Kommunalwahlen in Frankreich: Rechtspopulisten liegen bei Kommunalwahlen in mehreren Städten vorn | ABC-Z

Bei den Kommunalwahlen in Frankreich zeichnen sich mehrere Siege der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) ab. Hochrechnungen zufolge liegt in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon die RN-Abgeordnete Laure Lavalette mit 39,4 Prozent der Stimmen vorn. Sie gewann demnach etwa neun Punkte mehr als die unabhängige Amtsinhaberin Josée Massi.
Zudem wurde der RN-Bürgermeister von Perpignan, Louis Aliot, Hochrechnungen zufolge bereits in der ersten Runde mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigt. Perpignan war zuletzt die größte Stadt mit einem RN-Bürgermeister. Aliot ist allerdings gemeinsam mit RN-Fraktionschefin Marine Le Pen in
einem Veruntreuungsverfahren angeklagt und könnte im Fall einer
Verurteilung durch das Berufungsgericht das Amt wieder verlieren.
Auch der amtierende Bürgermeister von Fréjus, der RN-Politiker David Rachline, ist offenbar wiedergewählt worden. Er gab laut der Zeitung LeMonde selbst bekannt, dass er mit 51,33 Prozent der Stimmen in eine dritte Amtszeit gehen wird.
“Die Franzosen sind ihrer Verantwortung gerecht geworden”, sagte Jordan Bardella, Vorsitzender des RN, laut LeMonde. “Ich freue mich, dass mehrere amtierende Bürgermeister des Rassemblement National heute Abend wiedergewählt wurden.” Um 20 Uhr wurden die Wahllokale geschlossen.
Linker Kandidat Emmanuel Grégoire in Paris vorn
In Paris liegt nach ersten Schätzungen der linke Kandidat Emmanuel Grégoire mit 36,5 Prozent vorn, dahinter die
rechte Kandidatin Rachida Dati mit 24,9 Prozent und die
linkspopulistische Kandidatin Sophia Chikirou mit 13,7 Prozent.
Grégoire bedanke sich bereits bei den Wählerinnen und Wählern für seinen Sieg. Auch bei der Wahl am kommenden Sonntag gehe es um vieles, sagte der linke Kandidat laut LeMonde – darunter “unsere Art des Zusammenlebens”, aber auch darum, “Paris lebenswert zu erhalten” und “das soziale Gefüge von Paris zu verteidigen”. Die Rechte und die extreme Rechte sei zu allem bereit, sagte Grégoire, “vor allem zu einem Bündnis, daran besteht kein Zweifel”. Nur die Liste, die er anführe, könne diese “sehr reale Gefahr” besiegen.
Ergebnis in Marseille noch unklar, Le Havre bestätigt amtierenden mitte-rechts Bürgermeister
In Straßburg liegt laut Hochrechnungen die Sozialistin Catherine
Trautmann mit 25,1 Prozent vor dem republikanischen Jean-Philippe Vetter
mit 23 Prozent und der bisherigen Bürgermeisterin, der Grünen Jeanne
Barseghian mit 18,8 Prozent. In Marseille liegt ersten Nachwahlbefragungen zufolge der amtierende linke Bürgermeister, Benoît Payan, praktisch gleichauf mit dem RN-Abgeordneten Franck Allisio.
In Le Havre konnte Édouard Philippe von der Mitte-rechts-Partei Horizons
laut ersten Hochrechnungen sein Bürgermeisteramt verteidigen, wie die Zeitung LeMonde berichtet. Er liegt demnach mit 43,76 Prozent vor Jean-Paul Lecoq vom linken Bündnis. In Lille liegen ersten Hochrechnungen zufolge der Kandidat des linken Bündnisses, Arnaud Deslandes, und die Kandidatin der linkspopulistischen LFI, Lahouaria Addouche, mit 25 Prozent und 26 Prozent der Stimmen beinahe gleichauf, wie LeMonde berichtet.
Stimmungstest für die kommende Präsidentschaftswahl
In Montpellier liegt ersten Hochrechnungen zufolge der linke, amtierende
Bürgermeister Michaël Delafosse mit 32,8 Prozent der Stimmen an der
Spitze. Die Kandidatin der linkspopulistischen LFI, Nathalie Oziol,
folgt mit 16 Prozent vor dem Mitte-Kandidaten Mohed Altrad mit 11,2
Prozent.
Die Kommunalwahl in rund 35.000 Städten und Gemeinden gilt als Stimmungstest für die französische Präsidentschaftswahl 2027. Bei den Kommunalwahlen bestimmten die Französinnen und Franzosen ihre kommunalen Vertreter über Listen direkt. Ziel der ersten Wahlrunde ist es, dass eine Liste die absolute Mehrheit der Stimmen holt. Ist das nicht der Fall, folgt eine zweite Wahlrunde am 22. März.
Bis 17 Uhr gaben nach Angaben des Innenministeriums nur 48,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das waren zwar zehn Prozentpunkte mehr als bei der bisher letzten Wahl 2020, der inmitten der Covid-19-Pandemie stattfand und von einer historisch hohen Wahlbeteiligung geprägt war. Im Vergleich zur letzten regulären Wahl 2014 lag die Beteiligung am Sonntag bis 17 Uhr um fast sechs Prozentpunkte niedriger. Die
Wahllokale waren bis 20 Uhr geöffnet.





















