Jemens Huthis und der Irankrieg: Wie eine einzige Rakete den Welthandel beeinflusst | ABC-Z

Als die Huthi-Machthaber in Jemen am 27. März eine ballistische Rakete Richtung Israel abfeuerten, traf das sogar Teile der eigenen Führung unvorbereitet. Erst Stunden zuvor hatte der Huthi-Militärsprecher gesagt, man habe „die Finger am Abzug“ und werde unter Umständen in den Krieg eintreten, falls nämlich die Anti-Iran-Koalition großer oder Irans Infrastruktur direkt getroffen werde. Dann schritten sie zur Tat, ohne dass einer dieser Umstände eingetreten wäre. Huthi-Führungsmitglied Mohammed al-Bukhaiti sagte in einem TV-Interview, er sei überrascht und der Raketenabschuss sei ein Ausdruck von „militärischem Übermut“.
Denn nachdem die USA und Israel am 28. Februar ihre Angriffe auf Iran gestartet hatten, erklärte Huthi-Anführer Abdul-Malik al-Huthi zwar schon nach wenigen Tagen, man stehe bereit, Teheran zu verteidigen. Dann aber verging ein ganzer Monat ohne entsprechende Tätigkeiten. Die Huthi-Machthaber, die den Norden Jemens einschließlich der Hauptstadt Sanaa kontrollieren, verlegten lediglich Soldaten und Militärgerät zur Abwehr eines möglichen Angriffs der international anerkannten jemenitischen Regierung im Süden.
Als Libanons Hisbollah-Miliz auf der Seite Irans in den Krieg eintrat, wuchs der Druck auf Jemens Huthis, ihre Bündnistreue mit Iran unter Beweis zu stellen. Aber nach Informationen der taz gab es intern heftigen Streit. Eine wichtige Fraktion stellte sich gegen einen Huthi-Kriegseintritt, da dieser eine Einladung für direkte US-Angriffe darstellen würde. Die USA und Israel haben Jemen bereits während des Gazakriegs beschossen.
Dann aber landeten Berater der iranischen Revolutionsgarden in Jemen. Sie waren auf dem Seeweg gekommen. Und wenig später flog die Huthi-Rakete gen Jemen.
Nachdruck für Irans Drohungen
Einige Analysten sprechen von einem symbolischen Schlag: eine einzige Rakete, die abgefangen wurde und keinen Schaden anrichtete. Sie wird als Geste gesehen, mit der Iran seinen Drohungen einer Ausweitung seiner Angriffe Nachdruck verleiht.
Huthi-Experte Adnan al-Jabarni sieht aber mehr als nur Symbolik am Werk. „Israel sucht seit der letzten Konfrontationen nach einem Vorwand, um die Huthis anzugreifen, und dieser Angriff hat den Vorwand geliefert“, sagt er. „Die Iran-Achse kämpft um ihre Existenz, mit allen verfügbaren Kräften, von Irak über Libanon bis Jemen. Eine Niederlage Irans würde auch die Huthis direkt betreffen.“ Al-Jabarni hält einen israelischen Militärschlag gegen die Huthis in Jemen nach einem Kriegsende zwischen den USA und Iran für möglich.
Das zweite Nadelöhr
Die Bedeutung der Huthi-Rakete ist geografisch bedingt. Seit Iran am 2. März die Straße von Hormus geschlossen hat und damit rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels abschnürte, ist die Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab zwischen Jemen und Dschibuti am südlichen Ende des Roten Meeres deutlich gewachsen.
Saudi-Arabien hat seine Ölexporte vom Persischen Golf an den Hafen Yanbu am Roten Meer umgeleitet. Sie müssen dann nicht mehr die Straße von Hormus passieren, um Asien zu erreichen, sondern die Meerenge Bab al-Mandab. Im März wuchs das Ölvolumen auf dieser Strecke um 21 Prozent.
Eine Schließung von Bab al-Mandab wäre nun Teherans letzte Trumpfkarte. Bereits während des Gazakriegs haben die Huthis bewiesen, dass sie den Schiffsverkehr im Roten Meer stören können, trotz der internationalen Marinemissionen dort. Eine iranische Militärquelle erklärte am 21. März, die Destabilisierung von Bab al-Mandab und des Roten Meers „bleibt eine Option“. Huthi-Vizeinformationsminister Mohammed Mansour äußerte sich ähnlich.
Eine Blockade des Roten Meeres, des Golfs von Aden und der Meerenge Bab al-Mandab würde zusätzlich zur Blockade der Straße von Hormus rund 30 Prozent des globalen Ölhandels abschneiden. Analysten rechnen für diesen Fall mit einem weiteren Anstieg der globalen Ölpreise von aktuell über 110 auf über 150 US-Dollar pro Barrel.
Ob es dazu kommt, hängt vom weiteren Verlauf des Irankriegs ab. Solange die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran weitergehen, dürften Jemens Huthis sich zurückhalten. Aber sollten die Gespräche zusammenbrechen oder US-Truppen in Iran landen, könnte Jemens Huthi-Regierung meinen, auch sie müsse jetzt um ihre Existenz kämpfen. Seit dem Gazakrieg haben sie ihre militärischen Fähigkeiten wieder aufgebaut und ihre Waffenproduktion gesteigert. Die Werkzeuge liegen bereit.





















