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Jürgen Habermas gestorben | tagesschau.de | ABC-Z


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Stand: 14.03.2026 • 15:23 Uhr

Eine der einflussreichsten und bedeutendsten Stimmen Deutschlands ist verstummt: Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren in Starnberg gestorben.

“Engagierter Zeitkritiker und intervenierender Denker” – eine von vielen Beschreibungen für Jürgen Habermas. Aber eine, die auf ihn besonders zutrifft. Habermas hat in fast jede bedeutende Debatte eingegriffen. Bis ins hohe Alter hat er Stellung bezogen – sei es zur Verfassung Europas oder etwa zum Überwachungsskandal des US Geheimdienstes NSA anlässlich der Verleihung des Kasseler Bürgerpreises im Jahre 2013. Damals mahnte er: “In einem demokratischen Rechtsstaat muss selbst die Arbeit der Geheimdienste transparent gemacht werden können.”

Assistent von Adorno, Vordenker der Studentenbewegung

Habermas galt als bedeutendster Philosoph und Soziologe Deutschlands. Als Assistent von Theodor W. Adorno ging Habermas 1956 ans Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Dort wurde er Vordenker der Studentenbewegung, lehnte die Gewaltbereitschaft deren Anführer aber ab. Habermas sprach von Linksfaschismus – es kam zum Bruch.

Seine Themen reichten von der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik bis hin zur Technologisierung und ihren Folgen für die moderne Gesellschaft. Über 50 Bücher wurden von ihm veröffentlicht und in unzählige Sprachen übersetzt.

Im Oktober 2001 bekam er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Und natürlich sprach er dort auch über die Folgen der Terroranschläge des 11. September: “Der Krieg gegen den Terrorismus ist kein Krieg und im Terrorismus äußert sich auch, ich sage auch, der verhängnisvoll, sprachlose Zusammenstoß von Welten, die jenseits der stummen Gewalt der Terroristen wider Raketen eine gemeinsame Sprache entwickeln müssen.”

Sprache als Grundlage von allem

Zahlreiche andere bedeutende Auszeichnungen folgten. In späteren Jahren auch der Heinepreis seiner Geburtsstadt Düsseldorf. 2025 wehrte er sich gegen Vereinnahmung, als Google ein KI-Tool zur Konfliktklärung “Habermas-Maschine” nennen wollte. Der aber lehnt das ab: Die menschliche Konfliktlösung könne man wohl kaum an eine Maschine delegieren, sagte Habermas damals.

Auf Heine hatte sich Habermas schon in seiner Habilitationsschrift “Strukturwandel der Öffentlichkeit” bezogen. Sprache ist Grundlage von allem – dieser Grundgedanke von Habermas, mündete bei ihm in der Überzeugung, dass Streitkultur Teil lebendiger Demokratie sei.

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