Jahresrückblick 2025: Kirchseeons Millionen-Blitzer hat etwas weniger zu tun – Ebersberg | ABC-Z

Optisch macht er nicht viel her, er ist eine unauffällige graue Säule am ebenfalls unspektakulären Kirchseeoner Ortsrand. Dennoch ist er mittlerweile bundesweit berühmt: der Kirchseeoner Blitzer. Das liegt daran, dass das stationäre Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung auch eine Zweitkarriere als Gelddruckgerät anstreben könnte: Mehr als eine Million Euro hat es der 11 000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Ebersberg im ersten Jahr seines Bestehens in die Gemeindekasse gespült, das hat der Kassensturz im Januar 2025 gezeigt.
Eine so außergewöhnliche Zahl war das, dass Fernsehteams und Journalisten aus ganz Deutschland staunend über das Faktum berichtet haben. Dem Kirchseeoner Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) ist allerdings gar nicht so recht, dass das viele Geld meist im Mittelpunkt steht: „Es geht uns nicht darum, eine gute Einnahmequelle zu haben, der Fokus liegt definitiv nicht auf den Einnahmen“, unterstreicht er mit Nachdruck, „es geht uns um die Verkehrssicherheit.“
:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis
Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an. Das Angebot ist kostenlos. So abonnieren Sie die Kanäle.
Denn Fußgänger können hier leicht ins Hintertreffen geraten. Vor allem morgens und abends braust ein Auto nach dem anderen vorbei; die durch die Gemeinde führende Bundesstraße 304 ist eine wichtige Verkehrsachse im Münchner Osten. Bis zu 20 000 Fahrzeuge täglich sind hier unterwegs. Was den Autofahrern leider bisweilen egal ist, ist die Tatsache, dass rechts und links der Straße Menschen leben, arbeiten und in die Schule gehen müssen und der Ort nicht den Autos allein gehört. Gerade Richtung Ortsausgang, wo der Spannleitenberg wieder Richtung freie Strecke führt, drücken sie gern aufs Gas. Oder sie lassen das Auto nach dem Ortsschild großzügig weiterrollen, wenn sie von der anderen Richtung kommen – obwohl hier auch die Grund- und Mittelschule liegt und gerade morgens viele Kinder unterwegs sind.
Viele Schulkinder sind hier unterwegs
Im ersten Jahr der Messungen wurden 34 500 Verstöße registriert, dabei lagen 26 Fahrzeuge sogar 51 bis 60 Kilometer pro Stunde über der erlaubten Geschwindigkeit und 13 Fahrzeuge überschritten das Tempolimit um mehr als 60 Kilometer pro Stunde. In diesem Jahr blitzte es etwas weniger, bis einschließlich November wurden 23 899 Verstöße registriert.
„Man merkt schon, der Blitzer hat bewirkt, was er bewirken soll: Die Menschen fahren langsamer“, sagt der Bürgermeister dazu. Auch wenn 2000 bis 3000 Verstöße monatlich natürlich immer noch eine beeindruckende Zahl sind. Nach Einschätzung Paeplows hat sich vor allem eines geändert: Diejenigen, die tagein, tagaus auf der Strecke unterwegs sind – also vor allem die Pendler aus den umliegenden Gemeinden und die Ortsansässigen – haben inzwischen verinnerlicht, dass man sein Geld sinnvoller ausgeben kann als für die Strafzettel des Zweckverbands Kommunale Dienste Oberland, der die Anlage verwaltet. Vor allem Autos mit auswärtigen Kennzeichen fahren mittlerweile noch zu schnell durch die Kirchseeoner Ortsdurchfahrt und am Blitzer vorbei.
Man merkt schon, der Blitzer hat bewirkt, was er bewirken soll: Die Menschen fahren langsamer.
Jan Paeplow, Bürgermeister von Kirchseeon
Insgesamt ist der Rückgang der Zahlen vielleicht nicht ganz so beeindruckend, wie man angesichts der Bekanntheit des Gerätes erwarten könnte. Und es gibt immer noch genügend Verkehrsteilnehmer, denen der Sinn innerörtlicher Tempobeschränkung anscheinend so gar nicht recht einleuchten will: Auch in diesem Jahr wurden bisher 303 Verkehrsteilnehmer dabei erwischt, wie sie mehr als 30 Kilometer pro Stunde zu schnell durch die Messstelle rauschten, 27 weniger als im ersten Messjahr, wobei in der aktuellen Auswertung ja noch der Dezember fehlt. 2956 (Vorjahr: 3614) der Ertappten fuhren zwischen 16 und 30 Kilometer pro Stunde zu schnell und die große Masse – nämlich 20 640 (Vorjahr: 30 562) Verkehrsteilnehmer – erwischte der Blitzer, weil sie sechs bis 15 Kilometer pro Stunde zu viel auf dem Tacho hatten.

Die Arbeit des Blitzers scheint also noch nicht getan zu sein, er wird auch im kommenden Jahr weiter im Dienst bleiben, wie der Bürgermeister erklärt. Immer wieder gibt es auch Gespräche darüber, dass andere Stellen in Kirchseeon ebenfalls einen solchen Apparat gut brauchen könnten. Etwa zwischen Kirchseeon und dem direkt angrenzenden Ortsteil Eglharting, wo gern mal lichtgehupt wird, wenn sich jemand an die durchgehend geltende Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Konkrete Pläne für einen weiteren Blitzer gebe es aber nicht, sagt der Bürgermeister, es gebe ja auch noch andere Möglichkeiten, den Verkehr zu bremsen und zu steuern.
Wie hoch die Einnahmen in diesem Jahr ausfallen, dazu möchte Paeplow noch keine Schätzung abgeben. Den Einnahmen aus den Bußgeldern stünden schließlich die Kosten für den Betrieb des Blitzers gegenüber. Angesichts der Tatsache, dass Kirchseeon wie fast alle Kommunen nicht im Geld schwimmt, wird die Summe aber auf jeden Fall dem Gemeindekonto guttun. Den Enthusiasmus einiger Kirchseeoner, die vorschlugen, man könne doch das ganze Geld einfach verwenden, um das marode und seit Sommer 2023 geschlossene Hallenbad wiederzubeleben, muss Paeplow immer wieder dämpfen.





















