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Gauting: Schloss Fußberg wird internationales College – Starnberg | ABC-Z

Nach monatelangem Leerstand im vergangenen Jahr kommt nun wieder Leben in das Schloss Fußberg in Gauting. Im Herbst möchte  eine internationale Schule, die bisher in Tutzing beheimatet ist, den Unterricht in der herrschaftlichen Immobilie an der Würm beginnen. Geplant sei ein College für etwa 30 Schüler ab 16 Jahren, berichtet Gina Deininger, die Leiterin der Create Schools. Die Gemeinde veranschlagt in ihrem Haushalt Mieteinnahmen in Höhe von 100 000 Euro pro Jahr; das ist etwas mehr als bisher.

Das historisch bedeutsame Schloss Fußberg, das eigentlich aussieht wie ein größerer Gutshof, gehört seit mehr als 40 Jahren der Gemeinde und war lange Zeit Sitz einer Unternehmensberatung, die aber im Frühjahr nach Haar umgezogen ist. Es war offenbar nicht einfach, einen neuen Mieter zu finden und hat länger gedauert als geplant. Ein Jahr ist es nun her, dass die Kommune den Auszug der bisherigen Mieter publik gemacht hat. Als „neue Adresse mit Strahlkraft“ und 675 Quadratmetern Nutzfläche wurde die Immobilie auf einem Internet-Portal angeboten. Seit Juli war es verfügbar.

Im November habe die Create Way Education GmbH die Räume bezogen, teilt die Gautinger Rathaussprecherin Charlotte Jans mit. Bislang sei Schloss Fußberg nur vorläufig vermietet, einige Details des endgültigen Mietvertrags würden noch geklärt. Für den Schulbetrieb sei noch einiges vorzubereiten, außerdem stehe die Genehmigung der Nutzungsänderung noch aus. „Das letzte Wort hat da das Starnberger Landratsamt“, betont auch Schulleiterin Deininger.

Ein Schulbetrieb im Schloss wäre jedenfalls neu. Das Objekt weist einige Besonderheiten auf, allein schon die idyllische Lage direkt an der Würm in einem Park in absolut ruhiger Lage. Ein offenes Treppenhaus mit knarrenden Holzstufen, im ersten Obergeschoss der herrschaftliche Schwanthaler-Saal mit Stuckverzierungen an der Decke, ganz oben auf dem Dach ein begehbarer Ausguck mit beeindruckendem Rundum-Blick. Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören außerdem die Remise, die als Veranstaltungsraum dient, und das Salettl, in dem ein italienisches Restaurant untergebracht ist.

Schloss Fußberg liegt mitten in einem Park an der Würm. (Foto: Franz Xaver Fuchs)
Die Gründerinnen der Create Schools: Gina Deininger (rechts) und Stefanie Norman bei einem Gespräch anlässlich des zehnjährigen Bestehens 2024.
Die Gründerinnen der Create Schools: Gina Deininger (rechts) und Stefanie Norman bei einem Gespräch anlässlich des zehnjährigen Bestehens 2024. (Foto: Arlet Ulfers)
Die Schule an der Ziegeleistraße befindet sich in einem Industriegebäude, das von außen mehr wie eine Lagerhalle aussieht.
Die Schule an der Ziegeleistraße befindet sich in einem Industriegebäude, das von außen mehr wie eine Lagerhalle aussieht. (Foto: Arlet Ulfers)

Und in dieses Ensemble mit der repräsentativen Postanschrift „Am Schlosspark 15“ wollen nun die Create Schools aus Tutzing einziehen. Es handelt sich um eine internationale Schule, die einiges kostet. Eine Finanzierung durch staatliche Stellen gibt es nicht; der Großteil der Mittel wird durch Spenden, Schulgebühren, private und unternehmerische Patenschaften aufgebracht. Der Standardjahresbeitrag für alle Jahrgangsstufen beläuft sich auf 16 536 Euro; dazu kommen diverse Gebühren. Allein für das Assessment im Zuge des Bewerbungsverfahrens sind demnach 300 Euro fällig. Allerdings werden jedes Jahr einige Plätze für Stipendiaten freigehalten, die zu günstigeren Konditionen den Unterricht besuchen können, betont die Leiterin.

Die Schule rühmt sich einer „einzigartigen Philosophie in Bezug auf Bildung“. Kleine Klassen ermöglichten es den Lehrern, „außergewöhnliche Beziehungen“ zu den Schülern aufzubauen und sicherzustellen, „dass ihr Wohlbefinden von größter Bedeutung ist“.  Kritisches Denken sei fester Bestandteil der Lehrpläne. Der Unterricht beginnt erst um 10 Uhr, weil Untersuchungen gezeigt hätten, dass das für die Schüler am besten ist. Die Klassen bestehen aus maximal zwölf Schülerinnen und Schülern. Von der ersten Klasse an werden Tablets für ein bis zwei Unterrichtsstunden pro Woche eingesetzt. Jede Klasse hat einen Lehrer als Mentor, der sie begleitet.

„Wir legen großen Wert auf die Erziehung des ganzen Kindes“: Diese Einstellung gehört zur Philosophie der internationalen Schule.
„Wir legen großen Wert auf die Erziehung des ganzen Kindes“: Diese Einstellung gehört zur Philosophie der internationalen Schule. (Foto: Arlet Ulfers)

Die Zeugnisse enthalten mehr als ein paar Ziffern, die der Bewertung dienen sollen. Mehr als 20 Seiten umfasst der „school report“ jeder Schülerin und jedes Schülers. Bis zu zwei Seiten lang sind die Beurteilungen und Einschätzungen der Lehrer. Unterrichtet wird in der Grundschule eine Woche lang in Englisch und eine Woche lang in Deutsch, später findet der Unterricht überwiegend in englischer Sprache statt. Viele Lehrer sind Native Speaker, viele Schüler kommen aus dem Ausland. „In unseren zehn Jahren hatten wir Schülerinnen und Schüler aus 41 Ländern“, sagt Deininger. Der Einzugsbereich reiche bis nach München und Garmisch.

Die im Jahr 2014 gegründete Schule an der Ziegeleistraße im Süden von Tutzing ist in einem Gebäude untergebracht, das von außen eher an eine Lagerhalle erinnert. Aktuell werden 96 Schülerinnen und Schüler dort unterrichtet. Die Grundschule, Foundation genannt, dauert vier Jahre, dann geht es mit der High School weiter, die in der zehnten Klasse mit den IGCSE-Prüfungen abschließt, die der Mittleren Reife entsprechen. Im zweijährigen College können schließlich A-Level-Prüfungen in drei Fächern abgelegt werden, was einem Fachabitur entspricht. Nur die Verwaltung und das College sollen nach Gauting verlagert werden; ansonsten bleiben die Create Schools in Tutzing.

Ausweichmöglichkeiten werden schon länger gesucht, denn der Platz an der Ziegeleistraße reicht nicht mehr aus. So bekommen bisher die Kinder zeitversetzt ihr Mittagessen, weil der Speisesaal nicht groß genug ist.

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