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Gastarbeiter am Golf: Arbeiten unter Beschuss | ABC-Z

Stand: 13.03.2026 • 01:51 Uhr

Der Iran-Krieg hat längst auch die Glitzermetropolen am Golf erfasst. Besonders gefährdet: All jene Gastarbeiter, die draußen unterwegs sein müssen. Zu Hause zu bleiben, können sie sich nicht leisten.

Wenn Mohammed durch Dubai fährt, lässt ihn das mulmige Gefühl nicht los. Mohammed ist Taxifahrer, seinen Namen haben wir aus Sicherheitsgründen geändert. Seit ein paar Jahren lebt der Ende 40-Jährige aus Pakistan am Golf – verdient in Dubai Geld, dass er zu seiner Familie nach Hause schickt.

Doch seit ein paar Tagen ist alles anders. Dubai steht unter Beschuss, Iran feuert Raketen und Drohnen auf die Glitzermetropole. Mohammed wäre um ein Haar getroffen worden: “Ich habe einen Gast an einem Luxushotel abgesetzt, fuhr gerade weg, und in der Sekunde wurde das Hotel getroffen und brannte. Ich hab es mit eigenen Augen gesehen.”

In Sicherheit zu bleiben, kann sich niemand leisten

Seitdem habe er Angst, gibt er zu, und würde am liebsten zu Hause bleiben. Aber das gehe nicht, zu groß sei der wirtschaftliche Druck – wer nicht fährt, bekommt kein Gehalt. Die Taxifahrer arbeiten auf Kommission, sie müssen monatlich Geld an die Firma zahlen.

Zu Hause in Sicherheit bleiben bei Raketenalarm? Das können sich viele Gastarbeiter in den Golfstaaten nicht leisten. Zehntausende leben hier, aus Ländern wie Bangladesch, Pakistan, Nepal, geflohen vor der Armut in ihrer Heimat.

Auch Joyce von den Philippinen geht zur Arbeit – verkauft Süßigkeiten in einem großen Einkaufszentrum. Aber es sind kaum noch Touristen da. Ja, Sorgen mache sie sich schon, erzählt sie. Sie habe mit ihrem Arbeitgeber gesprochen, ob sie aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben dürfe. Die Antwort war eindeutig: “Wer nicht kommt, bekommt kein Gehalt. Also kommen wir.”

Die meisten Opfer: Gastarbeiter aus Asien

Allein in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind bislang mehrere Menschen durch den iranischen Beschuss gestorben, mehr als 100 wurden verletzt. Die meisten Opfer: Gastarbeiter aus Asien. Denn sie sind weiter draußen unterwegs.

Auch Sayyed fährt. Vor wenigen Tagen wurde ein Bekannter von ihm getötet, auch ein Taxifahrer, als ein Geschoss in der Nähe einer bekannten Mall auf sein Auto stürzte. Ob es eine Drohne war oder ein herabstürzendes Raketenteil, weiß er nicht. Die Drohnen machen ihm Angst, auch wenn die meisten abgefangen werden können.

Heute morgen hat wieder ein Kollege eine Drohne gesehen, die Drohnen sind schrecklich. Meine Eltern sagen, ich soll nach Hause nach Bangladesch kommen, in Sicherheit, aber die Flüge sind so teuer. Ich hab immer gesagt, Dubai ist sicher, hier gilt die Sicherheit für alle. Aber jetzt hab ich Angst.

Die Einkaufszentren sind gespenstisch leer

Sie haben keine Regierung, die sie rausholt, keine Versicherung, die sie auffängt. Sayyed hofft, dass die Taxifirma sie unterstützt, denn die Fahrgastzahlen seien dramatisch zurückgegangen, 20 Prozent vom Normalbetrieb nur noch, schätzt er.

Die meisten Leute bleiben zu Hause – die Einkaufszentren sind gespenstisch leer, selbst an bekannten Attraktionen wie dem Burj Khalifa, dem höchsten Wolkenkratzer der Welt, knubbeln sich keine Besuchermassen mehr. Dubai im Ausnahmezustand.

Nur sie machen weiter, als wäre nichts geschehen: Die Gastarbeiter. “Wir haben keine Wahl”, sagt Mohammed. Und fährt wieder los.

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