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KI-Brillen in China: Spicken in der Uni, Preise vergleichen im Alltag – Wirtschaft | ABC-Z

Hightech beim Spicken, das war in der Zeit vor Einfach-Handys, Smartphones und Computer-Uhren zum Beispiel ein Kugelschreiber mit zwei Sichtfenstern aus Kunststoff. Darin waren Werbebotschaften zu sehen, die innen auf einer kleinen Rolle standen. Konnte man easy ersetzen mit Matheformeln, die einfach nicht im Kopf bleiben wollten. Recht viel mehr ging nicht. Und vor allem musste man, was man abrufen wollte, erst einmal selbst in Mikroschrift festhalten. Was dann meistens dazu führte, dass man’s dadurch auch so wusste.

Elektronische Gadgets brachten das Spicken auf ein neues Level, vorausgesetzt, man hatte einen Partner oder eine Helferin, die einem Fragen beantworten konnte, eine Art Telefonjoker. Googeln ging nicht immer – schlechtes Schul-Wlan und so. Mittlerweile ist sogar das schon wieder ein alter Hut. Heute kommuniziert man mit großen Sprachmodellen à la Chat-GPT. Die können eine Aufgabe selbst scannen und eine Antwort dazu versuchen, was uns etwa die Autorin mit einem Text sagen wollte. Oder die Lösung für eine komplexe Gleichung liefern.

Die KI braucht dazu nur Augen. Die stecken als winzige Kameras in smarten Brillen, die Unternehmen wie Meta oder die chinesischen Technologieriesen Xiaomi und Alibaba gerade auf den Markt drücken. In China sogar mit öffentlicher Unterstützung. Wer eine solche Brille kauft, bekommt von Staat bis zu 15 Prozent des Kaufpreises Rabatt. Die Kameras „lesen“ also die Aufgabe, suchen nach einer Lösung und blenden sie kaum sichtbar von außen ins Sichtfeld der Nutzerin oder des Nutzers ein.

Vivian, eine Studentin aus der chinesischen Provinz Hebei etwa, schwört auf ihre Brille. Wenn sie mit ihrem Scooter durch die Stadt düst, lässt sie sich damit den Weg anzeigen oder sie fotografiert damit die Preise in einem Geschäft, um später zu schauen, ob es die Sachen online nicht vielleicht billiger gibt, erzählte sie dem US-Tech-Magazin „Rest oft world“, einer Non-Profit-Organisation. Manchmal leihe sie die Brille auch an Mitstudenten aus.

Für die Abschlussprüfung aber wird ihr das Hightech-Gerät nichts nützen. Die sind an den Universitäten dafür bereits streng verboten, ebenso bei den Prüfungen für einen der begehrten Jobs im öffentlichen Dienst. Nur an gewöhnlichen Schulen erkennen viele Lehrkräfte die vergleichsweise neuen Geräte noch nicht als Hilfe zum Schwindeln.

Ungemach droht den Hightech-Spickern nun von der Wissenschaft. Forscher der Uni Hongkong haben ausprobiert, ob sie sich mithilfe von KI-Brillen durch Examina mogeln könnten. Und landeten unter den besten fünf von mehr als 100 Prüflingen. Sie entwickeln jetzt ein System, das Lehrkräften helfen soll, die Brillen zu erkennen. Dann wären die etwa 250 bis 1000 Euro und mehr, die solche Brillen kosten, eine schlechte Investition.

Zumal nicht alle Nutzerinnen und Nutzer besonders begeistert von den Fähigkeiten der Geräte sind. Sie klagen etwa darüber, dass die Akkus nicht lange halten, die Brille warm werde und ihr Gewicht schwer auf der Nase laste. Und dann ist es auch noch so, dass viele Menschen fürchten, heimlich gefilmt zu werden, und die Träger solcher Brillen schief angucken. Gegen heimliches Filmen sollen zwar blinkende LEDs helfen. Aber die lassen sich auch überkleben.

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