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Kölner Dom: Bald Eintritt für Touristen | ABC-Z

(csh/dpa/ko) Der Kölner Dom wird für Touristen in Zukunft Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel mitteilte. Die Gebühr soll ab der zweiten Jahreshälfte erhoben werden und gilt für den großen Innenraum des Doms.

„Ein Schritt, den wir als Domkapitel wohlüberlegt und im Bewusstsein unserer großen Verantwortung gehen“, so Dompropst Msgr. Guido Assmann. „Er mag manchen als Eingriff in lieb gewonnene Gewohnheit erscheinen. Aber er ist alternativlos, wenn wir die Pflege, den Schutz und den laufenden Betrieb des Domes in bewährter Weise fortführen möchten“, betonte Assmann.

Die Höhe der „Besichtigungsgebühr“ ist noch unklar

Für Gottesdienstbesucher und Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Dom demnach kostenfrei. Ebenso gratis soll der Zugang zu Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen bleiben. Touristen machen Dompropst Guido Assmann zufolge jedoch etwa 99 Prozent der Dom-Besucher aus. Wie hoch die sogenannte „Besichtigungsgebühr für touristische Besucherinnen und Besucher“ sein wird und wie Kontrollen ablaufen, wollte das Domkapitel noch nicht mitteilen.

Eine Klausurtagung Anfang der Woche habe sich mit der Entwicklung der Wirtschaftslage des Doms befasst und ergeben, dass die gestiegenen Kosten ohne den Eintritt nicht mehr zu stemmen seien. In den kommenden Wochen soll eine Planungsphase weitere Details klären.

Bei Touristen und Rheinländern stößt die geplante Neuerung auf ein geteiltes Echo, wie eine Kurzumfrage unserer Redaktion auf der Domplatte zeigt. Michael Schlickum aus Hamburg, der für einen Kurztrip nach Köln gekommen ist, empfindet die angekündigten Maßnahmen als nicht gerechtfertigt. „Kirche ist für jedermann da“, sagt der 70-Jährige. „Der Eintrittspreis darf nicht höher als ein Euro pro Besucher ausfallen“, meint er.

„Dann ist der Dom keine Kirche mehr, sondern ein Museum“

Marina Segel aus Marburg, die ebenfalls für einen Kurzurlaub nach Köln gekommen ist, spricht sich ebenfalls gegen Eintrittspreise für den Dom aus. „Eine Kirche sollte immer besucht werden können“, meint die 35-Jährige. „Sonst ist es ein Museum und keine Kirche mehr.“

Heike aus Aachen hat teilweise Verständnis für die Entscheidung, da die Einnahmen schließlich dem Dom zugutekämen.„Das Geld kommt schließlich dem Dom zugute“, meint die 55-Jährige. Ähnlich sehen es Isa, Julia und Carla, die aus der Nähe von Köln kommen. „Ein Bauwerk wie der Dom braucht auch Einnahmen für die Instandhaltung“, meinen sie. Trotzdem sollte ein religiöser Ort wie die Kirche offen für alle sein. „Jeder sollte die Chance haben, eine Kirche zu besichtigen“, sagen sie.

Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder auch den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt. Nun teilte das Domkapitel mit, dass seit 2019 sechs Jahre in Folge minus gemacht wurde. Über viele Jahre hätte man das noch mit Rücklagen auffangen können. „Wir sind in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“, erklärte Domrendant Clemens van de Ven.

In der Dombauhütte arbeiten 85 statt zuvor 100 Menschen

Schon vor einiger Zeit hat die Hohe Domkirche Maßnahmen ergriffen, um die entstandenen Finanzlücken zu schließen. So habe man etwa die Eintrittspreise für die Turmbesteigung und die Schatzkammer des Kölner Domes erhöht, berichtet Assmann. Auch für Konzerte im Dom fallen zunehmend Eintrittsgelder an. In den Morgen- und Abendstunden sei der Dom nur noch über das Nordportal zugänglich, um Aufsichtspersonal einzusparen. In der Turmhalle und an den Zugängen zum Chorumgang habe man zusätzliche Opferstöcke aus Plexiglas aufgestellt, um Spenden zu erbitten.

Dombaumeister Peter Füssenich berichtet davon, dass Arbeitsplätze in der Dombauhütte in den vergangenen Jahren nicht nachbesetzt worden sind. „Unsere Mitarbeiterzahl hat sich dadurch von 100 auf 85 verringert“, so der Dombaumeister. „Damit haben wir eine Mitarbeiterstärke erreicht, in der wir den Domerhalt gerade so noch in gewohnter Weise fortführen und sicherstellen können.“

Mit der Maßnahme steht der Kölner Dom nicht alleine da. Viele bedeutende Kirchen und Kathedralen nehmen bereits Eintrittsgelder, um eigenen Angaben zufolge die stetig steigenden Unterhaltskosten zu decken – insbesondere die bei Touristen beliebten großen Gotteshäuser in Frankreich, Spanien und Italien. Wer im Aachener Dom die berühmte Schatzkammer besuchen möchte, muss als Erwachsener sieben Euro bezahlen. Dort werden auch spezielle Führungen gegen Gebühren angeboten. Grundsätzlich ist der Besuch des Aachener Doms aber bis auf spezielle Bereiche frei.

Hoffnung auf einen positiven Nebeneffekt

In Köln ist man zuversichtlich, dass die Gebühr von den Touristen angenommen wird. „Wir gehen davon aus, dass sich die neue Gebühr nach einer gewissen Eingewöhnungszeit relativ bald etablieren wird“, so der Dompropst. „Denn mit ihrer Einführung gehen wir einen Schritt, der an vielen anderen Kirchen und Kathedralen ähnlicher Prominenz längst üblich ist.“ Durch die Einführung der Besichtigungsgebühr sei ein Besucherrückgang möglich. Dieser könne sich jedoch – als Nebeneffekt – positiv auf die Atmosphäre im Innenraum des Domes auswirken. „

Uns erreichen immer wieder Beschwerden von Menschen, die die permanente Geräuschkulisse und den großen Andrang im Dom kritisieren“, so der Dompropst weiter. „Wir gehen davon aus, dass die neue Besichtigungsgebühr den ‚Tagesbetrieb‘ im Dom deutlich beruhigt und dabei hilft, den Dom wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erfahrbar zu machen.“

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