Gericht: Psychiatrie-Insassin soll andere Patientinnen angegriffen haben – Erding | ABC-Z

Mit Fuß- und Handschellen gefesselt sitzt die 33-Jährige auf der Anklagebank des Landshuter Landgerichts. Auf ihrer Jacke ist das Emblem des 1. FC Nürnberg aufgedruckt. In ihrer fränkischen Heimat lebt die Frau schon lange nicht mehr; seit ihrem 16. Lebensjahr ziehen sich stationäre Klinikaufenthalte „wie ein roter Faden“ durch ihr Leben, fasst der Vorsitzende Richter Ralph Reiter die Krankenakte der Angeklagten zusammen. Zuvor hat er ihr die Handschellen samt Bauchgurt, an dem diese befestigt waren, abnehmen lassen. Dass sie Taten, die sie im Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen an der Vils verübt haben soll, im Gerichtssaal wiederholt, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil sie von Beamten bewacht wird.
Im Dezember 2022 soll die Angeklagte eine andere Patientin angegriffen haben, die in einem videoüberwachten Isolationsraum untergebracht war. Zwei Pflegerinnen waren gerade damit beschäftigt, die gelöste Fixierung nachzuziehen, als die 33-Jährige durch die angelehnte Tür in den Raum gekommen sei, erinnert sich eine von ihnen vor Gericht. Mit einem Bettlaken in der Hand sei die Angeklagte auf die Patientin zugegangen und habe gedroht: „Ich bring’s jetzt zu Ende.“ Auf ihren Appell, „hören’s auf mit dem Schmarrn“, habe die Frau nicht reagiert. Hätte ihre Kollegin nicht den Alarmknopf gedrückt, wäre es schwierig geworden, die nach ihrer Ansicht zur Tötung Entschlossenen aufzuhalten.
Die Pflegerin ist sich sicher, dass die in Landshut vor Gericht Stehende auch zwei Jahre später zur Tötung entschlossen war. Schon beim Hofgang am Nachmittag habe sich die 33-Jährige über eine Mitpatientin beschwert: „Die nervt mich so.“ Am Abend habe ein Security-Mitarbeiter Alarm geschlagen: Auf einer der Überwachungskameras sei sie mit einem Kissen in der Hand zu sehen. Zu zweit habe man sie gerade noch hindern können, in das Zimmer der Patientin zu gehen. „Lasst mich, ich muss die umbringen“, habe die Angeklagte gedroht.
Diese räumt beide Taten ein. Dass die Mitpatientin „nicht fair“ mit anderen umgegangen sei, habe sie „genervt“. Was genau, will Richter Reiter wissen. „Das waren halt so Kleinigkeiten“, antwortet die 33-Jährige und spricht von einer „Kurzschlussreaktion“. Auch im Fall mit dem Bettlaken habe sie „einfach nur rot gesehen“. Die andere Patientin „war einfach zu laut und ich kann Lautstärke nicht aushalten. Ich wollte einfach nur, dass sie ruhig ist.“ An einen dritten Vorfall aus dem Juni 2021, bei dem sie eine Pflegerin mit beiden Händen am Hals gepackt haben soll, kann sich die Angeklagte kaum erinnern: „Ich weiß, dass da irgendwas war.“
Aus der Anstaltsküche hatte sie ein Brotmesser mitgenommen
Die Pflegerin beschreibt das Verhalten der angeklagten Patientin als planmäßig: Habe sie sich einmal auf jemanden fixiert, lasse sie nicht locker. Insbesondere der Angriff auf die zweite der beiden Mitpatientinnen hätte ihrer Meinung nach deutlich schlimmer ausgehen können: Erst kurz vorher habe die Angeklagte ihr ein Brotmesser gezeigt, das sie bei einem Backkurs aus der Anstaltsküche mitgenommen und in ihrem Schuh versteckt hatte – um „andere zu verletzen“, wie sie sagte.
Die 33-jährige ist bereits seit 2018 unbefristet in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht, nachdem sie eine Ärztin in den Schwitzkasten genommen, gewürgt und im Prozess am Bamberger Landgericht zugegeben hatte: „Ich wollte sie einfach weg haben und bereue nichts.“ Im jetzigen Verfahren hat sie daher nicht viel zu befürchten: Zwar ist eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags möglich, weil ihr ein psychiatrischer Sachverständiger nur verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Zudem könnte eine weitere Unterbringung angeordnet werden, die jedoch neben der bestehenden „nicht so entscheidend“ sei, wie der Richter erklärt. Schließlich war die Angeklagte schon vor den nun verhandelten Taten auf die Hochsicherheitsstation verlegt worden. Für Lockerungen, so der Richter, müsste „eine günstige Prognose da sein“. Dafür gebe es gegenwärtig keine Anzeichen, sagt die Pflegerin.
Das Bezirkskrankenhaus hat mittlerweile Konsequenzen gezogen: Wie die Pflegerin berichtet, werden alle Messer in der Einrichtung gezählt, weggesperrt und die Ausgabe protokolliert.





















