Hof-Influencer: Wie eine hessische Landwirtin auf Social Media zu Erfolg kam | ABC-Z

Ob beim Traktorfahren, Strohpressen oder mit den beiden Kälbchen Rosi und Paula am Halfter: Die hessische Landwirtin Anne Schmauch nimmt auf ihrem Instagram-Kanal die Menschen mit in ihren Arbeitsalltag zwischen Stall, Ackerland und Weiden. Die frühere hessische Milchkönigin hat sich in den vergangenen Jahren zur erfolgreichen „Hoffluencerin“ entwickelt – mit inzwischen mehr als 180.000 Followern.
„Ich mache das hauptsächlich, weil es mir Spaß macht. Zudem bekomme ich viel positives Feedback“, sagt die 26 Jahre alte Landwirtin. Sie wolle ihr Leben auf dem Hof zeigen – und dabei auch, wie sehr ihr die Tiere am Herzen liegen. „Landwirtschaft ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebensaufgabe“, sagt Schmauch. „Das macht man nicht wochentags von 7 bis 16 Uhr, sondern 24/7 – auch am Wochenende und nachts.“
„Meine Eltern waren erst gar nicht begeistert“
Die meisten Landwirtinnen und Landwirte liebten ihren Beruf, sagt Schmauch. „Meine Eltern waren erst gar nicht begeistert, als ich Landwirtin lernen wollte, und hatten Bedenken wegen der körperlichen Arbeit.“ Aber sie sei froh, dass sie ihren Willen durchgesetzt habe. „Wenn der Wunsch da ist und man das wirklich machen will, dann sollte man das durchziehen – egal ob man eine Frau ist oder nicht“, rät die Landwirtin.
Wirtschaftlich gesehen, bedeuten die Social-Media-Aktivitäten „ein kleines Zubrot“, wie Schmauch berichtet. Bei Kooperationen achte sie darauf, dass es gut zu ihr passe. Sie arbeitet unter anderem mit einem Anbieter für Outdoorkleidung und einem Händler für Weidegeräte zusammen. „Ich nehme auf jeden Fall nicht alle Angebote an, eher die wenigsten.“
Mit ihrer Anstellung als Landwirtin und Herdenmanagerin sowie eigenen Tieren hat Anne Schmauch nicht immer ausreichend Zeit, um Videos zu produzieren – es kam auch schon mal vor, dass sie ein paar Wochen nichts einstellen konnte. „Die Filme entstehen zu 90 Prozent spontan, aus der Situation heraus“, erzählt sie. „Wenn ich einen Moment Zeit habe, nehme ich das Handy raus, stelle die Selfie-Kamera an und erzähle den Menschen etwas von meiner Arbeit.“ Besonders gut gehe das beim Traktorfahren. „Die Aufnahmen für Social Media entstehen so unkompliziert wie möglich – dadurch sind sie sehr authentisch.“
Im vergangenen Sommer hat sich die junge Frau gemeinsam mit ihrem Freund den Traum vom eigenen Hof erfüllt. Die beiden stecken noch mitten in der Sanierung – aber drei Pferde, sechs Ziegen und die Kälbchen Rosi und Paula leben schon dort.
Landwirt Kutscheid vermittelt Themen auch mit Humor
Stephan Kutscheid aus dem mittelhessischen Dornburg hat knapp 77.000 Follower bei Instagram, er ist auch bei Tiktok und Youtube aktiv. Ihm gehe es darum, die Menschen über Landwirtschaft zu informieren, sagt der 39 Jahre alte Landwirt. „Ich sehe das als Öffentlichkeitsarbeit.“ Auf seine Beiträge kämen viele positive Reaktionen, wie etwa „Oh, das habe ich noch gar nicht gewusst.“ Natürlich landeten auch gegenteilige Meinungen in den Kommentaren. Das sei kein Problem, sagt Kutscheid. Er schaue sich auch Kritik an. Er wolle nicht beeinflussen, sondern inspirieren.
„Ich will auch Werbung machen für die Landwirtschaft, für den Beruf“, betont der Landwirt. „Landwirtschaft ist mehr als Traktorfahren, man muss das lieben.“ Er wolle den Menschen vermitteln, wie wichtig die Landwirtschaft für die Gesellschaft sei, „wo unsere Lebensmittel herkommen“. Das sei vielen Menschen nicht bewusst. Seine Themen versucht Kutscheid auch mit Humor rüberzubringen, und mit einer persönlichen Note. „Es hat alles mit meinem Alltag zu tun.“ Die Handykamera habe er eh immer griffbereit. Social Media sei ein reines Hobby, sein Hauptberuf als Landwirt im elterlichen Betrieb dürfe darunter nicht leiden.
„Für mich zeichnet sich ein guter Hoffluencer vor allem durch Authentizität aus“, sagt der Fachschullehrer beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Tim Ebert. „Zuschauer sollten das Gefühl haben, dass nicht ausschließlich die positiven Seiten dargestellt werden, sondern auch die Realität des landwirtschaftlichen Alltags.“ Dazu gehöre auch, über Situationen zu berichten, in denen nicht alles optimal gelaufen ist.
Ein wichtiger Punkt sei die Nahbarkeit der Influencer, ergänzt Ebert. „Wenn Zuschauerinnen und Zuschauer die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen oder direkt mit den Landwirtinnen und Landwirten in Kontakt zu treten, entsteht ein Gefühl von Wertschätzung, und es bietet die Möglichkeit zum Dialog.“ Diese direkte Kommunikation könne dazu beitragen, gegenseitiges Verständnis zu fördern.
„Durch informative Videos und Beiträge können Landwirtinnen und Landwirte Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben und damit Vorurteile gegenüber der Landwirtschaft abbauen“, ergänzt Ebert. Gerade junge Menschen könnten auf diesem Weg für die Landwirtschaft begeistert werden.




















