Kommunalwahl in Inning am Ammersee: Der einzige nominierte Kandidat bekommt Konkurrenz – Starnberg | ABC-Z

Es sah so einfach aus. Als wäre die Bürgermeisterwahl in Inning Wochen vor dem 8. März schon entschieden. Der 67-jährige Rentner Hubert Vögele von den Grünen ist der einzige offizielle Bewerber, der auf dem Stimmzettel steht. Er stellt sich darauf ein, dass er im Mai die Nachfolge von Walter Bleimeier (CSU) antritt: „Ich freue mich, und die anderen freuen sich auch“, sagt er. Doch nun werben auch zwei Konkurrenten um Stimmen, die von keiner Partei oder Gruppierung nominiert sind und sich selbst ins Spiel gebracht haben.
Michael Krämer aus Dachau und der Unternehmer Thomas Schindlböck aus Inning rufen die Wähler auf, ihren Namen in ein dafür vorgesehenes Kästchen auf dem Stimmzettel zu schreiben. So gibt es nun doch noch einen Hauch von Wahlkampf in Inning. Möglich macht das der Variantenreichtum des bayerischen Wahlrechts, der nicht nur das Kumulieren und Panaschieren von Stimmen zulässt.
Wenn es nur einen Kandidaten gibt, wie es in der Ammerseegemeinde der Fall ist, dann wird auf den Stimmzettel ein Kästchen gedruckt, in das Wähler handschriftlich einen Namen eintragen können unter der Überschrift: „Erste Bürgermeisterin oder Erster Bürgermeister soll werden:“ Das kann eine x-beliebige wählbare Person sein. In Inning bringen sich nun zwei Bewerber ohne Unterstützerliste selbst ins Spiel.
Schindlböck hat dafür sogar Plakate aufgehängt. Der 36-Jährige, der in Giesing aufgewachsen ist und seit acht Jahren mit seiner Familie in Inning lebt, fände es einfach schade, wenn es gar keinen Wahlkampf gäbe. „Der entscheidende Impuls war für mich, dass es nur einen Kandidat gab“, sagt er am Telefon. Er ist Vater von drei Kindern und „fest in der Gemeinde verwurzelt“, wie er selbst erklärt. So ist Schindlböck Kinder- und Jugendtrainer der Fußballer im Sportverein. Der gelernte Einzelhandelskaufmann ist Geschäftsführer einer Firma für Wasserschadensanierung und betreibt in Herrsching ein Taxiunternehmen. Der Versuch, mit einer eigenen Liste ins Rennen zu gehen ist gescheitert, weil nur 37 Unterstützer im Rathaus unterschrieben haben; 80 wären nötig gewesen.
Der zweite Mitbewerber, in der mittelhessischen Kleinstadt Dillenburg aufgewachsen, ist ein Aussteiger aus der rechten Szene und hat eine Odyssee durch das Parteienspektrum hinter sich. In den Achtzigerjahren war Krämer Mitglied der NPD und bei den Republikanern, später bei der Bayernpartei und der Piratenpartei, ehe er bei der Tierschutzpartei eine neue politische Heimat fand. „Tierschutzpartei ins Rathaus“, lautet die Überschrift auf kleinen Kärtchen, die sich Krämer hat drucken lassen. Der 66-Jährige Rentner erklärt, Inning habe es ihm schon länger angetan, im vergangenen Mai sei er auf einer Pilgerreise von Dachau nach Lindau auf dem Jakobsweg durch den Ort gekommen. Am Wahlsonntag wird er nicht am Ammersee sein, sondern in Dachau beim Auszählen der Stimmen mithelfen.

Im Gegensatz zu den beiden Mitbewerbern, die auf handschriftliche Eintragung ihrer Namen auf den Stimmzetteln hoffen, kann der offizielle Kandidat Vögele lange kommunalpolitische Erfahrung verweisen. Seit 2002 sitze er im Gemeinderat, erzählt er am Telefon, seit 2014 sei er Dritter Bürgermeister. Er ist in Stegen aufgewachsen und lebt seit 1984 in Schlagenhofen, wo er im Bauernhof seiner Ehefrau mitgearbeitet hat. Eigentlich ist er gelernter Speditionskaufmann und hat zuletzt im Vertrieb eines Maschinenbauunternehmens gearbeitet.
Mit Bleimaier verbinde ihn ein „freundschaftliches Verhältnis. Wir haben uns gut ergänzt“, erklärt Vögele. Er gehöre dem Pfarrgemeinderat und dem Dekanatsrat an, sei Feldgeschworener und im Vorstand der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Ammersee des Leader-Förderprogramms des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für ländliche Regionen.

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Er freut sich schon auf die bevorstehenden Aufgaben in der Gemeinde und nennt dabei vor allem die Pläne für den Sportpark, die offene Ganztagsschule und eine Pflegestation der Nachbarschaftshilfe mit Wohnungen und Ganztagspflege. Zudem entstehe ein neues Lebensmittelgeschäft mit Drogeriemarkt und Café sowie 19 Wohnungen im Obergeschoss. Und wenn Vögele von der Wirtschaftskraft der Kommune spricht, dann klingt durchaus etwas Stolz mit. „Die anderen Parteien und Gruppierungen vertrauen mir“, glaubt er. Bleimaier bestätigt das, über Parteigrenzen hinweg: „Ich bin ein Schwarzer, er ist ein Grüner, aber das spielt bei uns keine Rolle.“
Altersbedingt verzichtet Amtsinhaber Bleimaier, der ebenfalls 67 Jahre alt ist, auf eine erneute Kandidatur als Bürgermeister. Auf der CSU-Liste kandidiert er aber auf Platz 4 als Gemeinderat. Der Ortsverband scheint gelegentlich personell Probleme zu haben. Von der Vorstellung der Gemeinderatskandidaten Ende Januar im Bucher Feuerwehrhaus berichtet der Ortsverband: „Die gut geplante und durchgeführte Veranstaltung machte den Beteiligten sichtlich Spaß. Die Besucherzahl blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück.“ Im 16-köpfigen Inninger Gemeinderat ist die CSU bisher mit fünf Mandaten vertreten, die Grünen stellen vier Gemeinderäte.





















