Jens Spahn bei „Maischberger: „Rentenalter wird steigen sollen“ | ABC-Z

Sandra Maischberger versteht es, ihren Gästen den Spiegel vorzuhalten – selbst dann, wenn darin nur Ausweichmanöver zu sehen sind. Am Montag stehen zwei große Themen im Raum: die Reformpolitik der Bundesregierung und Deutschlands Kurs in Sicherheitsfragen.
Spahn unter Druck: Streit über Sparpläne und Söder-Zitate
Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), muss sich im Studio mehreren beharrlich nachgefragten Themen stellen. Maischberger erinnert an die Wahlkampfaussage von CDU-Chef Friedrich Merz, zweistellige Milliardenbeträge im Bundeshaushalt einzusparen. „Wir werden die Entwicklungen sehen“, sagt Spahn, vermeidet jedoch eine konkrete Zahl.
Zuvor hatte CSU-Chef Markus Söder Steuererhöhungen kategorisch abgelehnt – auch bei der Erbschaft. Auf die Frage, ob er Söder widerspreche, weicht Spahn aus und sagt provokant: „Was wollen Sie jetzt gerne haben? Die Ticker-Meldung: Jens Spahn sagt: Söder hat nicht Recht?“ – und bleibt eine klare Antwort schuldig.
Auf die wiederholte Nachfrage, ob Merz ein Versprechen gegeben habe, das nicht zu halten ist, reagiert Spahn ebenfalls ausweichend: „Mir wäre es lieber, über Entscheidungen in der Sache zu reden.“
Rentenreform und der umstrittene Schritt zur „Rente mit 70“
Beim Thema Rente zeigt Spahn mehr Klarheit. Er kündigt an, das Renteneintrittsalter werde nach der Rente mit 67 weiter steigen. „Natürlich wird das Renteneintrittsalter schrittweise Jahr um Jahr und Monat um Monat weiter steigen müssen.“ Der Zeitpunkt für eine sofortige Debatte über „Rente mit 70“ sei jedoch nicht gekommen. Diese Aussagen markieren einen Vorstoß, mit dem Spahn wohl versucht, sich trotz sinkender Zustimmungswerte als handlungsfähig zu präsentieren.
Nach dem Streit über Haushaltsfragen wechselt Maischberger zum Thema Sicherheit. Spahn fordert ein „gesellschaftliches Pflichtjahr“ – wie es Merz auch schon am Vorabend bei Caren Miosga getan hatte – und bilanziert: „Wir machen jetzt ‚Whatever it takes‘, um Deutschland zu schützen.“
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Spahn stolpert über eigenen Versprecher zur „freiwilligen Wehrpflicht“
Er benennt das Ziel von 90.000 zusätzlichen Soldaten bis 2035, zunächst über freiwilligen Wehrdienst – oder, wie er sich im Eifer des Gesprächs verhaspelt, den „freiwilligen Wehrpflicht“. Spahn verweist auf die russische Aggression als Grund für die Debatte: „Gerade testet Putin aus – deswegen steht die Wehrpflicht im Vordergrund.“
Außerdem zu Gast sind zwei politische Schwergewichte mit sehr verschiedenen Blickwinkeln: Wolfgang Ischinger, ehemaliger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, und Oskar Lafontaine (BSW), früherer SPD- und Linken-Chef.
Welche Strategie für Deutschland? Verhandlungen mit Moskau oder harte Abschreckung?
Ischinger skizziert Putins Ziel, „die Bewegung von 1997 zurückzudrehen“ und warnt vor einer Gefährdung der territorialen Ordnung. Lafontaine plädiert dagegen für Verhandlungen mit Moskau und betont, dass Trump als US-Präsident den Gesprächskanal zu Russland offengehalten habe. Er wirft der Rüstungspolitik vor, den Sozialstaat zu beschädigen: „Das kann doch kein Mensch mit Verstand überhaupt fordern.“
Maischberger stellt die kritische Nachfrage, ob Verhandlungen mit Russland nach den jüngsten Eskalationen noch möglich seien. Lafontaine beharrt auf seiner Position. Ischinger nennt es einen strategischen Kardinalfehler, dass Trump Putin „den roten Teppich ausgerollt“ habe, ohne Bedingungen für die Gespräche zu stellen.
Gaza: Oskar Lafontaine greift eigene Regierung an
Besonders deutlich wird Lafontaine dann bei einem anderen Punkt: „Ich schäme mich, dass meine Regierung diesen Völkermord mit Waffen unterstützt“, sagt er in Bezug auf Gaza und verweist auf die Haltung des US-Senators Bernie Sanders.
Das Aufeinandertreffen von Lafontaine und Ischinger verdeutlicht die tiefen Gräben zwischen dem Ruf nach Verhandlungen und dem Beharren auf Abschreckung. Dramatische Töne spart sich die Moderatorin – und schafft es damit, die unterschiedlichen Positionen klar hervortreten zu lassen. Stattdessen beendet sie ihre Sendung mit den Worten: „Doch eine gute Idee gewesen, Sie heute einzuladen.“














