Hertha enttäuscht gegen Elversberg: Sieglos-Serie geht weiter | ABC-Z

Im Berliner Olympiastadion von Hertha BSC brach gerade die Nachspielzeit der ersten Hälfte an, als Michael Cuisance in der eigenen Hälfte den Ball eroberte. Kaum hatte er ihn gewonnen, beschleunigte er auch schon. Enge Ballführung, kurze Schritte, der Mittelfeldspieler nahm Fahrt auf. Genau wie anscheinend die Gedanken in seinem Kopf. Die Hast seines Körpers, der rasende Blick verriet: wenn er es jetzt schafft, das Zentrum schnell zu überbrücken, könnte noch mal Gefahr entstehen.
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Oder ein Tor vielleicht sogar. Zeitgleich zu Cuisance liefen Maurice Krattenmacher, Fabian Reese und Julian Eitschberger weiter vorn los. Aber keiner der Drei konnte sich seines Gegenspielers entledigen, niemand wählte einen gescheiten Laufweg, der Cuisance ein Anspiel ermöglicht hätte. So als wüsste keiner von ihnen, wohin er hinlaufen soll. Die Sinnlosigkeit des Moments erkennend, trat Cuisance auf den Ball, drehte um und passte ihn nach hinten.
Hertha BSC spielt eine desaströse erste Halbzeit
Der Halbzeitpfiff des Schiedsrichters wurde alsbald von den gellenden Pfiffen der Berliner Fans übertönt. In dieser Szene steckten viele der Probleme, die Hertha BSC gerade mit sich herumschleppt und die beim 0:2 gegen Elversberg in einer desaströsen Vorstellung und dem Verharren auf dem vorletzten Platz kulminierten. Kaum ein Spieler weiß, was er machen soll. Erst recht nicht, wenn der Ball in den eigenen Reihen läuft. In der ersten Halbzeit brachten die Berliner einen Schuss aufs gegnerische Tor zustande. Und der war nicht mal gefährlich.
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Krattenmacher rutschte bei seinem Versuch weg, Elversbergs Torhüter Nicolas Kristof musste sich kaum bemühen. Zu diesem Zeitpunkt war schon mehr als eine halbe Stunde gespielt und Hertha lag 0:1 zurück. Nur 0:1, denn Elversberg spielte, wie Hertha gern spielen würde. Selbstbewusst, sehr ballsicher und im Umkehrspiel enorm gefährlich.
Marton Dardai steckt weiter im Formtief
Mit dem aggressiven, sehr hohen Pressing kamen die Berliner zu keiner Zeit zurecht. Beispielhaft dafür das 0:1. Marton Dardai wurde nahe der eigenen Grundlinie angespielt. Beim Versuch zu klären, schoss er Lukas Petkov an. Der Ball flog hoch in die Luft, er schien dort für einen Moment zu verweilen. Als er wieder nach unten kam, hatte Dardai die Orientierung verloren. Unbeholfen stolperte er Younes Ebnoutalib hinterher, der aber schon seinen Körper zwischen Dardai und dem Ball gebracht hatte. Hart schoss Ebnoutalib in die kurze Ecke ins Tor. Herthas Torwart Tjark Ernst wirkte dabei ähnlich überfordert wie Dardai.
Für den ungarischen Nationalspieler, der seit Wochen außer Form ist, bildete das Gegentor einen weiteren Negativmoment ab. Seit dem ersten Spieltag gilt er als Unsicherheitsfaktor. Gegen Elversberg durfte er nur spielen, weil Niklas Kolbe verletzt ausfiel .„Wir haben viel zu viele individuelle Fehler gemacht“, sagte Herthas Torwart Tjark Ernst, der nach Spielschluss kaum fassen konnte, was sich da vor ihm abgespielt hatte.
Keine Lichtblicke in den zweiten 45 Minuten
„Ehrlicherweise fehlen mir dafür die Worte, was wir in der ersten Halbzeit angeboten haben“, sagte er. So sah es auch Trainer Stefan Leitl. „Für die erste Halbzeit gibt es keinerlei Erklärung“, sagte er. Leitl nahm Dardai zur Pause raus, genau wie Jon Dagur Thorsteinsson, aber er hätte auch jeden anderen Berliner, der auf dem Feld stand, auswechseln können. „Da sollte sich jeder hinterfragen, ob er alles gegeben hat für die Ziele, die wir als Mannschaft und als Verein haben“, sagte Ernst.
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Hätte der sehr schnelle und sehr engagierte Lasse Günther statt dem Pfosten das Tor getroffen, das Spiel wäre bereits zur Pause entschieden gewesen. Leitl brachte den 16 Jahre alten Kennet Eichhorn und Sebastian Grönning, den bisher einzigen Torschützen in den Ligaspielen. Nur gegen Schalke gelang ein Treffer. Zu einem Zeitpunkt, als das Spiel bereits verloren war. „Wir müssen in allen Bereichen besser werden“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber.
Nicht einmal 40.000 im Stadion: Kehren die Fans Hertha BSC schon den Rücken?
Gegen Elversberg wurde aber nur wenig besser. Hertha traute sich etwas mehr, wurde vor 39.680 Zuschauern aber schnell mit dem 0:2 bestraft. Wieder war es Ebnaoutalib, der die Unordnung in Herthas Abwehr ausnutzte. Frei kam er im Zentrum zum Schuss. Leitl hatte auf Viererkette umgestellt, was ebenfalls wenig brachte. Nach der Länderspielpause in Hannover hat Leitl defensiv noch weniger Optionen. Verteidiger Linus Gechter musste nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Das passte zu diesem aus Berliner Sicht völlig misslungenen Abend.
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