Iran-Krieg und die Auswirkungen: Geht das Thailand das Öl aus? | ABC-Z

Thailand ist auf Öl und Gas aus den Golfstaaten angewiesen. Wegen des Iran-Krieges gibt es nun Versorgungsprobleme – auch der Tourismus ist betroffen. Hat die Regierung in Bangkok nun eine Lösung gefunden?
Wie viele Staaten Asiens leidet auch Thailand seit Beginn des Kriegs gegen Iran besonders unter der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus. Durch die Meerenge verläuft normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Transports von Öl und Gas – der jetzt so gut wie zum Erliegen gekommen ist.
Thailand deckt 68 Prozent seines Gas- und 90 Prozent seines Ölbedarfs aus den Golfstaaten. Die Ölreserven des südostasiatischen Landes reichen laut Time für etwa zwei Monate.
Durch die Lieferengpässe leidet die Wirtschaft des Landes stark: So hat etwa die Hälfte der thailändischen Fischereiflotte mittlerweile den Betrieb eingestellt. Für Thailands Fischer, die zu den größten Meeresfrüchte-Exporteuren weltweit gehören, sei der Treibstoff einfach zu teuer geworden, berichtet Christiane Justus, ARD-Korrespondentin für Südostasien.
Große wirtschaftliche Konsequenzen
Neben den Auswirkungen auf Industrie und Verbraucher im Land, ist durch die weltweiten Energiepreisanstiege auch die für Thailands Wirtschaft so wichtige Tourismusbranche betroffen. Denn unter anderem wegen der hohen Flugpreise drohe die Zahl der ausländischen Besucher auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren zu sinken, berichtet Justus.
Zudem sind Exporte, etwa von Reis, in den Nahen Osten eingebrochen. Laut Bloomberg könnte ein Krieg, der länger als drei Monate dauert, das Wirtschaftswachstum Thailands durch die hohen Energiepreise sowie den Einbruch von Tourismus und Exporten halbieren.
Subventionen mittlerweile gestrichen
Die Regierung in Bangkok rief die Bevölkerung zu drastischen Energiesparmaßnahmen auf. Die Kühlung durch Klimaanlagen solle begrenzt, Treibstoff und Benzin gespart werden, Beschäftigte in Büros möglichst kurzärmelige Hemden statt Anzüge tragen. Behördenmitarbeiter wurden aufgefordert, Treppen statt Aufzüge zu nutzen oder gleich aus dem Homeoffice zu arbeiten. Zudem wurde erwogen, Tankstellen nachts zu schließen.
In den ersten drei Wochen des Iran-Kriegs hatte die Regierung die Spritpreise mit Finanzspritzen noch gedeckelt. Doch als vergangenen Mittwoch die Subventionen plötzlich gestrichen wurden, war das Ergebnis ein Preisschock an Thailands Tankstellen. Seither sind die Preise weiter gestiegen.
Wie einige andere asiatische Länder hat auch Thailand begonnen, die Kohleverstromung hochzufahren. So nimmt Thailand zwei im vergangenen Jahr stillgelegte Kohlekraftwerke wieder in Betrieb. In etlichen Ländern der Region gewinnt auch die Diskussion um Atomenergie neuen Schwung.
Erste Durchfahrt eines thailändischen Tankers
Doch die Regierung in Bangkok führt auch Verhandlungen mit Teheran. Irans Führung hatte eigentlich erklärt, dass Schiffe aus “nicht-feindlichen Staaten” die Straße von Hormus passieren dürften. Einigen Tankern mit Lieferungen für Indien und Pakistan wurde die Durchfahrt seither erlaubt. Vergangenen Mittwoch konnte erstmals auch wieder ein thailändischer Öltanker nach Angaben aus Bangkok die Straße von Hormus passieren.
Zwei Wochen zuvor war ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter noch in der Meerenge von einem Geschoss getroffen worden. Dabei brach ein Feuer an Bord aus und zwang die Besatzung zur Evakuierung – drei Besatzungsmitglieder werden vermisst.
Abkommen mit Iran für sichere Durchfahrt
Mittlerweile soll Iran nach Angaben von Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul thailändischen Öltankern die sichere Durchfahrt der Straße von Hormus erlauben. Mit Iran sei ein Übereinkommen ausgehandelt worden, sagte Anutin nach Angaben der Bangkok Post am Samstag und stellte in Aussicht, dass Ölimporte für das Land bald wieder gewährleistet sein sollten.
Gleichwohl entschuldigte er sich auf der Pressekonferenz beim thailändischen Volk für das “Chaos”, das seine Regierung im Umgang mit den Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Preise von Treibstoffen im Land verursacht habe. Die Störung der Öllieferungen halte länger an als erwartet, sagte Anutin zur Begründung. Ein baldiges Ende des Konflikts sei unwahrscheinlich. Daher habe die Regierung ihre Maßnahmen anpassen müssen.
Gleichzeitig rief der Ministerpräsident laut dem Onlinemedium Khaosod die Menschen auf, weiter Öl zu sparen. “Ich fordere die Öffentlichkeit auf, zuversichtlich zu bleiben, nicht in Panik zu verfallen und nicht zu horten.”
Mit Informationen von Christiane Justus, ARD Singapur





















