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Kommunalwahl in Freising: Junge Wähler diskutieren mit den Landratskandidaten – Freising | ABC-Z

Irgendetwas hatten die Kandidaten wohl falsch verstanden. Streit, das betonte die Münchner Professorin Eva Feldmann-Wojtachnia zum Auftakt der Veranstaltung, sei etwas Positives, ja, in einer Demokratie sogar notwendig. Streitvermeidung mache unzufrieden. Verdrossen wirkten die sechs Männer und eine Frau, die sich um das höchste Amt im Landkreis Freising bewerben, allerdings nicht – obwohl sich kein wirklich strittiges Thema fand.

Kreisjugendring (KJR) und SZ hatten am Mittwochabend zu einem „Wahl-Check“ in das Gebäude der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf an der Pappelallee geladen. Der amtierende Landrat Helmut Petz (FW) sowie seine Herausforderer Susanne Hoyer (CSU), Stephan Griebel (Grüne), Jan Klose (SPD), Tobias Weiskopf (FDP), Daniel Rüdel (ÖDP/Volt) und Günther Pletschacher (Freising für alle) stellten sich den Fragen des überwiegend jungen Publikums. Samuel Fosso (Freisinger Mitte) konnte wegen einer Dienstreise nicht teilnehmen. Richard Paukner (AfD) hatte sich laut KJR zu spät zurückgemeldet.

Eva Feldmann-Wojtachnia, Leiterin der Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung der LMU, sowie ihre Mitarbeiterinnen Elif Orthey und Amelie Schrenk gingen kurz auf Begriffe wie Streitkultur, Populismus und Extremismus ein. Dann übernahmen die Moderatoren Francesca Polistina (SZ) und Daniil Pechlivanidis (KJR). Das Format der Fishbowl-Diskussion mit kurzen Antworten von jeweils zwei ausgewählten Kandidaten auf Fragen aus dem Publikum behagte sichtlich nicht jedem. Landrat Petz hätte zu gern noch öfter aufgezählt, was der Landkreis schon alles getan oder auf den Weg gebracht hat. Andere verleitete die Zeitbegrenzung – streng geahndet mit Klingel und Hupe – zu sehr schnellem Reden.

Man spürte, die Kandidaten, überwiegend seit Jahren in der Kommunalpolitik tätig, kennen und schätzen einander. Unterschiedliche Schwerpunkte haben sie natürlich dennoch. Für Berufsschullehrer Jan Klose sind die gute Ausstattung der Schulen und der Ausbau der Schulsozialarbeit zentrale Themen. Er sprach von der „Software“ an den Schulen, die gut funktionieren müsse.

Souverän durch den Abend führten die Moderatoren Francesca Polistina (SZ) und Daniil Pechlivanidis (Kreisjugendring). Marco Einfeldt
Strenge Regeln bei der Fishbowl-Diskussionsrunde: Der grüne Würfel wurde schnell rot, wenn einer der Kandidaten zu lange redete. Vorne die Faktencheck-Hupe.
Strenge Regeln bei der Fishbowl-Diskussionsrunde: Der grüne Würfel wurde schnell rot, wenn einer der Kandidaten zu lange redete. Vorne die Faktencheck-Hupe. Marco Einfeldt

Bildung hat in einem Zuzugslandkreis wie Freising einen besonderen Stellenwert. Gymnasien wie in Neufahrn und Moosburg oder das Joho in Freising müssen saniert und teils erweitert werden. Tobias Weiskopf favorisiert anstelle eines Ausbaus des Hofmiller-Gymnasiums in Freising einen zusätzlichen Standort im westlichen Landkreis. Wohnortnahe Versorgung sei für ihn eine „Herzenssache“, sagte der Allershausener. Petz verwies darauf, dass eine Machbarkeitsstudie schon in Auftrag gegeben worden sei. Es bestehe zusätzlicher Bedarf für 200 Schülerinnen und Schüler.

In Freising wächst nicht nur die Zahl der Schüler, in Weihenstephan studieren zudem etwa 10 000 junge Leute. Stephan Griebel ist die Start-up-Förderung sehr wichtig, um gut ausgebildete Arbeitskräfte in Freising zu halten. Die Langenbacher Bürgermeisterin Hoyer betonte, dass der Landkreis eine starke Wirtschaftsförderung benötige. „Das findet nicht statt.“ Es brauche gute Impulse und eine Wohnraumförderung, damit Betriebe kommen, aber nicht abwandern.

Eine weitere Amtszeit strebt Landrat Helmut Petz (FW) an. Der Landkreis habe in den vergangenen sechs Jahren viel auf den Weg gebracht, betont er.
Eine weitere Amtszeit strebt Landrat Helmut Petz (FW) an. Der Landkreis habe in den vergangenen sechs Jahren viel auf den Weg gebracht, betont er. Marco Einfeldt
Die Langenbacher Bürgermeisterin Susanne Hoyer kandidiert für die CSU und möchte die Wirtschaftsförderung im Landkreis stärken.
Die Langenbacher Bürgermeisterin Susanne Hoyer kandidiert für die CSU und möchte die Wirtschaftsförderung im Landkreis stärken. Marco Einfeldt

Zur Attraktivität eines Wohnorts trägt auch ein funktionierender MVV bei. Ein Studierender wünschte sich einen durchgängigen 20-Minuten-Takt des Expressbusses von Weihenstephan nach Garching. Hoyer warb um Verständnis, dass andere Linien im Landkreis dafür nicht komplett ausgedünnt werden dürften. Sie kündigte aber an, dass man sich das gesamte Verkehrskonzept anschauen werde. Weiskopf ist vor allem eine bessere Anpassung an die Schulzeiten wichtig – und dass es für jeden einen Sitzplatz gibt, um die Sicherheit zu erhöhen.

Günther Pletschacher forderte mehr kleine Busse, weil die großen teilweise leer seien. Ein Zuhörer widersprach vehement. Im Bus nach Weihenstephan bekomme man oft gerade noch einen Stehplatz. Rüdel plädierte dafür, den ÖPNV trotz der Kosten auszubauen und „im Zweifel einen Bus mehr einzusetzen“. In zehn, 20 Jahren zahle sich das in jedem Fall aus, weil die Leute gern im Landkreis bleiben, wenn die Infrastruktur gut ausgebaut ist. Für Petz gehört den Flex-Bussen die Zukunft. In Moosburg laufe gerade ein erfolgreiches Pilotprojekt, das ausgeweitet werden soll. Hoyer bat aber auch um Rückmeldungen, wenn es irgendwo hakt. Eine Schülerin hatte kritisiert, dass bei einem späten Schulschluss teils gar kein Bus mehr fahre.

In Schulbussen sollte jedes Kind einen Sitzplatz haben, fordert Tobias Weiskopf (FDP).
In Schulbussen sollte jedes Kind einen Sitzplatz haben, fordert Tobias Weiskopf (FDP). Marco Einfeldt
Stephan Griebel (Grüne) wünscht sich mehr Begegnungsorte im Landkreis.
Stephan Griebel (Grüne) wünscht sich mehr Begegnungsorte im Landkreis. Marco Einfeldt
SPD-Kandidat Jan Klose sind die Themen Bildung und Schule besonders wichtig.
SPD-Kandidat Jan Klose sind die Themen Bildung und Schule besonders wichtig. Marco Einfeldt

Eine kleine Kontroverse gab es beim Punkt soziale Medien. Allen ist klar, dass man daran nicht mehr vorbeikommt. Amelie Schrenk von der LMU gab den Politikern mit auf den Weg, dass sie auf Instagram und auf Tiktok präsent sein müssten, wenn sie junge Leute erreichen wollten. Das weiß auch Petz, obwohl er wegen der vielen Falsch-Nachrichten, die dort kursieren, kein Freund solcher Foren ist. Ganz anders Daniel Rüdel: Er forderte, dass im Gegenteil „mehr Eltern ans Handy müssten“. Man müsse mehr für die Diskussionskultur im Elternhaus, aber auch in der Schule tun.

Aber auch für das reale Leben sollte es mehr Räume und „dritte Orte“ wie den Furtner in Freising geben, forderten Stephan Griebel und Jan Klose, wo Menschen zusammenkommen können. „Dort findet das gesellschaftliche Leben statt“, betonte Klose.

Pilot Daniel Rüdel würde gern für ÖDP und Volt ins Landratsamt einziehen und den Landkreis noch attraktiver machen.
Pilot Daniel Rüdel würde gern für ÖDP und Volt ins Landratsamt einziehen und den Landkreis noch attraktiver machen. Marco Einfeldt
Der Freisinger Fahrlehrer Günther Pletschacher möchte für die Gruppierung „Freising für alle“ Landrat werden.
Der Freisinger Fahrlehrer Günther Pletschacher möchte für die Gruppierung „Freising für alle“ Landrat werden. Marco Einfeldt

Daniel Rüdel wünscht sich mehr Gehör für unterrepräsentierte gesellschaftliche Gruppen in der Politik. Zumindest die Kandidaten stehen für eine gewisse Vielfalt: Rüdel für queere Menschen, Samuel Fosso für Freisinger mit Migrationshintergrund, Susanne Hoyer für Frauen. Die sind in der Kommunalpolitik nach wie vor eine Minderheit – auch unter den neun Landratskandidaten ist nur eine Frau.

Eine Aufgabe für den neugewählten Landrat, die Landrätin wird eine Verbesserung der Mitbestimmung junger Menschen sein, darin waren sich alle einig. Das Wahlsystem für den Jugendkreistag an den Schulen müsse unbedingt vereinheitlicht werden, sagte Klose. Ein Problem bleibt das Rederecht im Kreistag, das ist nur bei Zustimmung aller Kreisräte möglich.

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