuliert Thomas Bundschuh, Pressesprecher der Stadtsparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Teilnehmer seien durchweg Amateur-Sportler, und mitmachen könne jeder, der bei einer Bank oder Sparkasse arbeitet.

Auch für die Region sei das Interbancario ein Gewinn, betont Bundschuh: Hotel- und Gastgewerbe profitierten, aber auch Vereine, die bei der Vorbereitung und Ausführung eingebunden seien. „Mit über 1000 Teilnehmern ist das ein Magnet.“ Bleibt nur zu hoffen, dass auch ausreichend Schnee angezogen wird. Tourismuschefin Bader ist zuversichtlich. „Am Berg liegt Ende Januar auf alle Fälle genug“, das zeige die Erfahrung. Und falls es auf der Langlaufloipe im Tal nicht reicht, werde es Ausweichmöglichkeiten geben.

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