Königin Mary von Dänemark: Eine Australierin kehrt heim | ABC-Z

Noch vor der Morgendämmerung machten sich König Frederik und Königin Mary von Dänemark auf den Weg. Ziel: das Mutitjulu Waterhole, ein heiliges Wasserloch am Fuß des Uluru – jener roten Felsformation im Herzen Australiens, die selbst hartgesottene Reisende zum Staunen bringt. Als Mary gegenüber der ABC nach ihren Eindrücken gefragt wurde, fiel ihr nur ein Wort ein: „Magisch.“ Es ist ein Wort, das auch auf ihre Geschichte passt.
Regen, Malve und königliche Fliegen
Der dänische Staatsbesuch begann so, wie Australien es offenbar mit seiner bekanntesten Königin hält: ohne große Umstände, aber mit viel Herz. Das Paar wanderte den Kuniya-Pfad entlang, geführt von Valerie Brumby, einer Vertreterin der traditionellen Eigentümer des Landes. Frederik, offenkundig in Abenteuerstimmung, gestand auf dem Rückweg, er habe sogar eine Honigtopfameise probiert.
Tags zuvor hatten die Royals den Sonnenuntergang am Uluru genossen – allerdings nicht in jenem ikonischen Feuerrot, das Millionen von Postkarten ziert. Der Regen hatte den jahrmillionenalten Monolithen in ein zartes Malvenrot getaucht. Ein seltener Anblick, wie für königlichen Besuch reserviert. Ganz königlich ging es freilich nicht immer zu: Mary, elegant in beigefarbenem Hosenrock, grauer Bluse und Akubra-Hut, kämpfte tapfer gegen hartnäckige australische Fliegen an. Die mitgereisten dänischen Journalisten amüsierten sich derweil über einige Mitglieder des Hofstaats, die sich zu wenig modischen, aber zweckmäßigen Fliegennetzen gezwungen sahen. Willkommen im Outback.

Frederik und Mary sehen sich im Kulturzentrum des Uluru-Kata-Tjuta-Nationalparks einen zeremoniellen Tanz an.
© David Gray/AFP/dpa | DAVID GRAY
Das Slip Inn und ein Kronprinz ohne Namensschild
Am Sonntagnachmittag flog das Paar weiter nach Canberra, wo ein Staatsbankett und ein Treffen mit der Generalgouverneurin warteten. Doch der Jubel, der Mary und Frederik auf dieser Reise begleitet, gilt weniger dem Königspaar als vielmehr der Frau dahinter – einem Mädchen aus Hobart, das über mehrere Ecken mit einem Freundeskreis aus Sydney verbunden war. Es war während der Olympischen Spiele im Jahr 2000 – Frederik reiste mit seinem Bruder Joachim, einem griechischen Cousin, einer norwegischen Prinzessin und dem heutigen spanischen König Felipe VI. nach Sydney – und landete im Pub Slip Inn.

Frederik und Mary im Kulturzentrum des Uluru-Kata-Tjuta-Nationalparks.
© David Gray/AFP/dpa | DAVID GRAY
Felipe hatte eine australische Freundin dabei, die ihre Schwester mitbrachte, die einen Freund einlud, der zufällig der Mitbewohner von Mary Donaldson war. So kam Mary – über gefühlte fünf Ecken – zu einer der illustren Spontangesellschaften der jüngeren Adelsgeschichte. Das Entscheidende: Sie wusste nicht, wen sie da kennenlernte. „Als wir uns die Hände schüttelten, wusste ich nicht, dass er der Kronprinz von Dänemark war“, sagte Mary 2003. Erst später klärte sie jemand auf. Frederik hingegen war wohl von Anfang an verloren – und soll in den folgenden zwölf Monaten regelmäßig und heimlich nach Australien zurückgekehrt sein, um Zeit mit der Frau aus Hobart zu verbringen.
Vom Vorort in Hobart auf den Thron in Kopenhagen
Mary Donaldson wuchs in den 1970er- und 80er-Jahren als Tochter eines Mathematikprofessors in einem Vorort von Hobart auf, der Hauptstadt Tasmaniens. Sie studierte Jura und Wirtschaft, arbeitete in der Werbung und als Immobilienmaklerin – ein außergewöhnlich gewöhnlicher Lebenslauf für eine künftige Königin.

Als sie Frederik am 14. Mai 2004 in Kopenhagen heiratete, gab sie ihre australische und britische Staatsbürgerschaft zunächst auf, absolvierte in Dänemark eine Militärausbildung und lernte Dänisch – und zwar so schnell und so gut, dass ihr das die Dänen bis heute hoch anrechnen. In Dänemark gilt sie als modern, volksnah und engagiert: Sie setzt sich für Frauenrechte, reproduktive Gesundheit, LGBTQ-Rechte und das Wohl von Kindern ein. „Ich hatte schon immer einen starken Sinn für Gerechtigkeit“, sagte sie 2022 der „Financial Times“. „Jeder sollte die gleichen Chancen haben, egal woher man kommt.“ Worte, die in Australien besonders gut ankommen – in einem Land, das sich selbst gerne als Ort der zweiten Chancen versteht.
Ein stolzes Land
Als Königin Margrethe II. Anfang 2024 überraschend ihre Abdankung ankündigte, war die Freude in Australien fast so groß wie in Dänemark. Die australischen Medien feierten „ihre“ Mary ausgiebig – der „Sydney Morning Herald“ schrieb über ihren „Aufstieg zur Königin“, die ABC widmete ihr Sondersendungen, der australische „Guardian“ eine ganze Bilderserie. Ein tasmanisches Mädchen als Königin von Dänemark – das ist auch nach 26 Jahren noch eine Geschichte, die das Land bewegt.
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Gerüchte über eine angebliche Affäre Frederiks Ende 2023 – die Betroffene dementierte vehement, der Hof schwieg – schienen das Fundament nicht zu erschüttern. In seinem Buch „Kongeord“ („Das Wort des Königs“) schrieb Frederik kurz nach seiner Krönung über das „glückliche Fundament, das für Menschen entsteht, die es schaffen, zusammenzubleiben und durchzuhalten“. Diese Verbundenheit zelebrieren die Royals auch in den sozialen Medien: Das dänische Königshaus postete nostalgische Jugendbilder des Paares auf Instagram sowie eine aktuelle Fotoserie der beiden am Uluru, die sie mit strahlendem Lächeln mit indigenen Bewohnerinnen und Bewohnern zeigt.





















