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Herausforderer kontert umgehend: Orban versucht es im Wahlkampfendspurt mit Fake News | ABC-Z

Herausforderer kontert umgehendOrban versucht es im Wahlkampfendspurt mit Fake News

10.04.2026, 20:19 Uhr

Viktor Orban ist sich im Wahlkampf nicht zu schade, besonders schmutzige Wäsche zu waschen. (Foto: REUTERS)

Es sind nur noch zwei Tage, bis feststeht, wer die Zukunft Ungarns gestalten darf. Auf den letzten Wahlkampfmetern überziehen sich Ministerpräsident Orban und Herausforderer Magyar gegenseitig mit Vorwürfen. Auch Donald Trump mischt fleißig weiter mit.

Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn am Sonntag hat Regierungschef Viktor Orban den Ton gegen die in Umfragen führende Opposition noch einmal drastisch verschärft. Er warf seinen Gegnern in einem Facebook-Post vor, “vor nichts zurückzuschrecken, um die Macht zu ergreifen” und sich mit ausländischen Geheimdiensten zu verschwören. US-Präsident Donald Trump gab ihm derweil abermals Schützenhilfe und rief die Ungarn auf, für den Rechtsnationalisten zu stimmen. Nach 16 Jahren im Amt könnten Orban und seine Fidesz-Partei am Sonntag abgewählt werden.

Über die Opposition schrieb Orban. “Sie kooperieren mit ausländischen Geheimdiensten. (…) Schon jetzt, bevor Ihre Stimmen überhaupt ausgezählt worden wären, organisieren sie Proteste und Unruhen”, führte er weiter in seiner Botschaft “an alle Ungarn” aus. “Das ist ein organisierter Versuch, um mit Chaos, Druckausübung und internationaler Diffamierung die Entscheidung der ungarischen Menschen in Zweifel zu ziehen.” Beweise für diese Behauptungen legte er nicht vor.

Der ungarische Sicherheitsexperte und ehemalige Geheimdienstoffizier Peter Buda wies in einem Substack-Posting darauf hin, dass die Falschbehauptung, die Opposition würde zusammen mit der Ukraine Unruhen vorbereiten, schon seit einiger Zeit von einschlägigen russischen Social-Media-Kanälen verbreitet werde.

Dabei würden gefälschte Videos produziert, die etwa angebliche ukrainische Soldaten bei der Vorbereitung einer angeblichen Intervention in Ungarn zeigen, schrieb Buda weiter. Mit der Übernahme dieser Verschwörungserzählungen ziele die Orban-Regierung darauf ab, die Bevölkerung “auf eine gewaltsame Provokation einzustimmen”, um deren Urheberschaft dann fälschlicherweise der Opposition zuzuschreiben.

“Ändert nichts daran, dass Tisza Wahl gewinnen wird”

Orbans Herausforderer Peter Magyar von der Tisza-Partei, die in Umfragen unabhängiger Institute vorn liegt, reagierte mit ähnlich scharfen Vorwürfen: Die Fidesz-Partei begehe seit Monaten Wahlbetrug und kriminelle Handlungen und organisiere Geheimdienstaktionen, Desinformation und Falschmeldungen, erklärte Magyar ebenfalls auf Facebook. “Das ändert nichts daran, dass Tisza diese Wahl gewinnen wird”, schrieb der Oppositionsführer weiter, der bis vor wenigen Jahren selbst Fidesz-Mitglied und Teil des Systems Orban war.

Magyar forderte die Ungarn dazu auf, sich auf keine Provokationen einzulassen und ihre Friedfertigkeit zu bewahren. Orban werde am Sonntag von Millionen Ungarn abgewählt, die ihm bei bisherigen Wahlen zur Regierungsmacht verhalfen und die er “im Stich gelassen und verraten” habe. “Wir ersuchen den scheidenden Ministerpräsidenten, das Urteil des ungarischen Volks mit gebotener Nüchternheit und Würde zu akzeptieren”, fügte er hinzu.

US-Präsident Trump wandte sich indes in seinem Onlinedienst Truth Social am Donnerstagabend (Ortszeit) direkt an die Ungarn. “Geht raus und stimmt für Viktor Orban. Er ist ein echter Freund, Kämpfer und Sieger und hat meine komplette und totale Unterstützung für die Wiederwahl als Ministerpräsident von Ungarn.”

Orban regiert Ungarn ununterbrochen seit 2010, als er zum zweiten Mal in Budapest an die Macht kam. Er ist der engste Verbündete von US-Präsident Trump in der EU – und auch von dessen russischem Kollegen Wladimir Putin. Am Dienstag war US-Vizepräsident JD Vance nach Budapest gereist, um Orban im Wahlkampf zu unterstützen, wie schon zuvor im Februar US-Außenminister Marco Rubin.

Massiver Staatsumbau in 16 Jahren Regierungszeit

Mit Brüssel liegt Orban häufig über Kreuz, immer wieder torpedierte er Entscheidungen, die innerhalb der Union einstimmig gefällt werden müssen. EU-Partner werfen ihm seine Nähe zu Russland, seine Blockadehaltung in der Ukraine-Politik, Korruption sowie Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit vor. Experten gehen davon aus, dass auch Russland versucht, die Wahl zugunsten Orbans zu beeinflussen.

In den 16 Jahren seiner Regierungszeit ließ Orban unter anderem die Wahlgesetzgebung zugunsten seiner Fidesz-Partei ändern. Auch die Medienlandschaft in Ungarn hat sich unter seiner Regierung grundlegend verändert. Viele unabhängige Medien mussten schließen, andere wurden von Orban-Verbündeten aufgekauft und zu Fidesz-Sprachrohren.

Während die ungarische Opposition befürchtet, dass Orban das Wahlergebnis im Falle einer Niederlage nicht anerkennen wird, zeigten sich Abgeordnete des Europarats kürzlich besorgt über den “toxischen” Charakter des Wahlkampfs. Dieser sei durch “Hetzpropaganda” der Regierung Orban geprägt, hieß es.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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