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Karls kleine Welt: Große Premiere dank Nagelsmann | ABC-Z

Genau 33 Tage, knapp fünf Wochen. Lennart Karl ging im Frühjahr 2008 beinahe noch als Neugeborener durch als die deutsche Nationalmannschaft zuletzt ein Länderspiel gegen Nachbar Schweiz gewann. Am 26. März 2008 hießen die Torschützen für das von Bundestrainer Joachim Löw trainierte DFB-Team Mario Gómez (Doppelpack), Miroslav Klose und Lukas Podolski – Endstand im St. Jakob-Park von Basel 4:0.

Fast auf den Tag genau 18 Jahre später durfte der seit knapp fünf Wochen volljährige Lennart Karl selbst mitmischen in Basel – wie einst “Capitano” Michael Ballack, heute sein Berater. Und es war Bundestrainer Julian Nagelsmann, der dem Flügelspieler des FC Bayern ab der 63. Minute beim Stand von 3:2 anstelle von Leroy Sané zum DFB-Debüt verhalf. Es wurde eine gelungene Premiere – auch wenn Karl keine Torbeteiligung gelang, war er doch in der Entstehung am 4:2 von Florian Wirtz beteiligt. Deutlich zu erkennen: Die Diskrepanz im Auftreten des energielosen und glücklosen Ex-Bayer Sané und Treibauf Karl. Mit dem Teenager kam Schwung, Drive und Raffinesse über den rechten Flügel ins deutsche Spiel. Eine knappe halbe Stunde, die mächtig Eindruck bei den Teamkollegen hinterließ.

Routinier Pascal Groß (Brighton) lobte, dass Karl “frischen Wind” ins Spiel brachte. Der Linksfuß habe “Spielwitz und versteckt sich nicht.” Somit bringe Karl der Nationalmannschaft “einen Mehrwert”. Doppeltorschütze Wirtz gestand nach dem Spiel: “Ich habe ihn diese Woche das erste Mal im Training gesehen. Er ist ein Topspieler. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu spielen.” Und weil einer wie Wirtz mit seinen 22 Jahren und mittlerweile schon 38 Länderspiel-Einsätzen weiß, wovon er spricht in Sachen öffentlicher Erwartungshaltung, wollte er “nicht so viel Druck” aufbauen auf den Next-Generation-Kicker Karl. Verkneifen konnte sich der Liverpool-Star jedoch nicht, eine Prognose abzugeben: “Er wird uns die nächsten Jahre so viel Spaß geben. Wir wollen einfach nur genießen, dass er Deutscher ist.” Ein Teenie-Zauberer, der zu Wirtz, Jamal Musiala (23) und Serge Gnabry (30), den beiden Bayern-Kollegen, perfekt passt.

Auch bei der WM im Sommer in Nordamerika? “Wenn du so einen jungen Spieler mit zu einem Turnier nimmst, dann, weil er genau das Freche, Unbekümmerte verkörpert – und wenn er reinkommt, immer Vollgas gibt, ein Spiel auch entscheiden kann und entscheiden will”, hatte Nagelsmann schon vor dem Schweiz-Test erklärt. Mit anderen Worten: Karl müsste in den nächsten Wochen schon viel falsch machen, um sein Ticket für den 26 Spieler umfassenden WM-Kader noch zu verspielen. Seine nächste Empfehlung kann er – wohl erneut als Joker – am Montag in Stuttgart beim Testspiel gegen Ghana (20.45 Uhr, ARD) einreichen. Im Training machte er das schon.

“Er hat sich viel zugetraut, aber hat nicht übertrieben”

In der letzten Woche in Herzogenaurach habe Karl bei den Einheiten “sehr auffällig trainiert”, fand Nagelsmann und lobte: “Er hat sich viel zugetraut, aber hat nicht übertrieben. Das war gut. Ich war sehr positiv angetan. Fußballerisch war es sehr, sehr gut.” Auch der erste Eindruck vom Neuling außerhalb des Platzes stimme, so der Bundestrainer: “Er ist ein bisschen ruhiger, als ich erwartet habe. Er macht einen sehr, sehr angenehmen Eindruck.”

Dabei kennen sich die beiden – flüchtig. Im Sommer 2022 war Toptalent Karl (14) aus der Jugend von Viktoria Aschaffenburg zum FC Bayern gewechselt und gab in der Allianz Arena einen der Balljungen. Am 14. August 2022 klatschte Nagelsmann, damals am Beginn seiner zweiten Saison als FCB-Trainer, beim 2:0 der Münchner gegen Wolfsburg mit dem kleinen Lenny ab und drückte ihn herzlich an sich. So klein ist die Welt.

Karl ist der insgesamt 23. Debütant unter Nagelsmann und der viertjüngste der DFB-Geschichte (seit 1945) nach Musiala, Youssoufa Moukoko und Uwe Seeler. Der mit allen Wassern gewaschene Sportdirektor Rudi Völler kommentierte das Debüt des neuen Hoffnungsträgers gewohnt zurückhaltend: “Schön, das hat er sich verdient.” Wer weiß schon, was da noch alles kommt.

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