Berlin

Kai Wegner im Stromausfall: Kaum Arbeit vor dem Tennismatch | ABC-Z

Das Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters war offenbar weniger arbeitsintensiv als zunächst angegeben. Hat Kai Wegner zum zweiten Mal gelogen?

Hat Kai Wegner ein zweites Mal gelogen? Neue Recherchen des Tagesspiegels deuten darauf hin, dass der Regierende Bürgermeister am Tag nach dem verheerenden Stromausfall Anfang Januar im Südwesten Berlins deutlich weniger zum Krisenmanagement beigetragen hat als angegeben.

Dabei hatte Wegner bereits einen mittelschweren Politikskandal ausgelöst. Gegenüber Jour­na­lis­t:in­nen hatte er seine Abwesenheit am Tag nach dem Blackout mit der Aussage begründet, er hätte sich den ganzen Tag „zu Hause eingeschlossen“ und gearbeitet.

Später kam durch Recherchen des RBB heraus, dass er am Nachmittag noch eine Stunde Tennis mit seiner Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) gespielt hatte. Wegner rechtfertigte sich damit, er haben „einfach den Kopf freikriegen wollen“, weil er schon vor dem Tennismatch mit Krisenstäben, dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin und mit der Bundesregierung geredet habe.

Unterlagen entkräften Aussagen

Nun konnte der Tagesspiegel vor dem Verwaltungsgericht die Herausgabe von Informationen über die Kommunikationsabläufe Wegners an dem Tag erwirken. Die Senatskanzlei hatte dies zunächst verweigert.

Demnach haben Telefonate mit der Bundesregierung und der Stromnetz Berlin an diesem Sonntag nicht stattgefunden. Wegner chattete lediglich kurz mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD), telefonierte kurz mit der Senatskanzlei und Teilen des Krisenstabs. Über den Vormittag war der Regierende laut der Recherche wohl über Stunden für Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) nicht erreichbar. Ein Austausch mit der Bundesregierung und der Stromnetz Berlin fand erst am Nachmittag, nach dem Tennisspiel, statt.

Die Opposition wirft Wegner vor, er habe seine Prioritäten falsch gesetzt und die Öffentlichkeit getäuscht: „Es schadet nicht nur dem kaum vorhandenen Vertrauen in Kai Wegners Regierung, sondern auch dem Vertrauen in die Demokratie als Ganzes“, sagt Werner Graft, Fraktionsvorsitzender der Grünen am Dienstag.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

Back to top button