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Marktbericht: Dämpfer für die “Bullen” | ABC-Z


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Stand: 17.10.2025 18:14 Uhr

Nach Sorgen wegen der Bilanzen einiger US-Regionalbanken reduzierten die Anleger heute ihre Risikopositionen. Der DAX sackt ab, auch weil das Thema Bankenkrise extrem negativ besetzt ist.

Der DAX ist mit deutlichen Verlusten aus der Handelswoche gegangen, in der ein Minus von knapp 1,7 Prozent zu Buche steht. Prozentual verlor der deutsche Leitindex heute 1,82 Prozent auf 23.830 Punkte, nachdem der Index in der Spitze schon um 2,4 Prozent auf 23.684 Punkte abgesackt war. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte ging bei 29.512 Zählern um 1,74 Prozent leichter aus dem Handel.

Experten verweisen als Begründung für die Börsenschwäche auf Sorgen hinsichtlich der Bilanzqualität kleinerer Regionalbanken in den USA, nachdem gestern zwei Häuser Probleme mit Krediten bekannt gemacht hatten. Sofort schrillen weltweit die Alarmglocken, denn ohne funktionierende Banken und ihre Kredite droht im volkswirtschaftlichen Motor die Schmiere auszugehen. Und da Banken eng miteinander verwoben sind, gerade in den USA, könnten womöglich größere Schäden drohen als nur die für zwei unbekannte Regionalbanken irgendwo in den USA.

Dies wecke böse Erinnerungen an das Frühjahr 2023, wie Chef-Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets sagte. Damals hatten die Pleiten der Silicon Valley Bank und der Signature Bank die Märkte weltweit nach unten gerissen. “Die schwache Kreditverfassung amerikanischer Regionalbanken rüttelt nun die von KI- und Zinshoffnungen euphorisierten Anleger durch.”

Viele Experten zeigten sich aber auch gelassen. “Die Größe der faulen Kredite, so umfangreich sie auch sind, dürfte für sich genommen keine Risiken für das Gesamtsystem bedeuten”, sagte etwa Analyst Kyle Rodda vom Broker Capital.com. Trotzdem, wenn das Wort “Bankenkrise” auftaucht, werden die Anleger dünnhäutig und gehen lieber auf Nummer Sicher. Sie trennten sich von ihren Papieren, was wiederum die gesamte Börse in Mitleidenschaft zog.

Allen realen oder irrealen Bankensorgen zum Trotz standen heute Continental mit einem Plus von fast elf Prozent an der DAX-Spitze. Denn der Reifen- und Kunststofftechnikkonzern aus Hannover hat im dritten Quartal profitabler gewirtschaftet als erwartet. Bei einem Umsatz von rund 5,0 Milliarden Euro lag die operative Marge bezogen auf das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 11,4 Prozent, wie das Unternehmen bereits am Vorabend nach Börsenschluss bekannt gegeben hatte. Auch den Ausblick auf das Gesamtjahr bestätigte der Konzern.

Wenig überraschend gehörten Allianz und Deutsche Bank zu den größten Verlierern im Leitindex. Auch die anderen Aktien aus dem Finanzsektor geben unisono nach. Bei den Versicherungen kommen zudem schwache Vorgaben aus den USA hinzu, unter anderem von Dow-Mitglied Travelers, dessen Prämienwachstum im dritten Quartal enttäuschte.

Rüstungsaktien geraten angesichts weiterer Befriedungsbemühungen von US-Präsident Trump im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ebenfalls unter Druck. Anleger nehmen hier Gewinne mit. Am Vorabend hatte Präsident Trump nach einem Telefongespräch mit Russlands Staatspräsident Putin von Fortschritten gesprochen und ein Treffen mit Putin in Budapest angekündigt. Im DAX büßte die Rheinmetall-Aktie deutlich fast sieben Prozent ein und stand am DAX-Ende, im MDAX waren Hensoldt und Renk auf den Verkaufslisten der Anleger.

Vorbörslich höhere Verluste bestätigen sich an der New Yorker Aktienbörse auch am Mittag Ortszeit nicht. Im Gegenteil, der Leitindex Dow Jones liegt stabil knapp 0,3 Prozent im Plus, auch der S&P 500 ringt mit seinem Schlussstand. Die Abgaben an der Nasdaq sind mit knapp 0,2 Prozent überschaubar.

Aussagen von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit China sorgen für eine gewisse Beruhigung an den hochnervösen Märkten. So sagte Trump, dass der neue Zollsatz auf China-Importe “nicht nachhaltig” sei. Für die Wirtschaft sei das nicht tragfähig. Sein Plan könne aber dennoch aufgehen, sagte er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News weiter, das der Sender vorab veröffentlichte. Er behauptete zudem, dass China ihn dazu “gezwungen” habe.

Der Kreditkartenanbieter American Express (Amex) hat nach einem guten dritten Quartal seine Prognosen für das Gesamtjahr angehoben. So geht das Management nun von einem Umsatzwachstum von 9 bis 10 Prozent und einem Gewinn je Aktie von 15,20 bis 15,50 Dollar aus, wie das Unternehmen heute in New York mitteilte.

Zuvor hatte Amex-Chef Stephen Squeri nur einen Erlösanstieg um 8 bis 10 Prozent und einen Gewinn je Aktie von 15 bis 15,50 Dollar erwartet. Die Aktie liegt am Mittag Ortszeit an der Spitze des Dow Jones und steigt über fünf Prozent zu.

Die “Antikrisen-Währung” Gold stand erneut im Fokus der Anleger. Der Goldpreis hatte in der Nacht bei 4.380 Dollar ein neues Allzeithoch erreicht und steuerte damit auf seine beste Woche seit September 2008 zu. Im Verlauf setzten allerdings Gewinnmitnahmen ein, zuletzt wurden mit 4.250 Dollar über 100 Dollar weniger für die Feinunze gezahlt als in der Nacht.

Die 4.500 Dollar könnten nun schneller zum Ziel werden als gedacht, prognostiziert Tim Waterer, Chefanalyst beim Broker KCM. Marktexperten hatten zuletzt allerdings vor spekulativen Übertreibungen am Goldmarkt gewarnt.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel will trotz des hohen Goldpreises nicht verkaufen und Goldreserven in den USA belassen. “Gold bleibt ein Vertrauensanker und deswegen wird sich an dieser Position der Bundesbank nichts ändern, auch wenn der Goldpreis sich so entwickelt hat, wie er hat”, sagte Nagel am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. Nagel signalisierte zudem vor der nächsten Sitzung der EZB weiterhin stabile Leitzinsen.

Am Devisenmarkt stabilisierte sich der Dollar heute auf niedrigerem Niveau. Zuletzt stand der Greenback aber verstärkt unter Druck, besonders nachdem sich Zinssenkungshoffnungen zuletzt verfestigten. Von der allgemeinen Dollar-Schwäche profitierte auch der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung, die in den vergangenen Handelstagen bereits deutlich über 1,17 Dollar gestiegen war, konsolidierte und fällt bei 1,1671 Dollar aktuell wieder unter diese Marke.

Die vom Finanzmarkt kritisierte Doppelfunktion von Oliver Blume als Vorstandschef von Volkswagen und Porsche hat ein Ende: Blume werde das Vorstandsamt bei der Porsche AG vorzeitig abgeben, wie der Stuttgarter Autobauer heute per Pflichtmitteilung erklärte. Zugleich werde Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche Gespräche mit dem früheren McLaren-Chef Michael Leiters als möglichem Nachfolger aufnehmen. Blume bleibe Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns Volkswagen.

Die US-Tochter EMD des deutschen Pharmakonzerns Merck KGaA hat sich mit der US-Regierung auf eine Senkung der Kosten für künstliche Befruchtung geeinigt. Präsident Trump sprach von massiven Preisnachlässen. Die Merck KGaA teilte mit, die US-Tochter EMD Serono werde ihre Präparate Gonal-f, Ovidrel und Cetrotide direkt an Verbraucher zu deutlich reduzierten Preisen verkaufen.

Der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron hat wegen einer schwächer als erwartet ausfallenden Nachfrage seine Jahresprognose gesenkt. Hinzu kommen ungünstige Wechselkurseffekte. Das Ziel für die operative Gewinnmarge schrumpfte deutlicher. Der Aktienkurs knickte im MDAX ein.

Konkret erwartet der Aixtron-Vorstand 2025 nun einen Umsatz zwischen 530 und 565 Millionen Euro, statt 530 bis 600 Millionen zuvor. Davon sollen rund 17 bis 19 Prozent als Gewinn vor Zinsen und Steuern hängen bleiben. Bisher war eine Ebit-Marge von 18 bis 22 Prozent avisiert worden. Die Aktie fiel zunächst deutlich zurück, erholte sich aber im Verlauf wieder und gab letztlich im MDAX gut zwei Prozent nach.

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