Gesundheit

Junge Erwachsene leiden in Deutschland häufiger unter mentalen Problemen als in Ghana |ABC-Z

Junge Erwachsene haben immer häufiger psychische Probleme, die auch klinisch behandelt werden müssen. Noch vor einigen Jahren hatten damit eher Personen, die älter als 55 Jahre sind, zu kämpfen. Das hat sich laut einer aktuellen Studie nun geändert, wie die Autoren der gemeinnützigen Organisation Sapien Labs in ihrem Bericht „Globale psychische Gesundheit im Jahr 2025“ schreiben. Demnach stehen mehr als 40 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 34 Jahren vor einer „Krise der mentalen Gesundheit“. Als Hauptursachen werden hoch verarbeitete Lebensmittel und Smartphones genannt.

Für die Studie der Organisation mit Sitz in der amerikanischen Hauptstadt Washington wurden Daten von rund einer Million Menschen in 84 Ländern erhoben. Dabei zeigt sich, dass die junge Generation, die Anfang der Nullerjahre noch „das größte Wohlbefinden aller Altersgruppen“ genoss, heute vermehrt Depressionen und Angstzustände und zudem auch Schwierigkeiten mit emotionaler Kontrolle, im Umgang mit Beziehungen und mit der Konzentrationsfähigkeit hat.

Im Alltag weniger produktiv

Im Vergleich zu älteren Erwachsenen leiden jüngere Erwachsene inzwischen viermal häufiger „unter psychischen Problemen von klinischer Bedeutung“, was ihre Fähigkeit, im Alltag produktiv zu sein, erheblich beeinträchtigt. „Die Krise der psychischen Gesundheit scheint sich von Generation zu Generation fortschreitend zu verschlimmern und geht weit über die steigenden Depressions- und Angstraten bei jungen Erwachsenen hinaus“, sagt Tara Thiagarajan, Hauptautorin des Berichts sowie Gründerin und wissenschaftliche Leiterin von Sapien Labs.

Der Bericht hebt vier Schlüsselfaktoren hervor, von allerdings weiteren möglichen Ursachen: Die jungen Erwachsenen sind die erste Generation, die seit ihrer Kindheit Smartphones nutzt. Sie konsumieren häufiger hoch verarbeitete Lebensmittel – seit Längerem ist bekannt, dass Junkfood dem menschlichen Gehirn schadet, von Depressionen bis hin zu Schlaganfällen. Die Achtzehn- bis Vierunddreißigjährigen berichten darüber hinaus oft von brüchigen Familienkonstellationen. Und immer mehr von ihnen haben auch keine spirituelle Verbindung mehr, etwa innerhalb einer Kirchengemeinde.

Mentale Gesundheit wird mit Mental Health Quotient gemessen

Jeder dieser Bereiche ist laut der für die Studie verantwortlichen Experten aus den Bereichen Neurowissenschaften, Psychologie und Informatik in unterschiedlichem Maße mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen und einer allgemeinen Abnahme der Fähigkeit zur Bewältigung von Alltagsschwierigkeiten verbunden.

Um die mentale Gesundheit einer Person messen zu können, haben die Wissenschaftler von Sapien Labs den Mind Health Quotient (MHQ) erstellt: Dabei wird die mentale Gesundheit als die Gesamtheit der emotionalen, sozialen, kognitiven und physischen Fähigkeiten definiert, die für ein erfolgreiches Leben, eine erfüllende Tätigkeit und harmonische Beziehungen entscheidend sind.

Klare geographische Unterschiede

Die Ergebnisse zeigen klare geographische Unterschiede, was einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und mentaler Gesundheit nahelegt. Demnach schneiden junge Erwachsene in den viel ärmeren afrikanischen Regionen südlich der Sahara wesentlich besser beim MHQ ab als die viel wohlhabenderen Gleichaltrigen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Indien, Japan und Australien.

Die Daten belegen außerdem, dass junge Menschen in vielen Ländern Afrikas bei den vier Schlüsselfaktoren für mentale Gesundheit höhere Werte erzielten. Beispielsweise berichteten sie häufiger von starken spirituellen Bindungen und besaßen seltener in ihrer Kindheit ein Smartphone.

Deutschland nur auf Platz 71

In allen Ländern schnitten die jungen Erwachsenen mit Internetzugang schlechter ab als ältere Erwachsene. Frühere Untersuchungen von Sapien Labs zeigten, dass sich die Kluft zwischen den Generationen schon vor 2020 vergrößerte. Die psychische Gesundheit junger Erwachsener im Alter von 18 bis 34 Jahren verschlechterte sich während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 allerdings weiter rapide, während ältere Generationen einen vergleichsweise geringen Rückgang verzeichneten.

Deutschland liegt laut der Studie im hinteren Feld und kommt nur auf Platz 71 unter den 84 Ländern, während zum Beispiel Länder wie Nigeria (Platz zwei), Kenia (drei) und Tansania (vier) weit vorne landen. Ghana ist laut Sapien Labs auf Platz eins, Hongkong auf dem letzten Platz. Zwei Drittel der jungen Erwachsenen in Deutschland gaben an, regelmäßig hoch verarbeitete Lebensmittel zu essen, im Vergleich gaben dies nur etwas mehr als ein Drittel der über Fünfundfünfzigjährigen an.

Zudem werden Smartphones in Deutschland überwiegend schon von einem sehr frühen Alter an genutzt. Spiritualität spielt laut Befragung dagegen kaum noch eine Rolle, und beim familiären Gefüge, das jungen Menschen eigentlich Halt geben soll, liegt Deutschland auch nur im Mittelfeld.

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