Fürstenfeldbruck lehnt Baustoffrecycling am Stadtrand ab – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Mit einer Bodenwaschanlage will die Fürstenfeldbrucker Firma Kiesgruben Rekultivierung Oberbayern (KRO) belastete Baustoffe reinigen und recyceln. Das Verfahren gilt als innovativ und bundesweit wegweisend, soll Deponien entlasten und Rohstoffe sparen. Aber sind solche Anlagen in der Nähe einer Stadt sinnvoll? Und ist ein Standort geeignet, der eigentlich aufgeforstet werden soll? Mehrheitlich hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung gegen die unbefristete Genehmigung eines „Grünen Baustoffzentrums“ ausgesprochen – auf einer Fläche von etwa 20 Hektar in der sogenannten Stockinger-Kiesgrube am westlichen Stadtrand.
Auf Antrag der Grünen-Fraktion soll nun zunächst versucht werden, einen geeigneten Alternativstandort auf städtischem Gebiet zu finden. Überschattet wurde die emotionale Debatte von Vorwürfen, das Unternehmen versuche, eine weitere Kiesgrube in Nachbarschaft des Pucher Meers als Faustpfand zu benutzen, um die Genehmigung für das Recyclingzentrum durchzusetzen. Weitgehende Einigkeit besteht im Stadtrat darüber, dass ein Recyclingzentrum mit einer Bodenwaschanlage als Zentrum grundsätzlich sinnvoll und ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft ist.
Vor einem Jahr hatten die beiden Geschäftsführer ihr an der Kieswerkstraße geplantes Projekt, in das sie etwa 13 Millionen Euro investieren wollen, im Fachausschuss vorgestellt. Schadstoffbelastete Böden und Abbruchmaterial können damit gereinigt, Bestandteile wie Steine wiederverwendet und die Deponierung großer Mengen Bauschutts vermieden werden. In Fürstenfeldbruck könnte behandeltes Material gleich zur Verfüllung der verbliebenen Kiesgrube verwendet werden, so die Idee.
Eine Bezugsquelle ist mittlerweile freilich auf unbestimmte Zeit weggefallen: Die unter anderem mit der „Ewigkeitschemikalie“ Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) belasteten Böden des Fliegerhorsts bleiben, wo sie sind. Denn die Bundeswehr wird die Kaserne nicht abgeben. Damit gibt es keine zivile Umgestaltung und keine Neubauten in großer Zahl, für die Altlasten beseitigt werden müssten. Für viele Stadträtinnen und Stadträte ist dies ein zusätzliches Argument, das gegen den Standort im Westen der Stadt spricht. Weitere sind der Lastwagenverkehr, die Lärmbelästigung für Bürgerinnen und Bürger sowie die Maschinenhalle in Sichtweite.

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Vor allem aber würde ein Industriegebiet zum Dauerzustand werden, während die Kiesgrube dem Bebauungsplan zufolge nach abgeschlossener Ausbeutung renaturiert und wiederaufgeforstet werden muss – als Ergänzung des regionalen Grünzugs und des Erholungsgebiets Rothschwaiger Forst.
Nachdem der Planungs- und Bauausschuss im Sommer eine Genehmigung abgelehnt hatte, versuchten Oberbürgermeister Christian Götz (BBV) und ein von der Stadt beauftragter Jurist, das Unternehmen für einen Kompromiss zu gewinnen: eine Befristung der Betriebsgenehmigung auf 40 Jahre. Letztlich vergeblich. KRO lehnt dies ab und führt wirtschaftliche Gründe ins Feld. Mit deutlichen Worten übten vor allem Politiker der Grünen-Fraktion Kritik an dem Kiesunternehmen und warfen diesem vor, die etwa zwei Kilometer entfernte Kiesgrube am Pucher Meer in den Verhandlungen als Druckmittel einzusetzen.

Damit rückt eine zweite KRO-Kiesgrube in den Blickpunkt, etwa zwei Kilometer nördlich von der Stockinger-Kiesgrube gelegen. In direkter Nachbarschaft zum Badesee Pucher Meer hat sich dort ein weiterer Baggersee gebildet. Die Kiesausbeutung ist abgeschlossen. Die Stadt würde die Grundstücke gerne erwerben, um das Erholungsgebiet zu erweitern und die Wasserfläche fast zu verdoppeln.
Die Botschaft: Ohne Baustoffzentrum kein erweitertes Pucher Meer
Die KRO hatte allerdings das Baustoffzentrum und das „Pucher Meer II“ de facto zu einem Verhandlungspaket geschnürt. Die unausgesprochene Botschaft: ohne Baustoffzentrum kein Pucher Meer II. KRO-Geschäftsführer Thomas Vilgertshofer bestätigte auf Nachfrage der SZ, dass beim Landratsamt bereits im vergangenen Frühjahr die Verfüllung des Baggersees beantragt worden ist. Die Stadtverwaltung bezweifelt, dass eine solche Verfüllung zulässig ist, widerspreche diese doch dem im Bebauungsplan verankerten Ziel der Rekultivierung eines Erholungsgebiets.

Vilgertshofer äußert sich enttäuscht über die ablehnende Entscheidung im Stadtrat. In dem Gremium wurde der Unternehmer vor allem von CSU, Freien Wählern und Fürstenfeldbrucker Mitte unterstützt. Vilgertshofer bezweifelt, dass es im Stadtgebiet einen anderen geeigneten Standort gibt, mit der Infrastruktur für Deponie, Kippe, Betonwerk sowie der nötigen Verkehrsanbindung. Auch Standorte jenseits der Stadtgrenzen sind offenbar nicht in Sicht.
Dem von Mitgliedern der Grünen-Fraktion geäußerten Vorwurf der versuchten Erpressung mit dem Pucher Meer II tritt der Unternehmer entgegen. Zudem betont er, dass KRO in den zurückliegenden Jahren bereits auf ehemaligen Ackerflächen rund um die Stockinger-Kiesgrube wiederaufgeforstet habe und wertet dies als Beleg für den Versuch, „ökologische sowie wirtschaftliche Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden“.





















