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Glück durch Gesellschaft: Studie zu Alltagsaktivitäten – Wissen | ABC-Z

Es war im Juli 1998, als Stardust seine einzige und damit zwangsläufig erfolgreichste Platte veröffentlichte, auf der auch nur ein einziger Song zu hören war. Für diesen Dance-Hit sampelten die Mitglieder des französischen Trios ein Gitarrenriff aus dem Song „Fate“ von Chaka Khan und schrieben einen Text, der aus den folgenden, sich stets wiederholenden Zeilen bestand: „Ooh baby / I feel like / The music sounds better with you / Love might / Bring us both together“.

Die Schlüsselstelle darin: „The music sounds better with you“, natürlich. Einmal, weil dies der Titel des Stücks ist, das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte, und zum anderen, weil die Zeile eine kleine Weisheit enthält, die die Psychologen Dunigan Folk und Elizabeth Dunn gerade im Fachjournal Social Psychological and Personality Science ohne musikalische Begleitung beschreiben: Nicht nur Musik hören fühlt sich in Gesellschaft besser an, sondern auch banale Alltagstätigkeit gewinnen, wenn sie in Gesellschaft erledigt werden. Hätten Stardust also gesungen „Ooh baby / I feel like / The kitchen cleaning feels better with you“, wäre das auch zutreffend gewesen – nur im Jahr 2021 nicht, aber dazu gleich mehr.

Die beiden Psychologen von der kanadischen University of British Columbia in Vancouver formulieren es also folgendermaßen: „Soziale Interaktion steht in einem engen Zusammenhang mit Glück.“ Sich mit anderen Menschen zu umgeben, scheint recht zuverlässig die Zufriedenheit zu heben, erst recht, wenn in Gesellschaft Angenehmes, Vergnügliches, Schönes gemacht wird. Das liegt auf der Hand und das haben auch Forschungsergebnisse  nahegelegt. So hat der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman einmal Teilnehmer einer Studie gebeten, den Ablauf ihres gestrigen Tages zu rekonstruieren und sich ihrer Stimmungen zu erinnern. In Gesellschaft fiel diese offenbar besser aus, da waren die Probanden im Schnitt glücklicher.

Tanken zu fahren, ist mit Begleitung einfach schöner

War damit schon alles gesagt? Die Erinnerung an Stimmungen in Verbindung mit der Gesellschaft anderer Menschen krankt dummerweise daran, dass sie ziemlich unzuverlässig ist, selbst wenn es nur um den Vortag geht. So eine Studie liefert also nicht zwingend die belastbarsten Ergebnisse. Zudem, so führen Folk und Dunn ins Feld, sind manche Tätigkeiten womöglich genussvoller, wenn Menschen ihnen in Abwesenheit anderer nachgehen: Manchmal klingt Musik doch alleine besser. Zumal bekannt ist, dass selbstgewähltes Alleinsein mit innerer Ruhe sowie reduziertem Stress einhergeht und die Kreativität fördert.

Es sind also längst nicht alle Antworten gegeben, und so stellen Folk und Dunn die Frage, ob die Gesellschaft anderer Menschen auch das Erleben banaler, manchmal sogar langweiliger Alltagsaktivitäten veredelt und das Glücksempfinden erhöht. Um das zu beantworten, werteten die Psychologen Daten der American Time Use Survey (ATUS) aus, für die regelmäßig Haushalte über ihren Alltag, ihre Aktivitäten und so weiter befragt werden. In die Studie flossen Daten aus den Jahren 2010, 2012, 2013 und 2021 ein, die von 41 094 Probanden stammten, die Auskunft über 105 766 Aktivitätsepisoden gaben. Zudem sprachen die Teilnehmer in den vier ausgewerteten Jahren auch über ihr Glücksempfinden.

Jede der 80 in der Analyse berücksichtigten Tätigkeiten stand mit einem erhöhten Glücksempfinden in Verbindung, wenn die Probanden diese in Gesellschaft anderer erledigt hatten. In fast allen ausgewerteten Jahren galt dies am stärksten für Essen und Trinken, was ja naheliegt: Eine Tischgesellschaft ist Inbegriff geselliger, sozialer Interaktion. Aber auch Aktivitäten wie Tabak– und Drogengebrauch, Lebensmittel einkaufen, tanken, Bankgeschäfte erledigen, Reparaturen, aufräumen und – ja – Musik hören gingen in Gesellschaft mit einem erhöhten Glücksempfinden einher. Sogar die Küche aufzuräumen und abzuwaschen, stand in drei Jahren mit positiven Gefühlen in Verbindung. Nur im vierten Jahr, 2021, schlug der Küchendienst als einzige aller Tätigkeiten im Datensatz mit einer minimal eingetrübten Stimmung in Zusammenhang, sofern andere Menschen anwesend waren. Wer weiß – pure Spekulation –, vielleicht tummelten sich in diesem Pandemie-Jahr in vielen Haushalten zu viele Home-Office-Leute in der Küche und standen im Weg herum, sodass Ärger ausbrach? Nur eine Idee.

Sorgt Gesellschaft zuverlässig für ein Feuerwerk der guten Laune?

„Im Zusammenhang mit unseren Befunden müssen wir betonen, dass die beobachteten Effekte relativ klein sind“, schreiben Folk und Dunn in Social Psychological and Personality Science. Für das Jahr 2013 waren Menschen in Gesellschaft anderer quer durch alle analysierten Aktivitäten im Schnitt um 0,22 Punkte auf einer Skala von Null bis Sechs glücklicher. Aus diesen Zahlen lässt sich kein Feuerwerk der guten Laune ableiten, nur weil jetzt jemand mit zum Tanken fährt. Aber es dürfte doch Ausdruck einer positiven Spur sein, die die Anwesenheit anderer hinterlässt.

Ob hier ein kausaler Zusammenhang vorliegt, das vermögen Folk und Dunn nicht mit Sicherheit zu sagen. Es könne auch sein, dass der Zusammenhang umgedreht ist und glückliche Menschen schlicht geselliger sind, während die ohnehin Unglücklichen lieber alleine in der Küche stehen. Allerdings ließ sich aus den Daten ablesen, dass sich das Glücksempfinden vor und nach sozialen Interaktionen unterschied. Es veränderte sich, heißt also, dass die Stimmung der ohnehin gut gelaunten Dauerglückskekse mutmaßlich auch von Gesellschaft beeinflusst wurde. Als Fazit bleibt der Umstand, dass Musik zu hören und sogar die Küche aufzuräumen zusammen mit anderen Menschen irgendwie ein bisschen schöner ist als alleine. Meistens zumindest.

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