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Iran-Krieg: Aktienmärkte reagieren moderat auf Eskalation im Nahen Osten | ABC-Z

Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat keine Panik an den Finanzmärkten ausgelöst. Als erstes hatten am Montagmorgen die japanischen Märkte Gelegenheit zu reagieren und blieben mit einem Minus von 1,4 Prozent besonnen. In China gab es sogar leichte Kursgewinne. Beruhigend wirkte der Future-Handel, der von der Wall Street ein Minus von nur einem Prozent erwarten ließ. In diesem Fahrwasser zeigte sich auch die Dax-Eröffnung mit gut zwei Prozent Minus moderat. Bis zum Mittag reduzierte sich das Minus sogar etwas und der Dax stand auf knapp 24.900 Punkten 1,7 Prozent tiefer als am Freitag.

Entscheidend für die Märkte ist das Überraschungsmoment von Ereignissen. Die Fachleute von Berenberg verwiesen dazu auf Berechnungen, wonach die Kriegsgefahr in Iran zuletzt schon auf 70 Prozent beziffert worden war. „Der Angriff auf den Iran kam nicht überraschend, wurde doch schon länger darüber spekuliert“, heißt es in der Berenberg-Analyse. „Da viele Marktteilnehmer – inklusive wir – die Aktienquote im Vorfeld schon reduziert und sich am Optionsmarkt abgesichert haben, dürfte das Abwärtspotenzial bei Aktien zunächst begrenzt sein.“ Trump scheine ein nachhaltig steigendes Öl-/Zins-Szenario vermeiden zu wollen. „Er zielt auf die Zerstörung der iranischen Marine ab, um die Risiken einer Blockade der Straße von Hormus zu minimieren“, heißt es von Berenberg.

Höhere Inflation zu befürchten

Neben dem Überraschungsmoment interessieren sich die Märkte auch immer sehr für die Auswirkungen von Ereignissen auf die Konsumstimmung in den Industrieländern. Im Nahen Osten spielt der Ölpreis stets die größte Rolle. Es gilt die Daumenregel, dass ein Anstieg der Ölpreise um zehn Prozent die Inflation in den USA und Europa um etwa 0,2 Prozentpunkte steigen lasse. Schon vor dem Kriegsausbruch waren die Ölpreise von 60 auf 70 Dollar je Barrel gestiegen. Am Montag verteuerte sich das Fass je 159 Liter der Nordseesorte Brent teils auf mehr als 80 Dollar. Anstiege auf 100 oder 120 Dollar werden nicht ausgeschlossen. Bliebe es für längere Zeit bei Preisen von 100 Dollar, kletterten die Inflationsraten von zuletzt 1,7 Prozent im Euroraum wieder Richtung 2,5 bis 3,0 Prozent und dämpften das Wirtschaftswachstum um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte, so die gängigen Schätzungen am Markt. Dies ist derzeit jedoch nicht das erwartete Szenario an den Märkten. „Wenn die Deutung richtig ist, dass der Iran und seine Helfer in der Region zu einer umfassenden Aktion nicht in der Lage sind, dann bleiben die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Finanzmärkte weiter moderat“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Die Risiken für die Inflation belasteten insbesondere die Anleihekurse. Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank und die amerikanische Fed werden dadurch für unwahrscheinlicher gehalten. Eine erste Fed-Zinssenkung wird nun frühstens für den September erwartet. Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit rentierten am Montag mit 2,03 Prozent nach knapp zwei Prozent am Freitag. Für US-Staatsanleihen ging es von 3,38 auf 3,41 Prozent nach oben. „Staatsanleihen sind in einem Ölpreisschock kein sicherer Hafen, weil Inflation und Inflationserwartungen die reale Rendite belasten können“, heißt es von Berenberg. Der Dollar zeigte sich am Montag kaum verändert um 1,1750 Dollar je Euro. Gold hingegen profitiert von der gestiegenen Unsicherheit. Am Montag kostete die Unze zu 31,1 Gramm gut 5400 Dollar und damit zwei Prozent mehr als am Freitag. Ende Januar waren zum Rekordhoch gut 5500 Dollar erreicht worden, bevor kurzzeitig kräftige Gewinnmitnahmen einsetzten.

Rüstungswerte mit Kursgewinnen

Auch Rüstungswerte waren am Montag gefragt. Größter Gewinner im Dax waren Rheinmetall, die sich im frühen Handel mit sechs Prozent Kursplus zeigten, am Mittag waren es noch zwei Prozent. Im M-Dax zeigten sich die Rüstungswerte Hensoldt und Renk mit fünf und vier Prozent Kursplus. Verlierer im Dax waren die konjunkturabhängigen Werte wie Auto-Aktien und Siemens, aber auch Banken mit rund drei bis vier Prozent Kursabschlägen.

Der M-Dax verlor etwas stärker als der Dax, auch weil hier mit der Lufthansa einer der größten Verlierer des Kriegsausbruchs stark gewichtet ist. Die Lufthansa-Aktie verlor teils zehn Prozent an Wert. Die Fluggesellschaft ist gleich mehrfach vom Kriegsausbruch im Nahen Osten betroffen. Die Sperrung des wichtigen Flugdrehkreuzes in Dubai lässt etliche Lufthansa-Flüge ausfallen. Zudem verteuert das teure Öl auch das Flugbenzin. Ein möglicher Dax-Aufstieg der Aktie, über den die Deutsche Börse am Mittwochabend entscheidet, ist vom jüngsten Kursrutsch unbeeinflusst. Datenschluss für die Entscheidung war Freitagabend. Indexfachleute wie Achim Matzke von Matzke Research taxieren die Chance auf etwa 50 zu 50, dass die Lufthansa für Zalando in den Dax aufsteigt. Falls nicht, bliebe der Dax in seiner Zusammensetzung vorerst unverändert. Im M-Dax verloren auch die Tourismus-Aktie TUI mit acht Prozent überdurchschnittlich an Wert.

Das Barometer für die Nervosität am deutschen Aktienmarkt stieg am Montag um 17 Prozent. Mit 22 Punkten liegt der V-Dax New aber noch weit unter dem Zoll-Schock-Moment von Anfang April, als er bis auf gut 40 Punkte stieg. Auch der Kriegsausbruch in der Ukraine überraschte die Märkte deutlich stärker. Mit einem ähnlichen Rohstoffpreisschock wie 2022 mit sehr hoher Inflation, abrupten Zinserhöhungen und kräftigen Korrekturen an Aktien- und Anleihemärkten wird nun nicht gerechnet. Damals hatte Russland sich isoliert und war für die Weltmärkte mit seinem Öl und Gas wesentlich bedeutender als Iran derzeit. Da Russland und China sich bislang zudem ruhig verhalten, gilt Iran als weitgehend isoliert. Bleibt dies so, taxieren die Fachleute des Bankhauses Metzler das Dax-Abwärtsrisiko auf fünf bis sieben Prozent.

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