Hoda lebt in Teheran – „Niemand stellt sich vor, einen echten Krieg zu erleben“ | ABC-Z

„Wir haben uns an den Klang von Explosionen gewöhnt. Wenn die Flugzeuge kommen, haben die Erwachsenen Angst. Wir haben keine Angst. Wir schauen zu. Die Häuser brennen. Die Menschen schreien. Nach einer Weile wird wieder alles still. Und das Leben geht weiter.“
Ich hätte nie gedacht, dass die Worte meiner Lieblingsautorin Ágota Kristóf eines Tages mein eigenes Alltagsleben beschreiben würden. Erst vor ein paar Tagen war es der Klang der Bombardierung Teherans, der mich dazu brachte, in mein Tagebuch zu schreiben:
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Die Geräusche des Krieges: Langsam werden sie normal
Es ist der 28. Februar 2026 – der Krieg hat begonnen. Ich glaube, niemand stellt sich wirklich vor, wie es ist, einen echten Krieg zu erleben. Nicht, bevor man den Alarm mit den eigenen Ohren hört. Nicht, bevor ein Kampfjet über die eigene Stadt fliegt. Nicht, bevor man die erste Explosion hört.
Wahrscheinlich bleibt einem in den ersten Minuten der Mund offenstehen. In den ersten Wochen ist man wie betäubt. Aber langsam werden diese Geräusche normal. Die schrecklichen Nachrichten wiederholen sich. Und die Menschen, die jeden Morgen noch immer in den Bäckereien Schlange stehen, sprechen statt über das Wetter über die Zahl der Verletzten und die zerstörten Häuser.
Unsere Autorin Hoda Rostami lebt im Iran. Sie liebt es, um die Welt zu reisen und ihren Followern davon zu erzählen. Derzeit kann sie den Iran nicht verlassen, also fährt sie durch ihr Land. Exklusiv für unsere Redaktion berichtet sie uns vom Alltag der Menschen.
© privat | Privat
Bis vor ein paar Tagen war ich eine fast gewöhnliche Frau, fast vierzig Jahre alt. Eine meist allein reisende Person. Eine Reiseplanerin in einem Reisebüro. Eine halb Fotografin, halb Chronistin des Alltags. Jemand, der in seinen kleinen Sorgen lebte und fast sein ganzes Einkommen fürs Reisen ausgab.
Natürlich habe ich in diesen vier Jahrzehnten auch Migration erlebt – mehrmals sogar, einschließlich einer Rückkehr. Ich war etwa fünfzehn, als meine Familie von Iran nach Schweden auswanderte. Von Teheran, der Stadt, in deren altem Zentrum ich geboren wurde, nach Stockholm – einer Stadt, die mir zum ersten Mal einen Pass gab und mich mit der Frage der Identität konfrontierte.
„Ich weiß, wie man das gefilterte Internet umgeht“
Meine Eltern hatten Migration schon zuvor erlebt. Sie waren als Kinder aus dem Irak geflohen und nach Iran gekommen – wegen ihrer Herkunft. Dreißig Jahre später wanderten sie nach Schweden aus, wo sie nun seit drei Jahrzehnten leben.
Ich aber kehrte nach meinem Studium in Schweden, nach einem Jahr Praktikum in New York und einem Jahr Leben in Salzburg wieder zurück – in die Straßen, in denen ich als Kind gespielt hatte.
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In Teheran baute ich mir ein eigenes Leben auf, gründete ein Geschäft. Seit etwa zehn Jahren kaufe ich mein Obst beim kleinen Laden in unserer Nachbarschaft, kenne die Bäckerei um die Ecke. Ich weiß, wie man das gefilterte Internet umgeht und wo wir mit Freunden zusammensitzen und unsere Gläser mit selbstgebrautem Bier aufeinanderstoßen.
Ich möchte erzählen von Menschen und ihrem Alltag
Für den persischen Neujahrstag „Nowruz“ am 20. März wollten wir sogar einen kleinen Markt für Kunstschaffende im Viertel organisieren. Bis … bis wir eines Morgens aufwachten und verstanden, dass Krieg ist und wir alle arbeitslos geworden sind.

Meine Reise nach Tibet – die Reise zu meinem vierzigsten Geburtstag – ist in der Luft verschwunden. Die Grenzen sind geschlossen, die Flüge gestrichen. Und selbst das wenige Internet, das noch wie ein dünner Faden zur Welt bestand, ist abgeschnitten worden.
Und nun hat dieser fast gewöhnliche Mensch, der zwei Wochen Krieg in der Hauptstadt erlebt und dokumentiert hat, beschlossen, nach zwanzig Jahren Reisen und Schreiben über Menschen aus mehr als fünfzig Ländern, diesmal im eigenen Land zu reisen und zu schreiben.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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zu.
Er möchte erzählen – von einem der verschlossensten Länder der Welt. Von seinen Menschen. Von ihrem Alltag. Von den Details eines gewöhnlichen Lebens. Von Menschen, die ein wenig hoffnungslos sind und sich doch jeden Tag fragen:
Wird die Bäckerei morgen noch Brot haben?
Hoda Rostami berichtet aus dem Iran
Aktuell dringen kaum Informationen aus dem Iran, das Land ist abgeschottet. Uns ist es dennoch gelungen, Kontakt mit der Reise-Bloggerin Hoda Rostami aufzunehmen. In den kommenden Wochen wird sie in losen Abständen immer wieder für uns über das Leben in dem vom Krieg gezeichneten Land berichten.





















