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Haft für Demokratieaktivist Lai: Der Traum der Freiheit ist geplatzt | ABC-Z


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Stand: 09.02.2026 16:27 Uhr

Jimmy Lai hatte einen Traum: Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Pressefreiheit in Hongkong. Doch mit dem harten Urteil gegen den Demokratieaktivisten hat die Kommunistische Partei diesen Traum endgültig zerstört.

Jimmy Lai hat von einem freien Hongkong geträumt. Ein Traum von einer Stadt mit einer liberalen Demokratie, mit Rechtstaatlichkeit, mit Pressefreiheit. Ein Ort, an dem jeder seine Meinung sagen darf. Dafür hat er alles gegeben.

Deswegen hat der ehemalige Verleger die pro-demokratischen Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion unterstützt. Unter anderem mit Hilfe seiner populären Zeitung Apple Daily, die inzwischen längst eingestellt ist. Nun hat ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungsregion verkündet, dass der 78-Jährige zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Bekanntestes Gesicht der Demokratiebewegung

Lai ist das bekannteste Gesicht der Hongkonger Demokratiebewegung und einer der schärfsten Kritiker der Kommunistischen Führung in Peking. Er wurde bereits im Dezember schuldig gesprochen, im Prozess um vermeintliche nationale Sicherheit.

Lai soll mit ausländischen Kräften zusammengearbeitet und Aufruhr gestiftet haben. Er hege “Hass und Groll” gegen China, so die Begründung. Lai, auch als Lai Chee-ying bekannt, wurde 1947 in Festlandchina geboren, während des Bürgerkrieges.

Self-made Multimillionär

Um der Armut zu entfliehen, schmuggelte er sich selbst als 12-Jähriger als blinder Passagier auf einem Boot nach Hongkong, in die damalige britische Kolonie. Später arbeitete er sich hoch. Er gründete eine Bekleidungskette und einen Medienkonzern, was ihn zum Multimillionär machte.

Alles, was er habe, habe er Hongkong zu verdanken, so Lai – zuletzt in einem Interview mit der britischen BBC im Jahr 2020, nur wenige Stunden, bevor er festgenommen wurde.

Traum von Freiheit

Das war sein Antrieb. Lai hätte Hongkong verlassen können, neben dem chinesischen Hongkong-Pass hat er auch die britische Staatsbürgerschaft. Doch er ist geblieben, immer angetrieben von der Hoffnung, von seinem Idealismus, von seinem Traum von Freiheit – auch wenn er sich stets bewusst war, dass es ihn die Freiheit kosten könnte. Die Freiheit, die er so sehr liebte und von der er sich wünschte, dass die Stadt, die sie ihm geschenkt hat, ihre Freiheit bewahren würde.

Doch es ist anders gekommen. Die Führung in Peking hat hart durchgegriffen gegen die pro-demokratischen Demonstranten, die 2019 in Hongkong über Monate hinweg zu Hunderttausenden auf die Straßen gegangen sind – meist friedlich, auch wenn es Ausschreitungen gegeben hat. Sie hat ein sogenanntes Staatssicherheitsgesetz für Hongkong verhängt, das de facto alles kriminalisieren kann, was sich gegen die in China autoritär regierende Kommunistische Partei richtet.

Autonomie nur auf dem Papier

Die Staats- und Parteiführung hat gegen völkerrechtlich bindende Verträge verstoßen, die vor der Übergabe der Stadt 1997 zwischen Großbritannien und der Volksrepublik geschlossen wurden. Denn eigentlich sollte Hongkong mindestens 50 Jahre Autonomiestatus genießen und die Menschen in der Stadt weitgehende Freiheitsrechte. Dass dies inzwischen nur noch auf dem Papier gilt, ist allen klar. Wer gegen das System ist, schweigt, lebt im Ausland oder sitzt im Gefängnis – wie Lai.

Die kommunistische Staatsführung hat in Hongkong die Kontrolle über alle Lebensbereiche übernommen. Deswegen war auch die Verurteilung Lais keine Überraschung. Kein Gericht in Hongkong hätte es gewagt, ein anderes Urteil zu fällen. Die Stadt, die ihm alles gegeben hat, hat ihm alles wieder genommen. Jimmy Lais Traum von Freiheit ist geplatzt, gemeinsam mit dem Traum einer ganzen Stadt.

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