Fußballnationalmannschaft: Wer soll ihn reinmachen? | ABC-Z

Unter den zehn besten Torschützen der WM-Geschichte finden sich gleich vier Deutsche: Miroslav Klose (der Rekordmann), Gerd Müller (für manche der Größte aller Zeiten) sowie die Weltmeister Jürgen Klinsmann und Thomas Müller. Zudem trug Karl-Heinz Rummenigge, zweimal Europas Fußballer des Jahres, das deutsche Trikot. Rudi Völler und Uwe Seeler bleiben unvergessene Volkshelden.
Deutschland, das Land der Mittelstürmer. Doch das war einmal. Deutschland gehen seit Jahren die Spezialisten aus. Das Nachwuchssystem produziere, einer Industrie gleich, vor allem flexible Allrounder, schreibt Philipp Lahm in seiner jüngsten Athletic-Kolumne: “Doch Fußballer müssen nicht alles gut können, sondern etwas sehr gut.”
Besonders im Angriff, im Strafraum, fällt diese Lücke seit Jahren auf. Die Nationalmannschaft hat keinen Torjäger mehr, der verlässlich und konstant trifft. Die Namen und Hoffnungsträger wechseln ständig. Julian Nagelsmann wird sich in den Testspielen in der Schweiz (Freitag, 20.45 Uhr) und gegen Ghana (Montag, 20.45 Uhr), erst recht bei der WM im Sommer, etwas einfallen lassen müssen, damit seiner Elf das Entscheidende gelingt: das Ding reinmachen.
Wem wird der Bundestrainer diese Aufgabe anvertrauen? Der letzte Eindruck sprach für Nick Woltemade. In den entscheidenden Spielen der Qualifikation schoss er gegen Nordirland, Luxemburg und die Slowakei insgesamt vier Tore. Wer seine Mannschaft zum Turnier schießt, steigt in der internen Hierarchie. Der letzte Eindruck ist allerdings lange her; seit Herbst ist viel passiert in der Karriere des schlaksigen Stürmers.
Anfangs traf er für seinen neuen Verein Newcastle United, inzwischen darf er bei wichtigen Spielen wie den beiden Partien in der Champions League gegen Barcelona nur zuschauen. Karl-Heinz Rummenigge sagte im Sommer, Stuttgart habe “einen Idioten” gefunden, der so viel Geld für Woltemade bezahle. Das hätte man charmanter ausdrücken können, aber Rummenigges Skepsis scheint sich zu bewahrheiten.
Im Moment des Ballkontakts schloss Woltemade die Augen
Momentan scheint die Stimmung wieder auf Seiten von Deniz Undav zu sein: 18 Mal traf er in der Bundesliga, würde man die Elfmeter abziehen, wäre seine Bilanz nicht viel schlechter als die von Harry Kane. Der Stuttgarter, clever und kreativ im Abschluss, ist derzeit der mit Abstand beste deutsche Torschütze der Bundesliga. Zwischenzeitlich hatte er seinen Stammplatz in Stuttgart verloren, wirkte nicht austrainiert. Daher wurde er im Vorjahr nicht für die Nationalmannschaft nominiert.
Undav und Woltemade sind zudem nicht unbedingt klassische Stürmer. Weil sie nicht die schnellsten und athletischsten Spieler sind, weichen sie gerne aus und bieten sich im Mittelfeld an. Auch Kopfbälle sind nicht ihre Sache. Dass Woltemade trotz seiner Größe kein Kopfballspezialist ist, sah man bei seinem Treffer in Nordirland, den er mit der Schulter erzielte. Im Moment des Ballkontakts schloss er die Augen.
Deutschland hat zwei Stürmer mit klarem 9er-Profil. Doch Tim Kleindienst ist langzeitverletzt. Und Niclas Füllkrug, ebenso kopfballstark, konnte sich nach seinem Wechsel aus der Bundesliga weder in der Premier League noch in der Serie A behaupten.





















