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Im Iran verzichten einige Muslime aus Protest auf das Fasten an Ramadan | ABC-Z

Stand: 19.02.2026 03:04 Uhr

Heute beginnt auch im Iran der Ramadan – 30 Tage Enthaltsamkeit, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Manche Iranerinnen und Iraner beteiligen sich ausdrücklich nicht – aus Protest gegen das Regime.

Seit der Islamischen Revolution 1979 nennt sich der Iran “Gottesstaat”. Aber die Frömmigkeit schwindet. 2022 veröffentlicht die unabhängige iranische Plattform Open Data eine Studie, nach der die meisten Menschen im Land nicht konsequent fasten. Hört man sich um, bekommt man allerdings einen anderen Eindruck. Denn viele sehen es so wie der 50-jährige Hasan, ein Großhändler für Milchprodukte.

Während des Feilschens mit einem Kunden stellt er nüchtern fest: “Zunächst einmal ist es unsere religiöse Pflicht zu fasten, unabhängig vom bevorstehenden Krieg oder der wirtschaftlichen Lage.”

Fasten – privat oder politisch?

Beides, ein möglicher Krieg und die miserable wirtschaftliche Lage, setzt den Menschen zu. Fasten wollen sie trotzdem. Das sei ja nichts Politisches, sondern etwas Privates, sagt Azizullah, ein Mann mit weißem Bart. “Ich faste erstens, weil es mein Glaube ist und zweitens, weil es gut für meine Gesundheit ist.”

Für andere ist das Fasten – beziehungsweise Nicht-Fasten – im Iran durchaus nicht nur etwas Privates, zum Beispiel für die 27 Jahre alte Nazanin. Was sie beruflich macht, verrät sie nicht. Sie trägt einen dunkelblauen Mantel und Kopftuch. Man könnte sie für eine Anhängerin des Regimes halten, doch dann sagt sie:

“Ich faste im Ramadan nicht. Erstens, weil ich arbeite und nicht gleichzeitig arbeiten und fasten kann. Und zweitens, weil ich zwar früher im Ramadan gebetet und gefastet habe, aber nach dem, was sie getan haben, habe ich das Beten und Fasten aufgegeben.”

Mit “was sie getan haben” meint sie die blutige Niederschlagung der Proteste Anfang Januar. Tausende Menschen sind damals getötet worden. Es ist schwierig, jemanden zu finden, der sich so offen äußert wie Nazanin.

Protest gegen das Regime: Eine Demonstration in Teheran gegen das Regime

Verlust des Glaubens

Und doch gibt es Anzeichen dafür, dass die Ablehnung des Regimes bei einigen einhergeht mit dem buchstäblichen Verlust ihres Glaubens.

Bei den Protesten im Januar werden landesweit fast 100 theologische Bildungseinrichtungen und Hunderte Moscheen gestürmt oder in Brand gesetzt. In erster Linie richtet sich das gegen Regimekräfte, die sich in den Gebäuden verschanzen.

Es sieht aber auch aus wie Ausdruck der Ablehnung einer Religion, die das Regime in den Augen vieler für sich gekapert hat.

Ausnahme zum Zuckerfest

Nur “Eid al Fitr”, das große Fest am Ende des Fastenmonats, wollen die meisten auf jeden Fall feiern. Es ist die Zeit für Familie und Freunde. Obwohl dieses Jahr die Feiern kleiner ausfallen werden als früher – auch in seiner Familie, sagt der Florist Mojtaba.

“Eid al Fitr feiern wir wie immer. Wir versuchen auch wieder, den Armen etwas zu spenden. Aber ich gebe zu, dass die wirtschaftliche Lage dieses Jahr so schlimm ist wie noch nie – und wir sparen müssen”, so Mojtaba.

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