Geht Ehrenamt auch mit wenig Zeit? | ABC-Z

Als Jugendliche und im Studium hat sich Lara Scholz viel engagiert. Als Übungsleiterin im Hochschulsport, in der Politik und in der Kirche. „Mir gibt es total viel, wenn Leute während des Unterrichts Spaß haben“, sagt die Vierundzwanzigjährige. Aktuell macht sie ein Gap Year, zieht für Praktika alle paar Monate um, weiß nie genau, wie lange und wie viel sie wann arbeiten muss. „Da habe ich nicht die Kapazitäten, neben dem Praktikum überhaupt viel anderes zu machen.“
So wie Lara Scholz geht es auch vielen anderen. Mangel an Zeit ist laut einer Studie im Auftrag der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein (CDU), einer der Hauptgründe, weshalb Menschen ihr Engagement beenden. Ehrenamtlicher Einsatz wird sehr geschätzt. Zu dauerhaftem, regelmäßigem Engagement ist laut einer Umfrage des digitalen Gesundheitsunternehmens Doctolib in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) jedoch nur knapp ein Viertel der Deutschen bereit.
Nicht nur aus Zeitgründen. Laut Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, hat die Corona-Pandemie lose Gruppen reduziert und gerade im Sport dazu geführt, dass weniger Menschen die nötigen Qualifizierungen wie Trainerscheine machen konnten. Auch wirtschaftliche Sorgen hielten Menschen davon ab, sich zu engagieren. Laut der Umfrage sehen zudem 42 Prozent in Bürokratie und unklaren Strukturen weitere Hindernisse. Hinzu kommt die generelle Hürde, sich langfristig zu etwas zu verpflichten.
Einmalige Projekte passen in ihren Alltag
Das Maßnahmenpaket „Zukunftspakt Ehrenamt“ der Bundesregierung, das in Teilen 2026 umgesetzt werden soll, hat unter anderem das Ziel, den bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Darüber hinaus gebe es etwa von der Stiftung für Engagement und Ehrenamt Beratungsangebote und sowohl finanzielle als auch operative Unterstützung für Ehrenamtliche, sagt Holze. Und was die Angst vor der Verpflichtung angehe: Ehrenamtliches Engagement muss nicht auf lange Zeit ausgelegt in einem Verein stattfinden. Micro-Volunteering und projektbezogenes Engagement lauten hier die Stichworte.
Laut Holze werden einmalige Aktionen, etwa bei Sportveranstaltungen oder Events, immer beliebter. Dort würden oft nur für einen begrenzten Zeitraum für klare Aufgaben Ehrenamtliche gesucht. Auch Lara Scholz hat darüber schon nachgedacht. Regelmäßig im Verein aktiv zu sein, sei derzeit schwierig, sagt sie – aber eine Reise mit einem Freiwilligenprojekt zu verbinden oder an einer einmaligen Müllsammelaktion teilzunehmen, das passe gut in ihren Alltag.
„Einfach mal machen“
„Das Ehrenamt ist so flexibel, wie es die Lebenswelten der Menschen sind“, sagt Christina Marx, Sprecherin des Vereins Aktion Mensch. Inzwischen gebe es viele Möglichkeiten, sich einmalig oder teils auch ortsunabhängig digital zu engagieren. Wer gerne bastelt, musiziert oder vorliest, könne im nächsten Altenheim nachfragen. Über Websites wie nebenan.de könne man sich informieren, ob in der Nachbarschaft jemand Hilfe brauche – etwa beim Einkaufen oder beim Rasenmähen. Und wer Websites erstellen kann, sich mit sozialen Medien oder Grafiken auskennt, der könne seine Dienste auch digital anbieten und fände bestimmt dankbare Abnehmer.
Im Internet gibt es einige Datenbanken mit Ehrenämtern, die bei der Recherche helfen, sowie Websites, die über einen Fragebogen passende Ehrenämter empfehlen. Wer prinzipiell Interesse an einem Ehrenamt hat, dem legt Holze nahe, sich bei Freiwilligenagenturen, Beratungsstellen der Stadt oder Ehrenamtsmessen zu orientieren. „Einfach mal machen, einfach mal einsteigen, einfach mal ausprobieren“, sagt Christina Marx. Wenn es einem nicht gefalle, könne man sich jederzeit etwas anderes suchen. „Es gibt keine Ausreden mehr.“
Ehrenamtliche können von 2026 an bis zu 960 Euro pro Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen. Für pädagogische, pflegerische oder künstlerische Tätigkeiten gilt eine höhere Übungsleiterpauschale von 3300 Euro – etwa für Ausbilder der DLRG oder für Chorleiter. In der Regel müsse ein Ehrenamt nicht ausdrücklich vom Arbeitgeber genehmigt werden, sagt Holze. Genaueres finde sich im jeweiligen Arbeitsvertrag. Je nach Ehrenamt können sich Arbeitnehmer für ihre Tätigkeit oder damit verbundene Fortbildungen freistellen lassen. Wie viele Tage, das hängt vom Bundesland ab.
Menschen mit ähnlichen Interessen kennenlernen
Wer während seiner freiwilligen Tätigkeit nicht über den Projektträger – etwa einen Sportverein oder eine Kirchengemeinde – versichert ist, sollte prüfen, ob die private Haftpflicht auch ehrenamtliche Tätigkeiten abdeckt. Je nach Einsatzbereich kann ein Gesundheits- oder polizeiliches Führungszeugnis erforderlich sein – insbesondere bei der Arbeit mit Kindern. Ein Führungszeugnis kann gegen eine geringe Gebühr beim zuständigen Meldeamt beantragt werden.
Auch wenn freiwilliges Engagement nicht ganz ohne Bürokratie, Verbindlichkeit und Eigeninitiative auskommt: Es kann erfüllend und bereichernd sein. Das Ehrenamt sei eine hervorragende Möglichkeit, neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen, sagt Marx. Etwas Sinnstiftendes zu tun und Selbstwirksamkeit zu spüren, sei zudem sehr schön. „Mehr ehrenamtliches Engagement ist der ideale Vorsatz für das neue Jahr“, empfiehlt Christina Marx.
Lara Scholz hat sich für das neue Jahr fest vorgenommen, sich nach ihrem Gap Year während des Masterstudiums wieder regelmäßig zu engagieren. Und auch später im Berufsleben will sie Zeit dafür finden. Anderen Freude und Motivation zu schenken, sagt sie, das mache auch sie selbst glücklich.





















