Berlin

Internationale Bauausstellung in Berlin: Marke und Markenzeichen | ABC-Z

D er „Löwe von Kreuzberg“ wurde Gustav Hämer manchmal genannt – und das nicht nur wegen seiner Mähne. Der Löwe hat auch gekämpft. Zum Beispiel dafür, dass nach einer Altbausanierung keiner der alten Mieter verdrängt wurde. Hardt-Waltherr, so lautete der offizielle Vorname von Gustav, war Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) von 1987. Und der Erfinder der „behutsamen Stadterneuerung“ in Kreuzberg.

Hämers IBA hat Spuren hinterlassen in Berlin. Was heute selbstverständlich scheint – die Attraktivität der Gründerzeitviertel, Fördermittel für Sanierung, Bürgerbeteiligung – geht auf die Zeit vor dem Mauerfall zurück, in der in Westberlin kräftig experimentiert wurde.

Kreuzberg war damals Randlage. Ein Teil der Gründerzeitbauten wurde im Krieg zerstört, dem Rest drohte – wie schon im Weddinger Gesundbrunnen – die Kahlschlagsanierung. Erst die zahlreichen Hausbesetzungen stoppten die Abrisspläne. Und Hämers IBA zeigte schließlich Mittel und Wege auf, die maroden Altbauten instand zu setzen. IBA-Alt hieß dieser Teil der Ausstellung. Ein anderer, die IBA-Neu, setzte mit dem Neubau auf den Brachen auch architektonische Akzente.

Es ist nicht leicht zu sagen, was eine Internationale Bauausstellung eigentlich ist. Architektonische oder städtebauliche Werkschau, Reallabor für urbane Herausforderungen, die Suche nach Lösungen, die hinterher in Serie gehen können. Am ehesten greifbar wird eine IBA in der Rückschau. Am Markenkern, den sie hinterlassen hat. Gustav Hämers Marke war die Rettung von Kreuzberg.

Warum nicht Bauwende?

Gerne würde sich auch Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler mit einem Markenzeichen schmücken. Hartnäckig und meist geräuschlos hat der SPD-Politiker in seiner Amtszeit das Ziel verfolgt, in Berlin wieder eine IBA auszurichten. Es wäre nach der „Interbau“ 1957 im Hansaviertel und der IBA von Hämer in Kreuzberg die dritte. Am Dienstag hat der Senat endlich grünes Licht gegeben.

Von 2034 bis 2037 soll Berlin also wieder Ort der Debatte und der Präsentation wegweisender Projekte werden. Nicht in der Innenstadt, sondern dort, wo sie sich trifft mit der Außenstadt – auf beiden Seiten des S-Bahn-Rings. So könnte die IBA auch dazu beitragen, die Spaltung der Stadt in eine grüne Innenstadt und eine konservative Außenstadt zu überwinden.

Wäre da nur nicht dieser furchtbare Titel. „Urbane Transformation der gebauten Stadt“ schriftet die Stadtentwicklungsverwaltung über die neue IBA. Warum traut sie sich nicht „Bauwende“ zu sagen? Weil das zu sehr von Architects for Future, Umweltschutzorganisationen oder den Grünen besetzt ist?

Und warum hat die SPD nichts gelernt aus dem letzten Desaster? Eine von Rot-Schwarz geplante IBA unter dem Namen „Drinnenstadt wird Draußenstadt“ wurde 2013 gecancelt. Zu sperrig der Titel, zu wenig konkret, zu verkopft, lauteten einige der Vorbehalte.

Hamburg hat das besser gemacht. Die Bauausstellung, mit der 2013 die bis dahin eher vernachlässigte Elbinsel mit dem Stadtteil Wilhelmsburg ins Schaufenster stellte, hatte eine griffige Überschrift: „Sprung über die Elbe“. Darunter konnten sich alle was vorstellen, bis hin zu den Mahnern, die unkten, ob der Sprung nicht etwas zu kurz geraten könnte.

Auch die Internationale Bauausstellung in Brandenburg hatte einen einprägsamen, wenn auch etwas nostalgischen Namen. Die IBA-„Fürst-Pückler-Land“, auf der der Strukturwandel in der Lausitz bereits erprobt wurde, bevor die Mittel vom Bund nach dem Kohleausstieg flossen, war eine Reminiszenz an jenen „Erdbeweger“ Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau, der schon einmal eine Landschaft von Grund auf neu erfunden hatte. Ohne die IBA hätte es zum Beispiel nicht das „Besucherbergwerk“ bei Finsterwalde gegeben – mit der begehbaren Förderbrücke F60, einer der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt.

Vor allem aber war die Brandenburger IBA erfolgreich, weil an ihrer Spitze einer stand, der sich schon zu DDR-Zeiten nichts sagen ließ. Rolf Kuhn, bis dahin Direktor des Bauhauses in Dessau, wagte den Sprung in die Lausitz und drückte der IBA, nicht immer zur Freude der Politik, den Stempel auf. So wie einst sein großes Vorbild Karl Ganser, der als Chef der IBA Emscher Park den Himmel über dem Ruhrgebiet wieder blau gemacht hat.

Keine leichte Aufgabe also liegt da vor der Findungskommission, die für die zu gründende neue IBA-Gesellschaft in Berlin nicht nur eine kaufmännische Leitung braucht, sondern auch jemanden wie Gustav Hämer oder Rolf Kuhn.

Und am besten natürlich eine Frau. Gut vernetzt und vertraut mit der Aufgabe – also der Bauwende.

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