Kommunalwahl in Eching: Neuanfang unter Bürgermeister Steigerwald – Freising | ABC-Z

Wiederholt hatte der Echinger Bürgermeister Sebastian Thaler (parteilos) erklärt, dass alles optimal laufe. Dass er wegen Untreue gegen die eigene Gemeinde verurteilt worden ist und zudem eine Disziplinarklage wegen Auftragsvergabe an den eigenen Schwager anhängig ist und eine Verwaltungsklage der Gemeinde gegen ihren Bürgermeister wegen veruntreuter Mittel: für Thaler kein Thema. Der Gemeinderat wiederum war überzeugt, unter diesen Umständen sein Bestes zu tun.
Der Wahltag hat dieses Selbstbild im Echinger Rathaus jäh zerstört. Mit rund 21 Prozent der Wählerstimmen schaffte es der zehn Jahre amtierende und zuletzt mit 72 Prozent gewählte Bürgermeister Thaler nicht einmal in die Stichwahl. Im Gemeinderat erhielten drei Viertel der Mitglieder kein weiteres Mandat, 16 neue wurden gewählt; selbst bei den Freien Wählern, die mit zwei gewonnenen Sitzen der große Gewinner der Wahl waren, wurden drei amtierende Gemeinderäte abgewählt.
Mehr Erneuerung geht kaum. Und damit einhergeht die Frage, was die Zukunft bringen wird. Da sich im Wahlkampf noch nahezu alles um die Person Sebastian Thaler gedreht hatte, überschattete das auch die Idee einer „bunten“ Mehrheit. SPD, Grüne und die gemeinsame Liste der „Bürger für Eching“, „Echinger Mitte“ und ÖDP hatten sich als Koalition des Aufbruchs 2016 und 2020 hinter Thaler versammelt. Und obwohl sich mindestens Grüne und SPD nach dem Bekanntwerden seiner Skandale von ihm distanzierten und sogar die Speerspitze der Aufarbeitung bildeten, wurden auch sie bei der Wahl abgestraft.
Sechs Sitze verloren die Gruppierungen zusammen, das entspricht einem Viertel des aktuellen Gemeinderats. Die CSU, in Eching mit sieben Sitzen, und die Freien Wähler (FW) mit sechs Mandaten verfügt damit im Rathaus wieder über eine klare Mehrheit. Der künftige Bürgermeister Michael Steigerwald (CSU) kommt dazu. Der klare Wählerauftrag 2026 ist dennoch etwas mehr als nur eine Rückkehr zu alten Zeiten: Bei CSU und FW hörten sechs von zehn Gemeinderäten auf oder wurden nicht mehr gewählt, neun Räte allein sind in den beiden Parteien neu. Klagen über Stimmverluste oder die Abwahl so vieler bisheriger Gemeinderäte waren in den offiziellen Statements der Gruppierungen nicht zu finden.
Das Ziel, Thaler zu verhindern, einte alle übrigen Bewerber. Bürgermeister-Kandidat Christoph Gürtner (FW) bilanzierte vor der Stichwahl als „besonders erfreulich, dass der dringend notwendige Neustart in Eching mit diesem Wahlergebnis bereits gesichert ist“. Als er die Stichwahl verloren hatte, stellte er dennoch heraus, dass nun „gemeinsam der so dringend nötige Neustart für unsere Gemeinde gelingen wird“.

Der neu gewählte Rathauschef Steigerwald versteht nach eigenen Angaben den Wählerauftrag dahin gehend, „Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören und ernst zu nehmen, was Eching bewegt“.
Offen ist, ob Sebastian Thaler den Sitz im Gemeinderat wahrnimmt
Als neuer Farbtupfer in der Ortspolitik erscheint nun „Mega“ (Miteinander Eching gestalten). Diese Wählervereinigung hatte Thaler wenige Wochen vor der Wahl eilends gegründet, nachdem er sich entschieden hatte, doch noch mal als Bürgermeister zu kandidieren.
„Megas“ einziges politisches Ziel, die Arbeit von Thaler zu unterstützen, ist mit dessen Abwahl gescheitert. Es bleibt abzuwarten, was die drei „Mega“-Gemeinderäte darüber hinaus im Echinger Gremium vorhaben – umso mehr, als einen der Ratssitze von „Mega“ Sebastian Thaler errungen hat.
Der abgewählte Bürgermeister, gegen den aktuell geklagt wird, hat bislang nicht auf Fragen geantwortet, ob er das Mandat annehmen will.





















