Krankenhaus Starnberg soll neu gebaut werden – Starnberg | ABC-Z

Thomas Weiler hat einen Aktenordner mitgebracht. Darin steckt ein Gutachten, das die Krankenhäuser der Region grundlegend verändern könnte. „Confidential“ – vertraulich, betont er. Es geht um die Versorgungslage und Reformvorschläge für die Krankenhauslandschaft. Die Unterlagen gibt er nicht heraus, doch er nennt einen Punkt: Das Gutachten empfiehlt für das Starnberger Klinikum einen Neubau.
Seit 20 Jahren leitet der 63-jährige Arzt und Betriebswirt das Klinikum Starnberg. An diesem Abend hat ihn Josef Hofmann, Vorsitzender des Seefelder Kulturvereins „Räsonanz“, für die Gesprächsreihe „Mitbürger im Gespräch“ eingeladen. Immer wieder kreist das Gespräch um die Zukunft der Landkreis-Krankenhäuser. „So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben“, sagt Weiler. Seit Jahren kursieren Szenarien für die Neuordnung der Krankenhäuser.
Am 6. März hat der Bundestag die Krankenhausreform nachgebessert, mit Folgen für die Region. Was bisher als Möglichkeit galt, wird konkret. Die Länder erhalten mehr Spielraum und längere Übergangszeiten. Am Ziel ändert sich nichts: Überkapazitäten abbauen, Behandlungen in großen Schwerpunktkliniken bündeln. Kernstück der Reform sind „Leistungsgruppen“ für Behandlungen. Mit diesen werden bundeseinheitliche Kriterien festgelegt, um die stationäre Patientenversorgung sicherzustellen. Weiler sieht gute Chancen für ein Schwerpunktkrankenhaus Starnberg. So gibt es an der Klinik fast das geforderte Leistungsspektrum und die Klinik erfüllt die Vorgabe, mehrere Landkreise zu versorgen.
Rund 17 Prozent der Patienten aus den Landkreisen Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen lassen sich in Starnberg behandeln, aus Fürstenfeldbruck und Landsberg jeweils etwa zehn Prozent, zählt Weiler auf. Viele fahren schon jetzt nach Starnberg, obwohl es in ihren Heimat-Landkreisen Krankenhäuser gibt. Als Schwerpunktklinik müsste das Haus an der Oßwaldstraße erweitert werden, um künftig im Jahr statt 21 000 Patienten bis zu 30 000 zu behandeln. Die An- und Abfahrten könnten Verkehrschaos verursachen. Das Klinikum stammt aus den 1960er-Jahren und wurde zwischen 1995 und 2005 saniert.
Keine Klinik will lukrative Hüft- oder Knieoperationen abgeben
„Damals lag es am Stadtrand, heute mitten in der Stadt“, so Weiler. Für einen möglichen Neubau laufen bereits vor einem offiziellen Beschluss Grundstücksverhandlungen. Details nennt Weiler nicht, verrät aber: „Der Standort ist aus dem gesamten Landkreis innerhalb von 20 bis 30 Minuten zu erreichen“. Der Staat hat ein weiteres Gutachten beauftragt. Noch vor Herbst sollen die Ergebnisse Grundlage für die Entscheidungen sein, welche Kliniken bleiben und welche der etwa 65 Leistungsgruppen sie anbieten dürfen.
Dass sich die Krankenhäuser wie ursprünglich geplant selbst untereinander einigen sollten, sei unrealistisch gewesen. „Keiner will doch etwas abgeben“, meint Weiler, vor allem nicht lukrative Hüft- und Knieoperationen. Nach der Reform sollen solche Eingriffe nur noch an einem Standort stattfinden. Von der wohnortnahen stationären Versorgung werde man sich jedenfalls verabschieden müssen, erklärte Weiler. Das könne zwar längere Anfahrtswege bedeuten, aber: „Lieber zehn Minuten längere Fahrtzeit, aber dahin, wo das Problem gelöst werden kann.“
Ein weiterer Vorteil einer Schwerpunktklinik: Sie kann die immer älter werdenden Patienten besser versorgen, die oft mehrere Krankheiten gleichzeitig haben. Der Bund stellt 29 Milliarden Euro für den Umbau der Krankenhauslandschaft bereit. Das Geld fließt bis 2035 in einen Transformationsfonds. „Kommt davon auch etwas nach Starnberg?“, will ein Zuhörer wissen. Bei einem Neubau hofft Weiler, dass der Staat 80 Prozent der Kosten übernimmt. „Das muss aber politisch entschieden werden“.
Kann das Seefelder Krankenhaus als Notfallhaus erhalten bleiben?
Planungen und Bauphase würden etwa zehn Jahre lang dauern. Eventuell beschleunige aber die derzeitige Bedrohungslage das Procedere. Zwischendurch wird der Abend persönlich. Hofmann zeigt Fotos aus Weilers Leben. Der Klinikchef stammt aus Oberwesel in Rheinland-Pfalz, erzählt von seiner alleinerziehenden Mutter und seinem Vater, der in den USA mit 50 Patenten für die Neurochirurgie erfolgreich war. Er hinterließ seinen Kindern millionenschwere Familienstiftungen. Die Forschungsstiftung für Medizin in Kalifornien nannte Weiler „meinen Hauptberuf“.
Auf einem Foto steht der junge Weiler auf der Familienranch in Santa Barbara, „so groß wie das Saarland“. Nach dem Medizinstudium entdeckte er seine kaufmännische Seite und studierte Betriebswirtschaft. Später arbeitete er an großen Kliniken, unter anderem in Wiesbaden in einem Haus mit 1200 Betten, bevor er nach Starnberg kam.
Gegen Ende meldet sich ein Besucher. Ob das Seefelder Krankenhaus nicht wenigstens als kleines Notfallhaus erhalten bleiben könne? „Noch ist nichts festgeschrieben“, sagt Weiler. Wenn weniger Kliniken übrigbleiben, müsse man die wohnortnahe Versorgung mit mehr Rettungswagen und Ambulanzen neu organisieren. Eventuell könnte wegen der kritischen Weltlage und des Klimawandels „ein neues Nachdenken“ einsetzen und der Abbau nicht so drastisch ausfallen.





















