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Kommunalwahl in Puchheim: Bürgermeisterkandidaten erläutern ihre Visionen. – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Im Vergleich ist Puchheim eine der reichsten Kommunen im Landkreis. In den vergangenen Jahren hat die Stadt rund 80 Millionen investiert, vorzugsweise in die Sanierung von Schulen und Kindergärten. Doch die fetten Jahre sind vorbei. Inzwischen sinken die Steuereinnahmen, die Kosten für den Unterhalt kommunaler Einrichtungen sind hoch. Die Frage, wofür die Kommune ihr Geld ausgeben soll, stand deshalb im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit den Kandidaten fürs Bürgermeisteramt bei der Kommunalwahl, die mehr als 100 Gäste im Bürgertreff verfolgten.

Die sechs Kandidaten, die Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) nachfolgen wollen, der bei der Wahl am 8. März nicht mehr antritt, sind sich der Bedeutung der Finanzdebatte bewusst. Gefragt nach ihrer Vision für das Jahr 2030 lieferten die beiden altgedienten Stadträte unter den Bewerbern Antworten, die nichts kosten. Der SPD-Fraktionssprecher Jean-Marie Leone wünschte sich ein gutes Miteinander in der Stadt und im Rat, und der dritte Bürgermeister Thomas Hofschuster (CSU) ein „lebens- und liebenswertes Puchheim für alle“. Von den vier Newcomern gab sich nur die Handwerkerin Michaela Kuchinka (FDP) bescheiden: Sie wolle als Bürgermeisterin aus der Verwaltung ein Team schmieden und sich mit den Menschen verbunden haben.

Hingegen will Tobias Lexhaller (UBP) laut seiner Aussage die geplanten günstigen Wohnungen an der Alpenstraße und die Neubauten für Volkshochschule, Musikschule und Stadtbibliothek fertigkriegen. Horst Dinges (Grüne) möchte einmal sagen können, Puchheim sei fit für den Klimaschutz, und Alexander Bayas (Linke) will den Leerstand von Wohnungen beendet, Sozialwohnungen gebaut und den Grünen Markt attraktiver gestaltet haben.

Als der Unternehmer Lexhaller forderte, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, entgegnete Leone, eine Stadt sei kein kommerzieller Betrieb, man müsse ans Ganze denken. Es gebe Bürgerbeteiligung und Pflichtaufgaben, allein der Brandschutz bei der Sanierung der Mittelschule koste viele Millionen. Hofschuster mahnte, weder das Projekt in der Alpenstraße noch die Umgestaltung der Lochhauser Staße seien in kurzer Frist abzuschließen. „Wir wollen die ganze Straße attraktiver machen, das soll ein Leuchtturmprojekt werden“, betonte der CSU-Kandidat. Frühere Anläufe scheiterten daran, dass Grundeigentümer und Ladenbesitzer an Puchheims zentraler Einkaufsmeile den Plänen der Stadt nichts abgewinnen konnten.

Als Moderater Achim Puhl von der Volkshochschule den Kandidaten der Linken fragte, was er als Vertreter der jungen Generation dazu sage, wenn alles so lange dauert, antwortete der 20-jährige Student: „Das ist bitter, wenn viele von uns keine Wohnung finden. Aber es ist niemandem geholfen, wenn schnell gebaut wird und die Mieten hoch sind. Wir brauchen Sozialwohnungen.“

Die Kandidaten Horst Dinges (Grüne) und  Alexander Bayas (Linke, von links) wollen sich beide für bezahlbaren Wohnraum in Puchheim einsetzen. (Foto: Johannes Simon)

Lexhaller wiederum erklärte, er finde Bürgerbeteiligungen fragwürdig, wenn Entscheidungsprozesse sich so lange hinziehen, dass erst die Jungen die Resultate erleben, die aber nie dazu gefragt werden konnten. „Die Verwaltung arbeitet effektiv, und schnell-schnell kann dem Ergebnis schaden“, gab Bayas zurück.

Was die Finanzierung der Ortsmitte betrifft, gab sich Leone zuversichtlich, dass die Stadt das Mammutprojekt mit drei Neubauten, einer Tiefgarage sowie dem Umbau der alten Schule und dem Grünen Markt im Zeitraum einiger Jahre stemmen kann. Hofschuster möchte den Umbau „in einem Zug durchsetzen“, um den Bürgern eine Dauerbaustelle zu ersparen.

„Ich warne davor, dass wir uns überheben“, entgegnete Lexhaller. Für ihn hätten die Lochhauser Straße und günstige Wohnungen in der Alpenstraße Vorrang. Er wolle Mieten zu Quadratmeterpreisen von zehn bis zwölf Euro erreichen, sagte der parteifreie Kandidat, wofür das Publikum applaudierte. Horst Dinges argumentierte ähnlich. Für ihn habe günstiges Wohnen Priorität, die neue Ortsmitte „geht nur in Etappen“.

Obwohl Leiter des Puchheimer Kulturzentrums, steht für den Grünen-Kandidaten eine Sanierung des Puc nicht an erster Stelle. Wichtiger sei der Ausbau der Ganztagsschulen, sagte Dinges. Auch Lexhaller würde die Modernisierung des Sportzentrums und des Puc verschieben. Kuchinka plädierte für einen Hitze-Aktionsplan und will marode Straßen reparieren. Die Stadt müsse für Unternehmen attraktiver werden, sagte sie.

Auch beim Projekt Geothermie spielt Geld die zentrale Rolle. Fast alle Kandidaten wollen nach heißem Wasser in der Tiefe suchen, um es als Fernwärme zu nutzen, vor allem Dinges und Lexhaller. Allerdings ist das Thema heikel, weil ein erster Anlauf per Bürgerentscheid gestoppt wurde, weshalb Kuchinka „Aufklärung gegen Ängste“ empfahl. Hofschuster bekannte, dass seine Fraktion gespalten sei und er selbst skeptisch angesichts der hohen Kosten für die Bohrung und den Ausbau des Fernwärmenetzes. „Die Frage ist, bringt uns das was, wenn wir viele Millionen Steuergelder investieren“, sagte er.

Auf die Frage, wie sie als Bürgermeister die Armut in der Bevölkerung bekämpfen würden, erklärte Dinges (Grüne), er wolle eine Puchheim-Card einführen, um mehr Teilhabe zu ermöglichen. Leone verwies darauf, dass die SPD gezielte Hilfen für Kinder und Jugendliche erreicht und damit die bis dahin höchste Armutsquote im Landkreis gesenkt habe. Hofschuster antwortete, die Stadt fördere Vereine und gebe Geld für das Jugendzentrum und das Mehrgenerationenhaus aus. Kuchinka möchte nach ihrer Aussage das Ehrenamt fördern. Der Bewerber der Linken berichtete, ein Schulessen in Puchheim sei teurer als in der Mensa seiner Universität. „Die Stadt sollte das Essen subventionieren, das würde Kindern und Jugendlichen aus armen Familien helfen“, forderte Bayas.

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