Reisen

Kreuzfahrt zu den Ionischen Inseln: Griechenlands Geheimtipp | ABC-Z

Um die rund 50 Ionischen Inseln im Westen Griechenlands besser kennenzulernen, bietet sich am besten eine Blaue Reise an, die von Zakynthos oder kurz Zante startet. Dort gehen wir mit 13 Gästen an Bord der „Aphrodite“ und werden von Captain Panagiotis Kamarinos und seiner tollen Crew eine Woche durch die azurblauen Gewässer des Mittelmeers „geschippert“.

Unser erstes Ziel ist Agia Ethimia auf Kefalonia, der größten Insel des Ionischen Meeres. Für Naturliebhaber lohnend ist hier ein Ausflug zum Ainos-Nationalpark, der vom 1628 Meter hohen Berg Megas Soros überragt wird. Uralte, endemische Tannen, die die Venezianer bereits zum Schiffsbau nutzten, bedecken den Gipfel, der tolle Ausblicke auf die Inselwelt des Ionischen Meeres bietet. Weiter geht es an die Nordspitze der Insel in das kleine Fischerdörfchen Fiskardo, das sich inzwischen zu einem schicken Yachthafen entwickelt hat und das vom schweren Erdbeben im Jahr 1953 verschont blieb.

Das nächste Eiland – Lefkada – ist von insgesamt 24 kleinen Inseln umgeben – eine davon ist Skorpios, deren Geschichte untrennbar mit dem griechischen Schifffahrtsmagnaten Aristoteles Onassis verbunden ist. „Onassis kaufte die gerade mal anderthalb mal einen Kilometer große Insel 1963 für nur dreieinhalb Millionen Drachmen, was heute etwa 13.000 Euro entspricht“, erzählt uns unser Captain. „Aus dem öden Eiland schuf er den wohl mondänsten privaten Rückzugsort im Mittelmeer, der in den 1960er-Jahren in kaum einer Klatschspalte fehlte. Prominente, Politiker und selbst Könige kamen hier zusammen. Und 1968 heiratete Onassis, der vorher mit Maria Callas liiert war, hier Jacqueline Kennedy, die Witwe des ermordeten US-Präsidenten.“ Zwar ist die Insel, die 2013 in einem 99-jährigen Pachtvertrag an den russischen Oligarchen Dimitry Rybolovlev vergeben wurde und in das exklusivste Luxusresort der Welt verwandelt werden soll, nur aus der Ferne zu bewundern, doch entschädigt uns wenigstens im Yachthafen von Nydri eine Statue des „Tanker-Königs“, der auf Skorpios neben seinen Kindern Ale­xandros und Christina begraben ist.

Die nächste Geschichte erwartet uns dann auf Ithaka, einer Insel, der in der griechischen Mythologie eine hohe Bedeutung zukommt. Der sagenumwobene Odysseus soll von hier stammen. Der Held des Trojanischen Krieges konnte – so liest es sich in Homers „Odyssee“ – erst nach etlichen überstandenen Abenteuern und einer jahrelangen Irrfahrt zu seiner Gattin Penelope nach Ithaka zurückkehren.

Archäologen spekulieren, dass sich der Palast des Odysseus in der Nähe des Dorfes Exogi befand. Und – wie die Zeitschrift „Geo“ kürzlich berichtete – deuten neue Ausgrabungen auf ein bedeutendes Heiligtum hin. Bewundern kann man auch eine Statue des „Königs von Ithaka“ im Hafen von Vathi, der längst in Segelkreisen als ein „Geheimtipp im Ionischen Meer“ gehandelt wird.

Der Legende nach soll die Zauberin Zirze einige Männer von Odysseus auf seiner Irrfahrt in Schweine verwandelt haben. Gedanken daran kommen uns, als wir am nächsten Tag vor der Rückfahrt nach Zante noch einen Badestopp vor der unbewohnten Privat­insel Atokos machen. Denn außer einigen Gästen anderer Boote tummeln sich haufenweise Wildschweine in den kristallklaren Fluten oder erwarten uns neugierig am Strand.

Andere Varianten für deren Entstehungsgeschichte sagen, dass die Wildschweine von Seefahrern als Nahrungsquelle auf die mit Olivenbäumen und dichtem Buschwerk bewaldete Insel gebracht wurden. Behauptet wird auch, sie seien Nachkommen von Schweinen, die Schiffbrüche überlebt und die Insel zu ihrer Heimat gemacht hätten.

Nach einem opulenten Captains Dinner geht es am nächsten Morgen von Bord, und wir genießen noch ein paar Tage die wunderschöne Insel Zakynthos, die die Venezianer, die hier von 1484 bis 1797 herrschten, wegen der über 7000 verschiedenen Blumenarten „Fioro di Levante“ (Blume des Ostens) nannten.

Heute prägen vor allem zwei touristische Highlights die drittgrößte Insel des Ionischen Meeres. So liegt der wohl meistfotografierte Strand von Griechenland, der „Shipwreck Beach“, an der Nordwestküste von Zante. Und mit etwas Glück bekommt man auch Schildkröten zu Gesicht, da die Insel als eines der größten Brutgebiete der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeerraum gilt. Bereits in der griechischen Mythologie besaßen die Caretta-Caretta-Meeresschildkröten, die als Fruchtbarkeitssymbol unter dem Schutz der Göttin Aphrodite standen, einen hohen Stellenwert. Leider setzt der Massentourismus und das „Turtle-Spotting“ unzähliger Motorboote der vom Aussterben bedrohten Tierart mächtig zu. So wurden im 1999 geschaffenen Zakynthos National Marine Park, der unter anderem die Bucht von Laganas und die vorgelagerte kleine Insel Marathonisi (Tur­tle Island) umfasst, 2018 noch 1463, im Corona-Jahr 2020 sogar 1796 Nester gezählt, in denen die Schildkröten ihre Eier ablegten. Deren Zahl hat sich bis Ende Oktober 2022 bereits auf 1125 Nester und in der Folgezeit wahrscheinlich weiter reduziert.

Da sich Laganas zur Party­hochburg der Insel entwickelt hat, stören bis tief in die Nacht laute Musik und künstliches Licht der Lokale die Schildkröten bei der Eiablage. Und da oftmals mehrere Boote eine Schildkröte umzingeln und nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand von 15 Metern einhalten, führt dies bei den Tieren zu Stress und kann sie von ihrer ursprünglichen Route abbringen.

Auch am Navagio-Strand, der durch das Schiffswrack der MV Panagiotis seine Berühmtheit erlangte, hat der Tourismus längst Einzug gehalten. 1980 lief das Schiff, das angeblich in Schmuggelaktivitäten verwickelt war, auf Grund und wurde von der Besatzung nach einer Verfolgungsjagd mit den griechischen Behörden aufgegeben. „Für den Blick auf die ,Schmuggelbucht‘ sollten Sie Zeit einplanen“, rät man uns. „Im Sommer soll es an dem abgezäunten Aussichtspunkt in praller Sonne zu Wartezeiten von bis zu drei Stunden gekommen sein. Am schnellsten kommen Sie zu Ihrem Postkartenmotiv am frühen Morgen oder in den Abendstunden. Und planen Sie nach den Fotos noch einen Besuch im nahe gelegenen schönen Kloster Agios Georgios ein. Es besticht durch seine typisch venezianische Architektur und stammt aus dem Jahr 1535.“

Und wer dann noch etwas Zeit hat, sollte den Blue Caves einen Besuch abstatten. Boots­touren werden hier auch an der sehenswerten Potamitis Windmill, an der Nordspitze der Insel, angeboten. Oder man kann über eine Treppe ins kristallklare Wasser gelangen und zu den beeindruckenden Kalksteinhöhlen schwimmen. Schließlich empfiehlt sich vor der Rückkehr zum Hotel noch ein Stopp am nahegelegenen Strand von Xigia, der für seine heilenden, allerdings stark riechenden Schwefelquellen bekannt ist.

Back to top button