Wohnen

Gehen drei Väter ins Kino… – Gesellschaft | ABC-Z

Fast hätte ich den Tischtennis-Film „Marty Supreme“ gesehen, der für neun Oscars nominiert ist. Zwei Freunde hatten mich spontan gefragt, es war eine Karte übrig. Beide haben kleine Kinder, man sieht sich nicht oft. Der eine war seit Wochen krank, irgendwelche Kita-Keime, und der andere gewöhnt seinen Sohn gerade in eine Keim-Kita ein, das schlaucht auch. „Ich war ewig nicht im Kino“, sagte er voller Vorfreude. Es war merkwürdig leer im Foyer.

Jeder von uns hatte dann eine Tüte Popcorn und ein Bier in den Händen und wir wollten in den Saal. Der Kinomann richtete sein Scangerät auf das Handy des Freundes, aber es machte nicht Piep, sondern Mööp. Der Kinomann schaute uns ungläubig an: „Heute ist der 4.2.! Ihr habt Karten für den 24.2.! Der Film ist noch gar nicht gestartet!“ Gehen drei Väter ins Kino …

Es ist aber auch viel, was man so jonglieren muss. Wer ein Symbolbild für Elternschaft im Jahr 2026 braucht, kann dienstags oder donnerstags in die Turnhallen kommen, in denen meine Töchter ihre Turnstunden absolvieren. Während sie an Reck oder Balken zugange sind, kann man auf den Zuschauertribünen und Treppenabsätzen und Umkleidebänken Mütter und Väter bei eigenen waghalsigen Turnereien beobachten.

Da sitzen wir mit Laptops auf den Beinen, in irgendwelchen Calls, Tabellen und Nöten. Schon klar: Milieu-Alarm! Man muss erst mal die Möglichkeit haben, von überall seiner Arbeit nachzugehen. Und doch scheint unser aller Rechnung nicht aufzugehen: Offenbar lässt unsere workload nicht zu, dass wir unsere Kinder nachmittags in Ruhe zum Turnen bringen. Offenbar ist es uns allen aber wichtig, dass unsere Kinder eine erfüllte Freizeit haben. Natürlich winken wir regelmäßig runter in die Halle, als wären wir bei der Sache.

Wir wollen alles richtig machen, 100-Prozent-Eltern mit 100-Prozent-Stellen. Also machen wir alles auf einmal und haben abends das Gefühl, nichts so richtig zu machen. Manchmal gönne ich mir in der Turnhalle eine Pause und kaufe vor dem nächsten Call beim Supermarkt nebenan fürs Abendessen ein. Ist das diese „Lifestyle-Teilzeit“, von der die CDU fantasiert?

Es geht alles irgendwie – und irgendwie auch nicht

Die Tage erregte in den sogenannten sozialen Netzwerken eine Video-Umfrage von Business Insider Deutschland zu Recht die Gemüter: Da wurden CEOS (und ein gewisser Christian Lindner, Sie erinnern sich) gefragt, wann sie sich das letzte Mal krankgemeldet haben – und keiner konnte sich erinnern. Die Herren haben also ein eher zweifelhaftes Arbeitsethos und wenig exemplarische Arbeitsbedingungen (eine Krankenschwester kann nicht mit Halsschmerzen vom Wochenendhaus aus arbeiten). Aber insgeheim dachte ich: Keine Ahnung, wann ich Nicht-CEO mich zuletzt krankgemeldet habe. Ob ein Kind hustet oder ich, den Laptop kann man mit ins Bett oder Kinderzimmer nehmen. Es geht alles irgendwie – und irgendwie auch nicht.

Da saßen wir im Kinofoyer mit Popcorn und Bier. Und hatten einen richtig guten Abend. Die zweieinhalb Stunden, die der Tischtennis-Film gedauert hätte, waren geblockt, und so mampften und quatschten wir ungestört. Vielleicht sollten wir regelmäßig zum Reden ins Kino. Aber erst mal schauen wir am 24.2. den Tischtennis-Film. Ich trage es gleich in meine Spalte im Familienkalender ein. Das ist ein Dienstag, da komme ich direkt vom Turnen.

In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

Back to top button