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Keine schnelle Entspannung: Experten prognostizieren durch Iran-Krieg größten Preisschub seit 2022 | ABC-Z

Keine schnelle EntspannungExperten prognostizieren durch Iran-Krieg größten Preisschub seit 2022

Die Angriffe auf Teheran sollen auch Folgen für den erhofften Aufschwung hierzulande haben. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Vor einem Monat starten die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran, ein Ende ist nicht in Sicht. Der Konflikt treibt Experten zufolge auch die Verbraucherpreise in Deutschland nach oben. Die Koalitionsfraktionen sehen bei den Lebensmittelpreisen jedoch keinen Handlungsbedarf.

Der Iran-Krieg lässt die deutschen Verbraucherpreise nach Prognosen von Ökonomen so schnell steigen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen dürften sich im März um durchschnittlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat verteuern, sagen Volkswirte voraus. Das wäre der größte monatliche Zuwachs seit September 2022, als nach der russischen Invasion in der Ukraine viele Rohstoffe teurer wurden. “Der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise dürfte dafür gesorgt haben”, erklärten die Analysten der Landesbank Helaba.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat dürften die Verbraucherpreise um 2,6 Prozent steigen, sagen die Ökonomen voraus. Das wäre die höchste Inflationsrate seit Dezember 2024. Im Februar hatte sie noch bei 1,9 Prozent gelegen, im Januar bei 2,1 Prozent. Das Statistische Bundesamt will am Montag eine erste offizielle Schätzung vorlegen.

Der seit vier Wochen andauernde Krieg der USA und Israel gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Der Iran hat die Straße von Hormus weitgehend geschlossen: Über die Meerenge wird ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert. Das sorgt für Knappheiten, weshalb die Preise gestiegen sind.

Angesichts hoher Energiepreise infolge des Iran-Krieges prüfen die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD weitere Entlastungen für Bürger und Unternehmen. Dazu zählen eine Übergewinnsteuer, ein an den Ölpreis gekoppelter Spritpreisdeckel sowie eine Senkung der Energiesteuer. Die Bundesregierung solle diese und weitere Maßnahmen prüfen, sagten die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Sepp Müller von der CDU und Armand Zorn von der SPD in Berlin. Es gebe kein Versorgungsproblem, sondern ein Preisproblem, sagte Zorn nach der dritten Sitzung der gemeinsamen Taskforce. Die Entlastungen müssten präzise, zielgenau und nachhaltig sein.

Grundlage für die Überlegungen sei das vom Bundesrat beschlossene Kraftstoffmaßnahmenpaket. Dieses wirke bereits, sagte Müller. Als weitere Prüfaufträge an die Regierung nannten die Politiker die Reaktivierung von Kohlekraftwerken aus der Reserve zur Senkung des Gasverbrauchs, eine Entlastung über die Kfz-Steuer sowie eine Senkung der Stromsteuer für alle. Hintergrund seien Szenarien, bei denen der Iran-Krieg länger andauere und die Straße von Hormus geschlossen bleibe. Die Ergebnisse der Prüfung sollen bis Freitag vor der nächsten Bundestagssitzungswoche vorliegen, die am 13. April beginnt.

“Inflationsrate wird deutlich anziehen”

Eine schnelle Entspannung erwartet auch die Bundesbank nicht. “Die Inflationsrate wird in den kommenden Monaten deutlich anziehen”, heißt es im aktuellen Monatsbericht der deutschen Notenbank. Der höhere Rohölpreis verteuere kurzfristig insbesondere Kraftstoffe und Heizöl für die Verbraucher. “Infolgedessen dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung drei Prozent ansteigen”, so die Bundesbank.

Das hat auch Folgen für den erhofften Aufschwung. “Das höhere Preisniveau schwächt die Konjunktur vor allem dadurch, dass der private Konsum belastet wird”, erklärten die Helaba-Ökonomen. Die Teuerung senke die Kaufkraft der Haushalte, wodurch die privaten Konsumausgaben weniger stark zunehmen dürften als bislang gedacht. Viele Institute und Banken haben deshalb ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft gesenkt.

Bei den Lebensmittelpreisen sehen die Koalitionsfraktionen jedoch keinen Handlungsbedarf. Dort seien Auswirkungen durch die hohen Energiepreise kurzfristig nicht spürbar, sagte Müller. “Derzeit ist das nicht zu beobachten”, sagte auch Zorn.

Quelle: ntv.de, gut/rts

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