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Landkreis Ebersberg: Erfolgswelle der AfD verebbt in den Kommunen – Ebersberg | ABC-Z

Was heute wohl kaum mehr jemand weiß: Ebersberg ist die Wiege der AfD. Zumindest der bayerischen. 2013 wurde der Landesverband gegründet, der heute ein rechtsextremistischer Verdachtsfall ist, und zwar in eben jener Kreisstadt mit dem Eber als Wappentier. Trotzdem hat sich der Landkreis östlich von München nicht zu einer Hochburg der Partei entwickelt – das haben die Kommunalwahlen nun wieder bestätigt. Ein kleiner Ort allerdings rückt bei dieser Betrachtung schnell in den Fokus.

Als Zentrum des Ebersberger AfD-Kreisverbands kann wohl Steinhöring bezeichnet werden, denn hier lebt Christoph Birghan. Der gebürtige Berliner ist Biologe und Patentanwalt, seit 2013 ist er Mitglied der AfD und inzwischen nicht nur Kreisvorsitzender, sondern auch Bundestagsabgeordneter. 2025 erreichte er über die bayerische Landesliste den Einzug in das höchste deutsche Parlament. Und nun wollte er obendrein Ebersberger Landrat werden. In seiner Bewerbung schrieb er: „Noch mehr links-grünen Unfug brauchen wir wirklich nicht!“

Christoph Birghan sitzt als Abgeordneter für die AfD im Bundestag und künftig auch im Ebersberger Kreistag. Für den Posten des Landrats und ein Mandat in Steinhöring hingegen hat es nicht gereicht. IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Den Kandidaten der Ökopartei zu überholen, gelang Birghan indes bei Weitem nicht, ganz zu schweigen vom amtierenden Landrat. Thomas von Sarnowski (Grüne) gewann beachtliche 30,4 Prozent der Wählerstimmen für sich, Robert Niedergesäß (CSU) sicherte sich mit 56,7 Prozent gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Christoph Birghan von der AfD markierte mit 12,9 Prozent das Schlusslicht. Trotzdem sei er keineswegs enttäuscht, sagt er, genau solch ein Ergebnis habe er erwartet. „Fürs erste Mal ist das doch relativ gut. Zumal wir in anderen bayerischen Landkreisen ganz ähnliche Zahlen haben.“

Interessant ist dabei, wie groß das Gefälle der Zustimmung in den einzelnen Kommunen ist. Es reicht von 8,6 Prozent im städtisch geprägten Vaterstetten oder 10,9 Prozent in Zorneding über leicht unterdurchschnittliche Werte in Grafing (11,7), Poing (11,8) oder Ebersberg (12,7) und leicht überdurchschnittliche Ergebnisse in Kirchseeon (13,5) oder Markt Schwaben (13,7) bis zu 20,8 Prozent im ländlichen Frauenneuharting. In seiner Heimatgemeinde fuhr der AfD-Bewerber 18,1 Prozent ein.

Drei der sechs neuen AfD-Kreistagsmitglieder stammen aus Steinhöring

Doch nicht nur Birghans Landratskandidatur rückt das kleine Steinhöring in den Fokus: Gleich sechs der 20 Kandidatinnen und Kandidaten auf der AfD-Liste für den Ebersberger Kreistag stammen aus dem 4000-Einwohner-Ort. Und drei von diesen ziehen jetzt in das kommunale Gremium ein: Christoph Birghan, seine Frau Kathrin Birghan, die in Ebersberg als Hausärztin arbeitet, und die Buchhalterin Alexandra Hangl. Hinzu kommen Hubert Würz, ein Landwirt aus Baiern, Dominik Zingler, ein Industriemechatroniker aus Poing, sowie Harald Süpfle, ein Softwareentwickler aus Markt Schwaben.

Auf Kreisebene nämlich konnte die AfD ihre Stärke verdoppeln: Künftig wird sie im Ebersberger Kreistag mit sechs Sitzen vertreten sein anstatt wie bislang nur mit drei. Mit 10,5 Prozent, was ein Plus von 6,2 Prozentpunkten gegenüber der Wahl 2020 bedeutet, hat es die Rechtsaußenpartei nach CSU, Grünen und SPD nun auf Platz vier geschafft. Hausmacht sind und bleiben allerdings die Christsozialen: Dank ihrer 25 Sitze können sie mit den Freien Wählern und der FDP in der Regel eine stabile konservative Mehrheit bilden.

Das Personal der AfD allerdings wird komplett neu sein: Der langjährige Vaterstettener Gemeinderat und Kreisrat Manfred Schmidt aus Baldham wurde vom letzten auf den vorletzten Platz gewählt – was für ein neuerliches Mandat freilich nicht ausreicht. Gleiches gilt für Heidelinde Pelz aus Baldham, sie konnte von Platz zehn lediglich auf den neunten klettern. Helmut Demmel aus Grafing wiederum, Nummer drei im bisherigen AfD-Trio, war diesmal gar nicht mehr angetreten.

Manfred Schmidt war bislang der Wortführer der AfD-Fraktion im Ebersberger Kreistag. Diesmal musste er sich mit dem letzten Listenplatz begnügen – und hat die Wiederwahl entsprechend verpasst.
Manfred Schmidt war bislang der Wortführer der AfD-Fraktion im Ebersberger Kreistag. Diesmal musste er sich mit dem letzten Listenplatz begnügen – und hat die Wiederwahl entsprechend verpasst. Peter Hinz-Rosin

In den Kommunen allerdings hat die AfD im Landkreis Ebersberg bislang nicht viel zu bieten. Es gibt nur eine einzige Gemeinde, in der es der Partei gelungen ist, eine Liste für das lokale Parlament aufzustellen. Und dieser Ort ist, es vermag kaum zu verwundern, Steinhöring. Fünf AfD-Bewerberinnen und -Bewerber standen dort zur Auswahl – doch die scheinen auf nicht allzu großes Interesse gestoßen zu sein: Angesichts eines breiten Spektrums an Parteien und Wählergemeinschaften, insgesamt sieben an der Zahl, landete die AfD mit 8,4 Prozent auf Platz sechs.

Das bedeutet: Die Partei wird künftig mit lediglich einem Sitz im Steinhöringer Gemeinderat vertreten sein. Doch auch damit ist der Kreisvorsitzende zufrieden: Man habe mit maximal zwei Mandaten gerechnet. „Die Kommunalwahl ist eben immer auch eine Personenwahl. Die Menschen wählen Leute, mit denen sie sich identifizieren können.“ Auf dem einen AfD-Sitz wird aber nicht Christoph Birghan Platz nehmen, sondern seine Frau. Katrin Birghan erreichte mit 804 Stimmen das beste Ergebnis ihrer Partei in Steinhöring. Als Ärztin genieße sie offenbar einen hohen Vertrauensvorschuss, so erklärt sich das ihr Mann.

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