Initiative rettet Menschen vor den Taliban | ABC-Z

Als die Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan übernehmen, bricht Chaos aus. Tausend Menschen strömen zum Flughafen, wollen panikartig das Land verlassen. Es wird geschossen, einzelne Menschen werden in der Panik zerquetscht, andere kollabieren. Die USA verlassen überstürzt das Land. Trotz den dramatischen Umständen beendet die Bundeswehr ihre Luftbrücke aus der afghanischen Hauptstadt Kabul nach elf Tagen.
Flucht vor den Taliban: Das Foto von Omar Haidari ging um die Welt. Es zeigt ein Baby, das im Chaos der Machtübernahme der Taliban von US-Soldaten über eine Mauer am Flughafen von Kabul gehoben wird.
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Die Journalistin Theresa Breuer arbeitet gerade an einem Film über afghanische Bergsteigerinnen, als die Taliban Kabul eroberten. Breuers Dokumentarfilm „An Uphill Battle“ (2022) beinhaltet auch die Bergsteigerin Saeeda „Bibi“ Sadat, die Schwester der Berliner Boxerin Mahnoor Sadat. Breuer will eigentlich zunächst nur Bergsteigerinnen, das afghanische Filmteam und 200 weitere Menschen in Not aus Afghanistan herausholen. Doch dann kommt alles anders.
Eine Laptop-Uhr zeigt die dreieinhalbstündige Zeitverschiebung zwischen Kabul und Berlin. Afghanistan hat keine Sommer-/Winterzeit.
© BM | Kabul Luftbrücke
Theresa Breuer, Ruben Neugebauer und der Grünen-Europapolitiker Erik Marquardt gründen 2021 die Initiative Kabul Luftbrücke, damals noch unter dem Verein Civilfleet. Neugebauer, selbst Pilot, besorgt eine Gulfstream mit zwölf Plätzen und 60.000 Dollar, finanziert durch Spendengelder aus der Seenotrettung. Aber die Amerikaner lassen in Kabul keine zivilen Maschinen mehr landen. Etwas Größeres muss her: Ein Airbus 320, gechartert in Ägypten. Via Bundeswehr ergattert er einen „NATO Sign Call“, eine militärische Genehmigung zur Landung. Der Airbus wird kurzerhand als Militärmaschine getarnt. Es wird der Auftakt zu vielen Rettungsflügen.
Kabul Luftbrücke wird eigenständig
Im Jahr 2023 erfolgt eine Ausgründung der Initiative als eigenständige Organisation unter dem Namen Aab Humanitarian Association gGmbH. „Wir sind eine kleine, durch Spenden finanzierte NGO, deren Mitarbeiter über ganz Deutschland verteilt sind und arbeiten hauptsächlich remote“, erklärt der Ehrenamtliche Ralf Otto. Die Afghanin Elaha Hakim fungiert als Übersetzerin und Mittlerin in Islamabad.
Elaha Hakim von der NGO Kabul Luftbrücke betreut die Zurückgelassenen in Islamabad (Pakistan). Sie spricht fließend deutsch.
© MDR | MDR
Seit August 2021 wurden 4.424 Menschen aus Afghanistan gerettet. Bibi Sadat, erste Bergsteigerin Afghanistans, lebt seit November 2021 mit ihrer Familie dank Kabul Luftbrücke in Berlin und arbeitet als Sozialarbeiterin.134 Menschen mit Aufnahmezusage konnten mit der Unterstützung von Kabul Luftbrücke durch ein Klageverfahren ein Visum in Deutschland bekommen. Einige Anwälte arbeiteten „pro Bono“ für die Afghanen. Zuletzt verfasste Kabul Luftbrücke einen offenen Brief an Merz und Wadephul und Dobrindt, in dem sie die Politiker bitten, das Taliban-Regime unter keinen Umständen anzuerkennen und die durch die Taliban gefährdeten Menschen, insbesondere Mädchen und Frauen, zu schützen.














