Wohnen

Knochenfund in Maastrichter Kirche: Handelt es sich um D’Artagnan, einem der Musketiere? – Panorama | ABC-Z

Der internationale Knochenmarkt gab zuletzt ja allerlei her: Die Oberschenkel des heiligen Franz sollen 370 000 Menschen nach Assisi gelockt haben. Sachsen-Anhalt meldete: „Gebeine Ottos des Großen im Magdeburger Dom sind wohl echt“, und Tutanchamun litt, wie man im Grand Egyptian Museum erfahren kann, unter Knochennekrose. Nirgendwo sonst scheint der Mensch dem Geist seiner Ahnen näher zu sein als in der Begegnung mit ihren Rippchen.

In der Maastrichter Sint-Petrus-en-Pauluskerk, der Kirche Sankt Peter und Paul, wollen sie jetzt den nächsten „Spectaculaire bot vondst“ (spektakulären Knochen-Fund) gemacht haben. Er sei sich zu 99 Prozent sicher, dass es sich hier um die Gebeine von Charles de Batz de Castelmore handele, die man bei ihm im Kirchenraum entdeckt habe, versichert Diakon Jos Valke am Telefon: Die Rede ist vom 1673 gestorbenem Graf von Artagnan, dem Vorbild des französischen Nationalhelden D’Artagnan. Dieser war Erster Musketier in der Armee des französischen Sonnenkönigs Louis XIV. und verfügte über eine Muskete mit Luntenschloss und harnischbrechenden Kugeln, auf den damaligen Rüstungsmessen der letzte Schrei. Geholfen hat’s ihm aber nicht, denn als sein König im Holländischen Krieg zum Sturmangriff blies, weil er in Maastricht ganz dringend eine Messe feiern wollte, da wurde D’Artagnan tödlich getroffen.

Eine Musketenkugel lag auch noch beim Skelett

Nun kam derlei damals ja häufiger vor, und kein Mensch würde sich heute noch an den privat ohnehin etwas unsteten Grafen erinnern, wenn nicht einer seiner Musketier-Kollegen, welcher sich schriftstellerisch betätigte, einen stark romantisierenden Roman über ihn verfasst hätte, der wiederum Alexandre Dumas als Vorlage für „Die drei Musketiere“ diente. Aus heutiger Sicht kann man sagen: Von Tom und Jerry bis Micky Maus, von Douglas Fairbanks bis Gene Kelly, von Michael York bis Logan Lerman gibt es in der Filmbranche wohl kaum einen männlichen Darsteller, der D’Artagnan noch nicht verkörpert hätte. Touristisch gesehen: ein Segen für die Stadt Maastricht!

Doch mangels der exakten Kenntnis darüber, wo D’Artagnan genau begraben lag (ein Problem, welches andere Städte durch die Errichtung eines fiktiven Grabes sehr einfach gelöst hätten), verteilte man da und dort ein paar D’Artagnan-Skulpturen rund ums Einkaufszentrum. Die Sehnsucht nach echten Knochen aber blieb. Wie gut also, dass vor einigen Tagen in der Sint-Petrus-en-Pauluskerk plötzlich der Boden nach- und zahlreiche Knochen freigab, welche derzeit in Deventer und München mit der DNA der D’Artagnan-Verwandtschaft verglichen werden. Für Diakon Valke jedenfalls ist die Sache jetzt schon klar: „Er muss es sein! Darauf verweist nicht nur der Bestattungsort direkt am Altar, sondern auch die französische Münze, die neben ihm gefunden wurde.“ Und dann gab es ja auch noch diese Musketenkugel, die auch noch irgendwo rumlag.

Wäre er es wirklich, es wäre ein gefundenes Fressen für alle Knochenliebhaberinnen und -liebhaber. Sicher auch für den Hamburger Notarzt Thomas Samek. Denn der verkörpert auf dem jährlichen D’Artagnan-Festival in Lupiac stets den berühmten Musketier. Auch das: ein Knochenjob.

Back to top button