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Gräfelfing: Ingeborg Kropp-Arend erhält Bundesverdienstkreuz für Engagement – Landkreis München | ABC-Z

Erst am vergangenen Montag wieder stieg Ingeborg Kropp-Arend am Münchner Hauptbahnhof in den Zug zu einem Geschäftstermin. Und wie jedes Mal läuft sie zuvor zur Bahnhofsmission an Gleis 11. Sie bleibt eine Weile stehen, schaut sich die Menschen an, die dort Hilfe, Schutz und Stärkung suchen. „Dann weiß ich, was ich tue“, sagt sie. Die Gräfelfingerin engagiert sich ehrenamtlich für Frauen, die in der Bahnhofsmission eine Anlaufstelle finden. Es ist nur eines von vielen ihrer sozialen Frauen-Projekte. Zudem hat sie mit einer denkmalgeschützten Villa in Fulda einen Ort geschaffen, der an jüdisches Leben erinnert. Für ihr vielfältiges bürgerschaftliches Engagement erhielt Ingeborg Kropp-Arendt am Mittwoch das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Sie sei „total überwältigt“ gewesen, als der Brief mit der Einladung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Briefkasten lag, erzählt die 60-Jährige. Sie fühle sich „sehr geehrt und dankbar“. Doch es stecke für sie in der Auszeichnung noch mehr dahinter als eine Ehrung. Nämlich die Verpflichtung, weiterzumachen und sich auch in Zukunft zivilgesellschaftlich zu engagieren.

Diese Verantwortung hat sie gespürt, als sie 2015 die sogenannte Rabbinervilla in Fulda, ihrem Heimatort, aus dem Familienbesitz übernahm. Ihr Vater, ein Bauunternehmer, hatte die Villa 2002 gekauft. In dem Haus lebten einst zwei Generationen der Familie Cahn. Der Großvater, Michael Cahn, war Provinzialrabbiner, sein Sohn Leo emigrierte 1938 unter dem Terror der Nazis nach Palästina. Für Ingeborg Kropp-Arend, die als selbständige Immobilienmanagerin arbeitet und seit fast 20 Jahren im Münchner Südwesten lebt, war diese Vergangenheit ein Auftrag, das Haus als Erinnerungsort zu erhalten. Sie renovierte es mit Hingabe und veranstaltet dort seit 2017 die Gesprächsreihe „Unbekannte Nachbarn“, die an jüdisches Leben erinnert. Um noch mehr über das Haus und seine Geschichte zu erfahren, gab sie eine Forschungsarbeit in Auftrag, deren Ergebnisse 2024 unter dem Titel „Die Fuldaer Rabbiner-Villa. Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der jüdischen Familie Cahn“ als Buch erschienen (Michael Imhof Verlag).

Neben der Erinnerungsarbeit setzt sich Ingeborg Kropp-Arend für Frauen ein. Weil sie selbst eine sei, sagt sie, die auch Mutter von zwei Kindern ist. Und weil sie als solche einen Blick dafür hat, wie benachteiligt Frauen noch immer sind. „Das treibt mich einfach um.“ Es werde immer gefordert, als Frau Karriere zu machen. Aber wie solle das gehen, wenn jemand alleinerziehend ist oder pflegebedürftige Angehörige versorgt? Die heute sogenannte Care-Arbeit, die versorgenden Tätigkeiten im Alltag, leisteten immer noch überwiegend die Frauen. Für viele von ihnen ende das schließlich in Altersarmut.

Mit ihren Netzwerken unterstützt sie auch soziale Frauen-Projekte

Bei den internationalen Frauen-Organisationen „Zonta Club München Friedensengel“ und dem „Inner Wheel Club München“ war Ingeborg Kropp-Arend jahrelang im Vorstand tätig. Sie unterstützt mit diesen Netzwerken soziale Frauen-Projekte, darunter eines der Münchner Bahnhofsmission. Seit vergangenem Jahr ist sie Mitglied im Kuratorium Lebensmut in München, einem Verein, der sich für eine psycho-onkologische Unterstützung von Menschen mit Krebserkrankung einsetzt.

Für Ingeborg Kropp-Arend gehört dieses Engagement selbstverständlich zum Alltag. „Man muss nur rausgehen, dann sieht man die Not und weiß, was zu tun ist.“ Auch die Erinnerungsarbeit geht weiter. Gerade werde erforscht, wer nach dem Zweiten Weltkrieg als sogenannte Displaced Persons – ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene – in der Rabbinervilla Unterschlupf gefunden hat, erzählt sie. Da es kaum noch Zeitzeugen gibt, müssten Häuser die Geschichte erzählen. „Wir brauchen diese steinernen Zeugen.“

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