Home Staging: Wie Wohnungen möbliert werden, um sie besser verkaufen zu können – Starnberg | ABC-Z

Das Häuschen von Oma Trude oder Tante Hilde geerbt? Nun steht der Verkauf an? An diesen Häusern oder Wohnungen „wurde oft dreißig, vierzig Jahre lang nichts verändert“, sagt Immobilienmaklerin Michaela Deininger aus Schondorf. Daher ließen diese sich schwer verkaufen. „Dem nehmen wir uns an.“ Mit dem Plural meint die Maklerin verschiedene Dienstleister und Handwerker, die sie zur Hand hat. Aufgehübscht und aufgemöbelt finden die Wohnungen nach ihren Erfahrungen eine deutlich größere Zahl an Interessenten. Die Chance, den gewünschten Verkaufspreis durchzusetzen oder sogar zu maximieren, verbessert sich.
Das lohnt sich auch für die Maklerin, die in Vorleistung geht und nach ihren Angaben die übliche Maklercourtage prozentual vom Verkaufspreis bekommt. Unser Beispiel-Häuschen wird entrümpeln, geputzt und wenn nötig, auch geweißelt. Sandra Schmitz von „Elements Home Staging“ ergänzt, dass es entlaste, diesen oft emotional belastenden Prozess abzugeben. „Für eine Erbengemeinschaft ist es oft einfacher, sich auf einen Makler zu einigen, der alles übernimmt“, sagt Deininger. Seit elf Jahren arbeitet sie als Maklerin vorrangig im Raum München, Fünfseenland sowie den Landkreisen Augsburg und Landsberg und seit zehn Jahren setzt sie dabei auf Home Staging.
Marion Pronesti und Sandra Schmitz kommen dann, wenn das Häuschen schon sauber und ausgeräumt ist. „Acht von zehn Menschen können sich einen leeren Raum nicht eingerichtet vorstellen oder Größenverhältnisse richtig einschätzen“, erklärt Schmitz. Leerstehende Räume wirken kleiner, als sie sind. Vor fünf Jahren haben sich die beiden Frauen gemeinsam selbständig und eine zertifizierte Weiterbildung im Home Staging (IHK) gemacht. Sie sind Mitglieder in dem noch recht jungen Berufsverband, der 2010 gegründet wurde.
In den USA wird Home Staging, das professionelle Aufbereiten und Einrichten einer Immobilie speziell für den Verkauf, laut Schmitz schon seit den 1970er-Jahren praktiziert. „Bei uns ist es auf dem Vormarsch“, sagt Pronesti. Mittlerweile wissen die Frauen schon beim ersten Durchgang, wie sie ein Objekt einrichten werden. Dabei werden die Möbel locker gestellt, damit bei Besichtigungen Platz bleibt. Mängel dürfen nicht verdeckt werden. Inzwischen haben sie ein dreihundert Quadratmeter großes Möbellager in Untermeitingen angemietet.
Dort lagern an die fünfzehn Sofas, dazu Tische, Lampen, Vorhänge, Kissen, Deko und alles, was benötigt wird, um eine Wohlfühlatmosphäre herzustellen. Für fehlende Einbauküchen oder Waschmaschinen benutzen sie echt wirkende Attrappen aus Pappe. Im Frühjahr wird anders dekoriert als im Winter. „Zu Hause tausche ich sogar die Bilder aus“, sagt Pronesti. Sie hat auch einen Frühlingstipp für daheim: mit „Dopamine Colour“ in kräftigem Orange und Pink farbliche Akzente setzen. Das kann eine Vase sein oder ein Kissen.

Abgestimmt wird die Auswahl der Möbel beim Home Staging auf die Zielgruppe, die gemeinsam mit der Maklerin festgelegt wird. In eine Wohnung im dritten Stock ohne Aufzug wird eher ein junges Paar einziehen oder ein Zweifamilienhaus ist gut für Mehrgenerationenwohnen geeignet. Die Möblierung ist dabei farblich neutral gehalten, vom Stil eher modern und diese verändert sich passend zur Preisstufe des Objekts. Die Home Stagerinnen geben dabei Hinweise, wie Räume genutzt werden können. Auch ein kleines Apartment einzurichten, fällt manchen nicht so leicht, sagt Pronesti.
Nicht mehr fehlen darf inzwischen das Arbeitszimmer oder zumindest eine Arbeitsecke. Der offene Küchenbereich sei seit einigen Jahren nicht mehr so gefragt, berichtet Deininger. Ein gutes Zeichen sei es zum Beispiel, wenn Kinder bei Besichtigungen in den ebenfalls möblierten Kinderzimmern anfangen mit dem bereitgestellten Spielzeug zu spielen. „Emotionen wecken“ sei, so Schmitz, ein Vorteil von Home Staging. „Bei Familien treffen die Frauen die Kaufentscheidung“, weiß die Maklerin.
Auf regionale Bezüge nehmen Pronesti und Schmitz Rücksicht, allerdings eher mit Details wie Büchern, Bilder oder Kissen. Die Farbpalette gebe manchmal das Haus oder die Wohnung vor, wie bei blauen Teppichen. In lebhafter Erinnerung geblieben ist den drei Frauen ein Badezimmer in moosgrün aus den 70ger Jahren. „Wir greifen den Farbton in den Dekorationen der anderen Räume auf, einfach um den Raum zu entschärfen“, erklärt Schmitz. Dabei sei es auch egal, ob das Bad später komplett renoviert wird. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, sagt Pronesti.
Interessenten sollen sich ihr Leben in der Immobilie vorstellen können
Wichtig sei es, die Immobilien zu „entpersonalisieren“, sagt die Maklerin. Familienbilder an der Wand, das Hirschgeweih, der Hundenapf und der Katzenbaum sowie die alten Möbel werden deshalb weggeräumt. Die Interessenten sollen sich ihr eigenes Leben in der Immobilie vorstellen können. Home Staging kann auch bei Objekten eingesetzt werden, die noch bewohnt sind, beispielsweise im Scheidungsfall. „Wir haben auch private Kunden“, sagt Schmitz. Auch für den „Fix & Flip“-Markt, bei dem Investoren alte Wohnungen aufkaufen, renovieren und sofort wiederverkaufen, oder für Bauträger sind sie tätig.
Normalerweise steht ihre Möblierung in der Immobilie für drei Monate, ausgeräumt wird im Regelfall nach der Unterschrift beim Notar. Statistiken des Berufsverbandes DGHR zeigen, dass sich gestagte Immobilen knapp zur Hälfte innerhalb von vier Wochen verkaufen, nach zwölf Wochen sind es drei Viertel. Eine Preisreduzierung sei in der Regel teurer als in Home Staging zu investieren, weiß die Maklerin.
Manchmal wird ein Möbelstück von den Käufern übernommen und nach mehreren Einsätzen müssen die Einrichtungsgegenstände ausgetauscht werden. „Wir kaufen ständig ein“, sagt Schmitz. Einrichten ist schon lange eine Leidenschaft im Leben von Schmitz und Pronesti, die früher im Marketing und als Redakteurin tätig waren. Ihren neuen Beruf finden sie sehr erfüllend. „Wir gehen zufrieden“, sagt Pronesti, wenn sie ihre Möbel wieder einpacken und ins Lager bringen.





















