Fürstenfeldbruck: Brandstifter haben es auf Papiercontainer abgesehen – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Im Landkreis Fürstenfeldbruck sind 279 kleine Wertstoffhöfe verteilt, in denen Glas, Dosen und Papier abgegeben werden können. Im vergangenen Jahr brannten 18 Anlagen, in vielen Fällen handelt es sich um Brandstiftung, bis Anfang Februar gab es erneut bereits fünf Mal Feueralarm. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Stefan Mayer, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis (AWB). Der Landkreis will deshalb für Papier und Pappe keine Container mehr aufstellen.
Meistens gehen einzelne Behälter in Flammen auf, in neun Fällen brannte die gesamte Anlage. Der Schaden im vergangenen Jahr betrug rund 65 500 Euro. Die Brände ereignen sich in Fürstenfeldbruck sowie den Städten im östlichen Landkreis. „Im Westen passiert eher nichts“, sagt Mayer. Eine Videoüberwachung der Wertstoffhöfe ist aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich, weil alle Nutzer erfasst werden würden.
Im Juli 2022 brannte es am frühen Morgen in der Nordendstraße in Bruck. Ein Nachbar alarmierte die Feuerwehr, mehrere Bewohner eines angrenzenden Hauses konnten sich vor dem Qualm retten, auf dem Grundstück entstand Sachschaden. Im gleichen Jahr schnappte die Polizei in Allach zwei Jugendliche aus dem Landkreis, die gestanden, mehrere Container angezündet zu haben. Im März 2025 brannte es zeitgleich auf den Wertstoffhöfen in Bruck auf der Lände und am ehemaligen Reitstall beim Kloster. Weil Brandstiftung nahe lag, ermittelte die Kripo. Im November musste die Anlage am Engelsberg nach einem Brand geschlossen werden.
In jedem Fall erstattet der AWB eine Anzeige, schon aus Gründen der Versicherung. Nach einer Brandstiftung am kleinen Wertstoffhof in Bruck auf der Lände Anfang Dezember seien zwei mutmaßliche Täter ermittelt worden, berichtet Mayer. Der AWB werde versuchen, den Schaden einzuklagen, der in diesem Fall rund 2000 Euro betrage. Zwei Papiercontainer und der Sichtschutz aus Holz fingen Feuer.
Der AWB hat die Situation an allen Wertstoffhöfen untersucht. Bei 81 Anlagen beträgt der Abstand zu Wohnhäusern oder Nebengebäuden weniger als zwölf Meter, weshalb die Gefahr besteht, dass die Flammen übergreifen. Der AWB hat Metallcontainer aufgestellt, um das Feuer einzudämmen, aber wenn Papier und Pappe brennen, springt das Feuer trotzdem über. Außerdem sind die schwereren Behälter für die Müllabfuhr kaum zu handhaben, erzählt der AWB-Leiter.

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Zusammensetzung des Mülls geändert hat, was dazu führt, dass die Anlagen vermüllen. Als die kleinen Wertstoffhöfe 1995 eröffnet wurden, brachten die Leute überwiegend Zeitungen und Kataloge, heute sind es Verpackungen, weil immer mehr im Internet gekauft und dann geliefert wird. Die riesigen Schachteln, etwa für Bildschirme, passen nicht in die Container, sie seien oft so massiv, dass sie per Hand nicht gefaltet werden können, berichtet Mayer. Die Folge ist, dass die Container, die 1,1 Kubikmeter fassen, nicht reichen, obwohl sie inzwischen dreimal in der Woche geleert werden.
Die blaue Tonne soll Abhilfe schaffen
Mayer hat deshalb vorgeschlagen, künftig auf kleinen Wertstoffhöfen keine Papiercontainer mehr aufzustellen. Der Werkausschuss des Kreistages hat seinen Antrag angenommen. In Zukunft soll die Bevölkerung ihre Reste an Papier und Pappe entweder auf die großen Wertstoffhöfe bringen, wo große Container zur Verfügung stehen und Pressen die Kartons zerkleinern, oder zu Hause die blauen Tonnen nutzen. Mayer verweist darauf, dass diese Behälter umsonst beim AWB bestellt werden können. Man bekommt sie frei Haus geliefert.
Der AWB möchte das Konzept der kleinen Wertstoffhöfe grundsätzlich überprüfen. Sowohl wegen der Sicherheit, aber auch weil vermüllte Anlagen weder von der Bevölkerung noch den Kommunen akzeptiert würden. Allerdings will der AWB an dem System grundsätzlich festhalten. „Die Leute müssen die Möglichkeit haben, fußläufig Glas und Dosen zu entsorgen, sonst sammelt niemand mehr“, sagt Mayer.
Zumal der Landkreis sehr viel Geld in die Sanierung der kleinen Wertstoffhöfe investiert. Die Anlagen wurden zwischen 1992 und 1995 errichtet, in den Jahren 2012 bis 2014 wurden die ersten 149 Wertstoffhöfe für rund 560 000 Euro saniert. Im Frühjahr 2023 wurde beschlossen, die übrigen für mehr als 1,2 Millionen Euro zu erneuern. In diesem Jahr sind dafür 27 Anlagen vorgesehen.





















