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Germering: Osterbrunnen mit 892 bemalten Eiern – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Ein Osterbrauch muss nicht viele Jahrhunderte praktiziert werden, um zu einer guten und liebgewonnenen Tradition zu werden und Menschen zusammenzubringen. Das wird am Samstag im Germeringer Gemeindeteil Unterpfaffenhofen deutlich. Mehr als 100 Einwohner der Stadt sind auf den kleinen Platz an der Salzstraße gekommen, um der Segnung des mit fast tausend Eiern geschmückten Osterbrunnens beizuwohnen.

Die fast tausend Eier sind ursprünglich von Kindern der Kleinfeldschule bemalt worden. Stefan Salger

In der katholischen Dorfkirche Sankt Jakob hat Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster zuvor die von den Dorffrauen gebundenen Palmbuschen gesegnet und ist in der Andacht auf die jährliche Metamorphose des 2003 errichteten Jakobsbrunnens zum Osterbrunnen eingegangen. Eine Wandlung für die Dauer von zwei Wochen, die dem örtlichen Förderverein für Heimatpflege zu verdanken ist.

War viele Jahre Vorsitzender des Heimatpflegevereins: Friedrich Drexler, hier mit Heidi Zweck, die beim Schmücken des Osterbrunnens geholfen hat.
War viele Jahre Vorsitzender des Heimatpflegevereins: Friedrich Drexler, hier mit Heidi Zweck, die beim Schmücken des Osterbrunnens geholfen hat. Stefan Salger

Die Girlanden aus frischem Grün werden als Beleg für den einsetzenden Frühling gewertet, die Eier, ebenso wie das elementare Wasser, als Symbol für das Leben. Auch in Zeiten, die von kriegerischen Konflikten geprägt sind, hält Pfarrer Jaster an seiner ermutigenden Botschaft fest: Alles werde sich zum Guten wenden – „davon bin ich überzeugt.“ Die Osterbotschaft des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, klingt ganz ähnlich. Auch er ruft dazu auf, an Ostern „die Schönheit des Lebens zu feiern“.

Vor 23 Jahren wurde der mit Spenden finanzierte Brunnen errichtet, der dem Heiligen Jakobus gewidmet ist. Der Überlieferung zufolge war er der erste Märtyrer unter den Aposteln. Bis heute wird er als Schutzheiliger der Pilger verehrt, sein Grab soll sich am Ende des bekannten Jakobswegs im spanischen Santiago de Compostela befinden.

Der mit Spenden finanzierte und nach Entwürfen des Oberaudorfer Künstlers Wolfgang Wright gestaltete Bau des Brunnens in Unterpfaffenhofen ist einer Initiative des Fördervereins für Heimatpflege unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Albert Bichler zu verdanken. Seit 2014 ist Bichler Ehrenvorsitzender. Am Samstag trifft er bei der kleinen Zeremonie viele bekannte Gesichter. Auch der Germeringer Oberbürgermeister Andreas Haas ist gekommen.

Der Brauch geht auf eine Initiative des Ehrenvorsitzenden des Fördervereins für Heimatpflege, Albert Bichler (rechts neben Stadtpfarrer Jaster), zurück und wird von vielen Helferinnen und Helfern am Leben erhalten.
Der Brauch geht auf eine Initiative des Ehrenvorsitzenden des Fördervereins für Heimatpflege, Albert Bichler (rechts neben Stadtpfarrer Jaster), zurück und wird von vielen Helferinnen und Helfern am Leben erhalten. Stefan Salger

Die vielen bunten Eier sind ursprünglich von Kindern der Kleinfeldschule handbemalt worden. Genaugenommen sind es 892, wie sich jüngst bei einer Zählung herausstellte. Gingen die aus Kunststoff gefertigten kleinen Kunstwerke zu Bruch, wurden sie anfangs noch von Schülern nachgefertigt. Mittlerweile werden sie nachgekauft, wie Friedrich Drexler erzählt. Bis zum vergangenen Jahr hat sich Drexler als Vorsitzender des Vereins für die Bewahrung des Brauchtums eingesetzt.

Befestigt sind die Unikate an Girlanden, die von Mitgliedern des Heimatvereins an zwei Tagen gebunden und am Brunnen angebracht werden, wie Heidi Zweck erläutert. Sie bestehen aus immergrünem Buchs, Eiben, Thujen und Efeu.

Die Einbeziehung des Brunnens ins Osterfest greift eine seit etwa 1900 vor allem in der Fränkischen Schweiz praktizierte Tradition auf. Damit wird Bichler zufolge an die Zeiten erinnert, als viele abgelegene Dörfer und Weiler unter Wasserknappheit litten. Nach dem langen, kalten Winter spendeten die Quellen wieder Wasser. Die Brunnen wurden gereinigt und zum Dank festlich geschmückt. Mittlerweile haben weitere Städte und Gemeinden im Landkreis das Brauchtum übernommen. So gibt es weitere Osterbrunnen in Puchheim-Ort, Eichenau, Maisach und Fürstenfeldbruck.

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