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IHK-Wünsche für Freising und Erding: Bürokratieabbau und Unterstützung beim Fachkräftemangel – Freising | ABC-Z

Aus der Parteipolitik hält sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) im Kommunalwahlkampf heraus. Einen Wunschzettel für die künftigen Stadt- und Gemeinderäte und natürlich die Bürgermeister in der Flughafenregion hat der Regionalausschuss aber schon. Die meisten Unternehmer in den Landkreisen Freising und Erding sind mit dem Standort zufrieden, in einigen Punkten sehen sie jedoch Verbesserungsbedarf, etwa im Kontakt mit den Behörden. Positive Beispiele gibt es, wie das gut funktionieren kann, das zeigt ein Blick nach Ebersberg.

Die IHK vertritt in der Flughafenregion etwa 22 5000 Unternehmen aus den Bereichen Handel, Dienstleistung und Industrie, die Stimmung unter ihnen ist überwiegend gut. 2025 gaben sie dem Standort im Schnitt die Note 2,0 (Freising) und 2,1 (Erding), das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres. Sorgen und Anlass zur Kritik gibt es dennoch.  Der IHK-Regionalausschuss hat deshalb mehrere Forderungen an die Kommunalpolitik formuliert.

Ganz vorn stehen die Themen Bürokratieabbau, Fachkräftemangel und öffentlicher Nahverkehr. Nicht alles könne auf kommunaler Ebene gelöst werden, sagte Otto Heinz, Vizepräsident der IHK München-Oberbayern und Vorsitzender des Regionalausschusses Erding-Freising, bei einem Pressegespräch. An einigen Stellschrauben aber könnten Städte und Gemeinden drehen.

Die Unternehmen wünschten sich einen direkten Ansprechpartner und eine schnelle Bearbeitung ihrer Anliegen. So könnte wie am Flughafen eine Fast Lane für gewerbliche Kunden eingerichtet werden, sagte Heinz, um beispielsweise den Führerschein für einen Berufskraftfahrer zu verlängern. Nicht jede Behörde müsse „das Rad neu erfinden, im Idealfall lernen Verwaltungen voneinander“. Im Landratsamt Ebersberg etwa gibt es seit 2018 das RAL-Gütezeichen für eine mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung. Auslöser sei damals eine Umfrage gewesen, erklärt Abteilungsleiterin Brigitte Keller. Nur 27,9 Prozent der Mittelständler seien damals mit dem Service von Behörden zufrieden gewesen.

Das Landratsamt in Ebersberg garantiert eine schnelle Reaktion

Die Zertifizierung hat sich aus Sicht des Landratsamts bewährt, die Resonanz der Unternehmen ist positiv. Es gebe feste Terminzusagen sowie zeitliche und finanzielle Planungssicherheit. „Wir können das Gütezeichen aktiv zur Standortwerbung einsetzen und wir tun das auch“, berichtete Keller. Viele Prozesse wickle die Behörde nun schneller und effizienter ab. „Beispielsweise bezahlen wir 50 Prozent der Rechnungen unserer Mittelständler nach drei Arbeitstagen und innerhalb von sieben Arbeitstagen weiß jeder mittelständische Bauherr, ob er alle Unterlagen vollständig eingereicht hat.“ Nach maximal 40 Arbeitstagen werde darüber entschieden.

Eine mittelstandsfreundliche Verwaltung fordert Otto Heinz, Vorsitzender der IHK in der Flughafenregion.  Hier könnte an einigen Stellen nachgebessert werden, finden die Unternehmen in den Landkreisen Freising und Erding. (Foto: Jana Islinger)

Was den Fachkräftemangel angeht, sind die Möglichkeiten der Kommunen begrenzt, ihre Verwaltungen leiden teils selbst darunter. Ein gezieltes Stadtmarketing könne aber dabei helfen, einen Standort bekannter zu machen, sagt Otto Heinz. Auch bei der Integration ausländischer Arbeitskräfte wünscht er sich Unterstützung. „Ausländerbehörden sollten wirtschaftsfreundlich handeln“, fordert er, etwa wenn es darum gehe, Migranten einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu vermitteln. „Es gibt hier Spielräume.“ Wenn eine Abschiebung im Raum stehe, hänge das „wie ein Damoklesschwert über Betrieb und Mitarbeiter“, ergänzte IHK-Pressereferent Florian Reil. Die IHK vermittele immer wieder. „Es wäre schön, wenn das nicht nötig wäre“, so Regionalreferentin Anja Sperr.

Wenn Unternehmen Wohnraum für Mitarbeitende schaffen wollen, kämpfen sie ebenfalls mit Hindernissen. Auch hier sollten Ermessensspielräume ausgeschöpft werden, so Heinz. Ein Problem sei oft, Wohnungen auf dem eigenen Betriebsgelände in Gewerbegebieten zu schaffen. Die IHK befürwortet zudem innovative ÖPNV-Projekte wie den Flex-Bus in Moosburg. Gewerbegebiete seien oft schlecht angeschlossen, was gerade für Azubis ein Nachteil sei.

Im April und Mai wird der Regionalausschuss neu gewählt. Für die 21 Sitze gibt es mehr als 30 Bewerbungen. Auch Otto Heinz kandidiert wieder. Den Vorsitz würde er nach drei Amtsperioden gern in jüngere Hände legen.

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