Iran-Krieg belastet Transport, Handel und Energieversorgung massiv | ABC-Z

Für Autofahrer und Transportbetriebe sind die Folgen sofort sichtbar: Diesel- und Benzinpreise haben infolge der stark angestiegenen Ölpreise deutlich zugelegt. Ein Liter Diesel verteuerte sich zeitweise um über 55 Cent binnen weniger Tage. Kritik kommt aus Verbänden, die eine Diskrepanz zwischen Rohölpreis und Tankstellenpreisen sehen.
Der ADAC fordert eine Senkung der Energiesteuer, um kurzfristige Entlastung zu schaffen. Speditionen trifft der Preisanstieg besonders hart – Kraftstoff macht rund ein Drittel ihrer Gesamtkosten aus.
Dirk Engelhardt, Vorstand des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), spricht von einer „Dieselpreisexplosion“, die mittelständische Transportunternehmen massiv gefährdet.
Am Samstag, den 21. März, lagen die bundesweiten Durchschnittspreise an den Tankstellen laut ADAC beim Diesel bei 2,301 Euro und bei Super E10 bei 2,083 Euro pro Liter. Regional sind Abweichungen vom Mittelwert und damit auch höhere Preise möglich. Vom Höchststand 2022 kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist der Diesel noch 2 Cent entfernt, bei Super E10 sind es 12 Cent.
Der Dieselpreis hatte sich zuvor innerhalb von zwei Tagen um mehr als 12 Cent erhöht. Am Freitag, den 20. März, kostete ein Liter des Kraftstoffs im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,291 Euro, wie die Daten des ADAC zeigen. Superbenzin der Sorte E10 kostete am Freitag 2,086 Euro je Liter.
Auch landwirtschaftliche Betriebe müssen deutlich mehr für Betriebsmittel ausgeben. Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt vor massiv steigenden Diesel- und Düngemittelpreisen, insbesondere zur Frühjahresbestellung. Ein wesentlicher Grund dafür sind verzögerte Lieferungen von Ammoniak über die blockierte Straße von Hormus.
Der Industrieverband Agrar sieht aktuell zwar keine akuten Versorgungsengpässe, die Preisentwicklung sei aber klar spürbar.
Für die maritime Wirtschaft gehören die Auswirkungen zu den gravierendsten: Mindestens 30 Schiffe deutscher Reedereien sollen sich nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) im Persischen Golf befinden und können die Region nicht verlassen. Laut Marineinformationen könnten es sogar mehr als 50 sein.
VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger berichtet von zunehmenden Angriffen auf Handelsschiffe – darunter Drohnen- und Raketenattacken. Hunderten Schiffen, die in die Region einlaufen wollen, bleibt aktuell nur das Warten auf eine sichere Passage durch die blockierte Seestraße.
Folgen sind unter anderem:
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massive Verzögerungen globaler Supply Chains
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deutlich gestiegene Versicherungsprämien
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längere Ausweichrouten rund um Afrika
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Knappheiten in Containern und Frachtraum
Während große Autohersteller wie BMW, Audi, VW und Mercedes-Benz derzeit keine wesentlichen Einschränkungen melden, verweist der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf steigende Frachtkosten und angepasste Transportwege.
Im Maschinenbau verzeichnet der VDMA bereits gestoppte Projekte in der Golfregion. Problematisch sind vor allem blockierte Häfen wie Dubai und Abu Dhabi sowie steigende Kosten für Transport und Versicherung.
Die energieintensive Stahlindustrie befürchtet langfristige Belastungen durch dauerhaft hohe Gaspreise. Eine Sprecherin von Thyssenkrupp Steel erklärt: „Ein dauerhaft höherer Gaspreis hätte Auswirkungen auf die Produktionskosten.“ Öl spiele hingegen nur eine untergeordnete Rolle.
Auch die Chemiebranche, die stark von Erdgas und Rohöl abhängig ist, sieht sich erheblich unter Druck. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup warnt vor Engpässen bei zentralen Rohstoffen wie Ammoniak oder Phosphat, die wegen der eingeschränkten Passage durch die Straße von Hormus nicht wie gewohnt verfügbar sind.
Der Iran-Krieg zwingt Airlines zu Umroutungen, die längere Flugzeiten und mehr Kerosinverbrauch zur Folge haben. Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnte bereits vor einer „Achillesferse des internationalen Luftverkehrs“ im Persischen Golf.
Direktverbindungen zwischen Asien und Europa sind stark ausgelastet und teurer geworden, da Umsteigeverbindungen über die Golfstaaten wegfallen. Manche Fluggesellschaften – darunter SAS und United Airlines – haben Flugpläne gekürzt. IW-Expertin Sultan erwartet steigende Ticketpreise aufgrund der höheren Betriebskosten.
Mehrere Wirtschaftsinstitute warnen, dass die angespannten Energiemärkte infolge des Iran-Kriegs die Lebensmittelpreise in Deutschland weiter nach oben treiben könnten.
Handelsexperte Carsten Kortum betont, dass besonders energieintensive Produkte – etwa Backwaren, Milchprodukte oder verarbeitete Lebensmittel – preislich nachziehen dürften. „Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden“, so Kortum.
Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) verweist zusätzlich auf steigende Düngemittelpreise, die Grundnahrungsmittel wie Getreide, Soja und Mais verteuern. Da ein Teil davon als Futtermittel dient, könnten die Kosten auch auf Fleischprodukte übergehen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie rechnet ebenfalls mit Kostensteigerungen durch teurere Produktion und Lieferprozesse. „Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu“, so Geschäftsführer Olivier Kölsch. Auch Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund warnt vor höheren Produktionskosten in der Getränkeindustrie.
Die Bundesregierung plant, dieses Thema in der gemeinsamen Taskforce von SPD und Union aufzunehmen. SPD-Politiker Esra Limbacher nennt „inflationsbremsende Maßnahmen“ wie steuerliche Entlastungen oder Unterstützung heimischer Düngemittelhersteller.





















